VfL Osnabrück: Streit um Fahne eskalierte Eine unsportliche Bilanz: 23 Verletzte – Ein Polizist mit schwerer Bauchwunde – 29 Festnahmen

Von Michael Jonas | 10.09.2011, 15:54 Uhr

Es sollte ein Derby ohne Hass und Übergriffe werden. Doch alle Appelle fruchteten nicht. Die Drittligapartie des VfL gegen Preußen Münster (1:0) wurde außerhalb des Platzes zu einer blutigen und widerlichen Auseinandersetzung. Insgesamt wurden 23 Personen in Mitleidenschaft gezogen.

Fünf Polizisten erlitten schwere Verletzungen und wurden ins Krankenhaus gebracht; darunter ist ein Beamter, der mit einer schweren, offenen Bauchverletzung behandelt werden musste. Sechs Polizisten wurden wegen Knalltrauma versorgt. Zwölf Zuschauer mussten ebenfalls verletzt behandelt werden. Insgesamt nahm die Polizei 29 Personen fest, alles Fans der Osnabrücker Ultras, die sich vor dem Spiel vor der Nordkurve mit Gästefans prügeln wollten.

Die Wirkung des zu Spielbeginn im Münsteraner Block gezündeten Sprengkörpers, der im alten Spielertunnel explodierte, wo sich mehrere Sicherheitskräfte aufhielten, hatte offenbar eine Splitterwirkung. „Das war absolut ekelhaft und ist aufs Schärfste zu verurteilen“, war der Sicherheitsbeauftragte des VfL, Bruno Richter, noch lange nach dem Spiel schockiert. „Wer jetzt mit Fußball nichts mehr zu tun haben will, den kann ich verstehen.“

Ralf Heskamp, Geschäftsführer des VfL Osnabrück, verurteilte das Verhalten der Osnabrücker Ultras. „Wir hatten vorher vereinbart, dass es keine Provokationen geben und nicht die Fahne der Münsteraner gezeigt werden darf. Die Ultras haben ihr Wort gebrochen. Ich bin total enttäuscht und gehe keine Kompromisse mehr ein“, reagierte Heskamp stocksauer.

Andreas Zimmermann, Fan-Beauftragter des VfL, wies die Kritik zurück. „Das gehört dazu, solche Provokationen sind normal. Außerdem war es gar nicht die richtige Fahne. Das die Fahne gezeigt wird, wollten nicht nur die Ultras, sondern die ganze Osttribüne. Und die fasst immerhin über 5000 Zuschauer. Ich will mal sagen, dass wir auf dem Platz 1:0 gewonnen haben, aber auf den Rängen 4:0“, meinte Zimmermann.

Hintergrund des Fahnenstreits: Die Münsteraner Ultras, die sich inzwischen offenbar aufgelöst haben, hatten ihre Fahne auf der Zugfahrt vom Viertligaspiel in Kaiserslautern im Abteil liegenlassen. Mainzer Fans fanden den Stoff und übergaben die Fahne den befreundeten Ultras aus Osnabrück. Die wiederum zeigten im Spiel gegen die Preußen nicht die Originalfahne, die mit der Aufschrift Curva Monasteria versehen ist, sondern eine mit der Bezeichnung Curva DB – ein Hinweis auf den Verlust der Fahne in der Bahn.

Trotz dieser gefakten Flagge sahen der VfL und die Sicherheitskräfte die Aktion als gefährliche Provokation. Als Ordner des Sicherheitsdienstes Buchholz das Tuch entfernten, wurden sie mit Bierbechern beworfen. Das hektische Derby endete mit einer traurigen Bilanz und wird sicherlich noch ein Nachspiel haben.