VfL-Spieler Tom Christian Merkens Merkens wieder im VfL-Mannschaftstraining

Von Alfons Batke | 06.05.2015, 20:53 Uhr

Er ist ein Kämpfer vor dem Herrn. An Aufgeben hat er nie gedacht. Oh ja, gibt er zu, es hätte Momente geben können, um die Flinte ins Korn zu werfen. Doch Tom Christian Merkens hat einen eisernen Willen. Er will wieder Fußball spielen, am liebsten auf dem Niveau, das er schon einmal erreicht hat. Seit mehr als 14 Monaten hat der Profi des Drittligisten VfL Osnabrück kein Match mehr bestritten – aber seit zwei Wochen steht er wieder im Mannschaftstraining.

„Ich bin offiziell wieder gesund geschrieben und habe den gewohnten Ablauf mit dem Team, bin also kein Reha-Einzelkämpfer mehr“, sagt der 25-jährige. Günter Schröder, hat den langen Weg zurück von Merkens begleitet. „Es hat mich ungeheuer gefreut, ihn wieder auf dem Platz zu sehen. Denn da gehört er hin“, äußert der Physiotherapeut des VfL.

Durch das rüde Foul des Münsteraners Amaury Bischoff am 1. März 2014 sei ein Knorpelschaden im Sprunggelenk des rechten Fußes entstanden. Knorpelschäden entstehen zumeist durch Verschleiß, im Fall von Merkens war es der heftige Schlag durch den Preußen-Mittelfeldmann. Hat Merkens dem Übeltäter verziehen? „Es gibt Menschen auf dieser Welt, über die man sich am besten keine Gedanken machen sollte“, antwortet er vielsagend. Ob Bischoffs damalige Entschuldigung nun ernst gemeint oder fadenscheinig war, darüber macht sich der vom TSV Havelse zum VfL gewechselte Mittelfeldmann keine Gedanken mehr. „Ich schaue nach vorn und sehe, dass es wieder eine Perspektive gibt.“

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Die zweite Operation Ende Oktober in der Augsburger Hessingpark-Klinik beim Sprunggelenksspezialisten Dr. Manfred Thomas wurde die entscheidende und zeigte dem Vollblutfußballer wieder eine Zukunft auf. Doch es sollte ein weiteres halbes Jahr dauern, ehe aus dem Einzel- wieder der Mannschaftssportler wurde. Dafür braucht es neben ganz viel Geduld und Disziplin auch Zuspruch. „Den habe ich in meinem privaten Umfeld gefunden, aber auch im Verein, der mich enorm unterstützt und Wertschätzung gezeigt hat“. Merkens verfolgte auch den Leidensweg seines Kollegen Paul Thomik, dessen fast wundersame Heilung nach noch längerer Pause habe ihm einen zusätzlichen Schub gegeben.

Merkens hat aber nicht nur etwas für den Körper, sondern auch für den Geist getan. Er forcierte sein Fernstudium der Betriebswirtschaftslehre, ist mittlerweile im fünften Semester. „Ich bin da ganz gut im Thema und werde das jetzt auch durchziehen“, sagt der von Hannover 96 ausgebildete Kicker.

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Thomik kann schon wieder auf sporadische Einsätze verweisen, darauf hofft Merkens insgeheim auch noch für diese Saison. „Auch wenn es nur die letzten zehn Minuten im letzten Saisonspiel sind. Auf jeden Fall habe ich wieder Vertrauen in den Fuß gefunden.“ Das hat man offensichtlich auch beim VfL registriert. „Wir haben Tom im Januar vor dem Spiel gegen Münster ein Angebot gemacht und wünschen uns, dass er weiter bei uns spielt“, sagt VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend über die gemeinsame Entscheidung mit Trainer Maik Walpurgis und Sportkoordinator Lothar Gans. „Er hat sich bei uns entwickelt, aber dann durch ein brutales Foul fast seine Karriere verloren. Wir haben uns da durchaus auch in der Pflicht gesehen.“ In Vertragsfragen gehe es nur noch um Kleinigkeiten. „Ich bin sicher, dass Tom weiter für uns spielt, wenn er es möchte“, sagt Wehlend.

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Hinter Merkens liegt eine lange Leidenszeit, nunmehr tut sich wieder eine Perspektive auf. „Ich habe viel gelernt in den zurückliegenden Monaten und in etlichen Bereichen auch eine andere Sicht auf die Dinge erhalten. Vor allem zu begreifen, wie wertvoll die kleinen Sachen des Alltags sein können.“ Es ist ihm erkennbar ein Anliegen, das so zu formulieren.