VfL-Trainer sieht Fortschritte und Defizite Fuchs: Ich flippe jetzt nicht aus

Von Alfons Batke | 14.09.2011, 20:46 Uhr

Klarer Aufwärtstrend, zweiter Sieg in Folge, erneut zu null gespielt. Und dennoch: Nach dem überzeugenden 2:0 des VfL Osnabrück in Heidenheim ist Uwe Fuchs um Bodenhaftung bemüht. „Ich bin nicht in Panik geraten, als es ergebnismäßig nicht so gut für uns lief. Genauso wenig werde ich jetzt nach den beiden Erfolgen ausflippen. Gleich nach dem Spiel in Heidenheim habe ich mich voll auf den nächsten Gegner Kickers Offenbach konzentriert“, sagte der Trainer des VfL.

Trotzdem ist es lohnend, sich das Match auf der Ostalb noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Denn so stark wie in der ersten Halbzeit hat der VfL in dieser Saison noch nicht gespielt. Wenn man von einem Entwicklungsprozess redet, so war dieser in den ersten 45 Minuten zu erkennen. Das Spiel des jungen Teams hatte Konturen, die Rädchen griffen ineinander.

Das war auch das Produkt der Trainings, „der Gruppenarbeit“, wie Fuchs es bezeichnete. Will heißen: das permanente Einstudieren bestimmter Abläufe mit der Option der Spieler, eigene Lösungsvorschläge einzubringen. Was ein wenig akademisch klingt, haben die Youngster Gerrit Wegkamp (18) und Timo Beermann (20) in besonderer Weise in den Fußball-Alltag eingebracht. Die VfL-Eigengewächse, zu Beginn der Saisonvon vielen Betrachtern als potenzielle Bankdrücker angesehen, haben sich in rasanter Geschwindigkeit zu Leistungsträgern entwickelt. Fuchs zu seinen beiden Musterschülern: „Sie sind sehr aufnahmebereit, sie sind lernwillig und lernfähig.“

Auch wenn der Genosse Trend derzeit mit dem VfL ist, sollten die Schwachstellen nicht verschwiegen werden. Wie zum Beispiel in Heidenheim zwischen der 55. und 70. Minute, als sich der VfL das überlegen geführte Spiel aus der Hand nehmen ließ. Fuchs, ein Verfechter des Prinzips der fußballerischen Dominanz, ärgerte sich: „Wir haben in dieser Phase zu tief gestanden, wir hätten ruhiger spielen müssen.“ Außerdem: „Wir hatten auch in diesem Spielabschnitt unsere Konterchancen. Das dritte Tor war mehrfach möglich, doch wir haben die schnellen Angriffe nicht konsequent zu Ende gespielt.“

Das sind Dinge, an denen zu arbeiten sein wird. Nicht in unmittelbarer Ausrichtung auf die Partie gegen Offenbach wegen der hohen Belastung durch die englische Woche (Fuchs: „Aktive Regeneration bis zum Training am Freitag“), sondern vielmehr auf Strecke gesehen: „Jetzt kommen die Monate mit dem normalen Wochenrhythmus. Da ist in der Alltagsarbeit mehr möglich“, sagte Fuchs und brachte einen anderen Aspekt ins Spiel: „Durch die jungen Spieler, die nachdrängen, haben wir deutlich mehr Qualität im Training.“

Das Spiel des VfL ist stabiler, das steht außer Frage. Großen Anteil daran hat Martin Hudec, ein zunächst wegen seiner Verletzungsanfälligkeit sehr kritisch beäugter Neuzugang, der mit seinem im Testspiel gegen den SV Wilhelmshaven erlittenen Muskelfaserriss dieses Klischee auch zu bedienen schien. Knapp zwei Monate später segelt der Slowake im Aufwind, „auch wenn noch Luft nach oben ist“, wie Fuchs anmerkte. Aber Hudec ist auf dem Weg zum echten Abwehrchef. „Er führt“, fasste es Fuchs knapp zusammen.

Das trifft in der Offensive auch auf Niels Hansen zu, der in Heidenheim in ungewohnter Rolle direkt hinter der Sturmspitze Wegkamp glänzte und beide Tore vorbereitete. Der Rotschopf hat Gefallen an dieser Position gefunden: „Das mache ich gerne, da kann man sich so richtig austoben.“ Denn beim gebürtigen Flensburger Nordlicht kann man sicher sein: Die Defensivarbeit vergisst er nicht.