Videobilder führten auf die Spur Osnabrück: Münsteraner Student gesteht Sprengstoffanschlag – Schneller Ermittlungserfolg

Von Harald Pistorius | 18.09.2011, 15:33 Uhr

Viel Applaus gab es am Samstag an der Bremer Brücke in Osnabrück, lange bevor die Fußballer des VfL ihr Drittligaspiel gegen Kickers Offenbach gewannen. Die Nachricht, dass der Verursacher der Sprengstoffexplosion gefasst worden ist, wurde so stark bejubelt wie ein Tor.

Vereinschef Dirk Rasch verkündete, was die Ermittlungsbehörden kurz zuvor mitgeteilt hatten: Ein 24-jähriger Student aus Münster wurde am Freitag festgenommen, gestand die Tat und sitzt seitdem in Untersuchungshaft in Osnabrück.

Der Mann gab laut Staatsanwaltschaft zu, am vorvergangenen Samstag beim Derby in Osnabrück den Sprengsatz im Münsteraner Fanblock gezündet und dann in den ehemaligen Spielertunnel unterhalb der Westtribüne geworfen zu haben. Er habe niemanden verletzen wollen und geglaubt, bei dem Spielertunnel handele es sich um ein freie, nicht von Menschen benutzte Fläche.

Von der Glaubwürdigkeit dieser Aussage wird bei einer Verhandlung auch das Strafmaß abhängen. Das „Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“ kann mit einer Haftstrafe bis zu drei Jahren bestraft werden. Nach Behördenangaben ist der Mann bisher nicht durch Gewalttaten aufgefallen.

Die zwölfköpfige Ermittlungskommission, der zwei szenekundige Beamte aus Münster angehörten, kam dem Tatverdächtigen über die Videobilder der Überwachungskamera auf die Spur. „Mit den Bildern konnten wir dem Täter ein Gesicht geben, dann gelang es, die Identität zu dem Gesicht zu finden“, sagte Staatsanwalt Dr. Alexander Retemeyer von der Pressestelle. Weitere Einzelheiten zur Identifizierung und Festnahme des 24-Jährigen behalten die Behörden derzeit für sich.

So bleibt es eine unbestätigte Spekulation, dass der Tatverdächtige der Münsteraner Ultra-Gruppierung „Curva Monasteria“ angehört hat. Auch die Frage, wie der Sprengsatz ins Stadion geschmuggelt werden konnte und woher der Bausatz stammt, sind ungeklärt und Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

In Osnabrück wie in Münster waren die Verantwortlichen erleichtert über den schnellen Erfolg der Polizeiarbeit. „Das war ein Anschlag auf die zivile Gesellschaft, und wir sind sehr froh und dankbar, dass der Täter so schnell gefasst werden konnte“, sagte VfL-Clubchef Rasch. Er wünschte den 28 verletzten Opfern des Anschlags rasche Genesung ebenso wie die Mannschaft des VfL, die das beim Einlaufen mit einem großen Transparent bekundete. Rasch entschuldigte sich außerdem bei den VfL-Fans, die unverschuldet unter einem umstrittenen Einsatz des privaten Sicherheitsdienstes in der Ostkurve zu leiden gehabt hätten.