Willers drohen vier Spiele Sperre Dresdner Ordnungsdienst setzt Feuerlöscher gegen VfL-Fans ein

Von Alfons Batke | 22.12.2014, 20:13 Uhr

Auch zwei Tage danach sorgte das emotionale und spektakuläre Drittliga-Duell zwischen Dynamo Dresden und dem VfL Osnabrück (2:1) für Gesprächsstoff und Reaktionen. Dem des Feldes verwiesenen VfL-Abwehrspieler Tobias Willers droht eine Sperre von vier Spielen, der VfL wird dagegen angehen. Und: Nach dem Abbrennen von Bengalos und dem Einsatz von Feuerlöschern durch den Dresdner Sicherheitsdienst werden Strafanzeigen von beiden Seiten gestellt.

Tobias Willers war am Montag auf der Fahrt zum weihnachtlichen Familientreffen in Hildesheim reichlich bedient, als er von Trainer Maik Walpurgis das vermutliche Strafmaß für sein Austreten gegen Dynamo-Profi Dennis Erdmann erfuhr. „Vier Spiele sollen es sein, das ist schon ein echter Hammer. Es war zwar ein Fehlverhalten meinerseits, ich habe mich dafür auch vor der Mannschaft entschuldigt, aber es gibt da auch eine Vorgeschichte.“

Walpurgis war auch am Montag noch stocksauer über das Verhalten des Dresdner Verteidigers Michael Hefele, der die zum Platzverweis führende Aktion auslöste. Der zu Saisonbeginn von Wacker Burghausen gekommene Abwehr-Haudegen hatte zuvor bereits VfL-Stürmer Stanislav Iljutcenko im Luftkampf mit dem Ellenbogen weggerammt – der vom VfL kritisierte Schiedsrichter Christian Dietz hatte dabei mit der Gelben Karte schon Gnade vor Recht ergehen lassen.

Willers schilderte die für das Spiel mitentscheidende Szene aus der 34. Minute so: „Beim Zweikampf mit dem Dresdner Hefele bekomme ich einen Ellenbogenschlag ins Gesicht und stürze nach hinten. Dort treffe ich auf Erdmann und erhalte einen weiteren Schlag, diesmal auf den Kopf. Danach muss ich wohl ausgetreten haben, was mir extrem leidtut. Aber es war halt ein Reflex.“

Nach Informationen unserer Zeitung fordert der Kontrollausschuss des DFB auch deshalb vier Spiele Sperre, weil er eine Rote Karte von Willers aus der Vorsaison im Trikot von RB Leipzig erschwerend mitbewertet. Wie zu erfahren war, soll der Schiedsrichter in seinem Sonderbericht nicht auf die Hefele-Attacke gegen Willers eingegangen sein.

Der VfL hatte bis Montagnachmittag Zeit, auf den Strafantrag aus Frankfurt zu reagieren. Fristgerecht, so unsere Informationen, haben die Lila-Weißen Einspruch eingelegt. Die schriftliche Begründung soll bis Dienstag in der DFB-Zentrale vorliegen. Es ist nicht damit zu rechnen, dass der Fall wegen der Feiertagskonstellation noch in diesem Jahr abschließend behandelt wird. Laut Trainer Walpurgis soll aber alles versucht werden, dass es zu einer Reduzierung des vorgesehenen Strafmaßes kommt. Bei vier Spielen Sperre würde der formkonstante Leistungsträger in den Begegnungen mit Armina Bielefeld, Preußen Münster, Fortuna Köln und RW Erfurt fehlen.

Unterdessen wurde bekannt, dass das Abbrennen von etwa 20 Bengalos durch VfL-Anhänger und die daraus resultierenden Reaktionen der Dresdner Sicherheitskräfte Folgen haben. Eher ungewöhnlich war dabei der Einsatz von Feuerlöschern durch die Securityfirma.

Michael Aschmann vom Fanprojekt Osnabrück war im VfL-Fanblock und kritisierte die Unverhältnismäßigkeit des Einsatzes mit Feuerlöschern. Als diese dann auch noch eingesetzt worden seien, als die Bengalos längst erloschen waren, hat er reagiert: „Ich habe Strafanzeige gegen unbekannt gestellt“, sagte der Sozialpädagoge, der zwar das Abbrennen der Feuerwerkskörper nicht gutheißen wollte, aber von „Überreaktionen“ durch die Sicherheitstruppe sprach.

In einer am Montag von Fanprojekt und der Fanabteilung VfL Osnabrück veröffentlichten Mitteilung war die Rede davon, dass es aufgrund des Einsatzes von Löschmitteln zu zahlreichen Verletzungen im Osnabrücker Block gekommen sei. Einer der Betroffenen habe auf der Intensivstation eines Dresdner Klinikums behandelt werden müssen, es solle sich um einen 46-Jährigen handeln, der nun hoffe, rechtzeitig zu Weihnachten wieder in der Heimat zu sein.

Nähere Informationen über die Identität des potenziellen Opfers waren zunächst nicht zu bekommen, auch nicht von der Dresdner Polizei. Die hatte am Montag andere Sorgen und bereitete sich auf eine neue Pegida-Demo mit Gegenveranstaltungen vor.

„Das Geschehen ist noch nicht so aufgeschlüsselt, wie wir es gerne hätten“, sagte Polizeisprecherin Jana Ulbricht unserer Zeitung. Sie bestätigte, dass es zum Einsatz von Feuerlöschern gekommen sei und einige VfL-Anhänger medizinisch hätten versorgt werden müssen. Nach Rangeleien habe es aber auch aufseiten der Ordnungskräfte Verletzte gegeben, eine davon habe Anzeige erstattet. Dass die Polizei bei den Vorkommnissen nicht eingegriffen habe, begründete die Sprecherin damit, dass für die Dinge innerhalb des Stadions der Veranstalter zuständig sei.