VfL Osnabrück stellt Trainer frei Maik Walpurgis – Von den Mechanismen des Geschäfts eingeholt

Meinung – Johannes Kapitza | 24.08.2015, 16:28 Uhr

Maik Walpurgis ist nicht mehr Trainer des VfL So sehr die Lila-Weißen auch einen eigenen Weg einschlagen wollten: Den Mechanismen des Fußballgeschäfts konnten sie sich nicht entziehen. Ein Kommentar.

Als der VfL Osnabrück Ende Februar dieses Jahres mit Maik Walpurgis und Ovid Hajou nach einer Serie von fünf Niederlagen vorzeitig die Verträge bis 2017 verlängerte, da ernteten die Lila-Weißen Zustimmung, aber auch Kopfschütteln. Der VfL ging seinen eigenen Weg, jenseits der gängigen Gepflogenheiten im Fußball, nach denen die Halbwertzeit eines Trainers mit jedem Misserfolg sinkt, aber um Gottes willen nicht wächst. Das sprach für Kontinuität, das weckte Hoffnungen auf sportlichen Erfolg. Aber der blieb seit einiger Zeit aus – das ist Walpurgis zum Verhängnis geworden.

Stets nach Konzept

Der Fußball polarisiert. Für die einen war Walpurgis einer der neuen Generation der Konzepttrainer, der auf der Jahreshauptversammlung im Herbst 2014 seine kühne Vision vorstellte, den VfL 2017/18 in der 2. Bundesliga etabliert zu haben; der viel auf dem Trainingsplatz arbeiten ließ, sachlich analysierte und sich nicht von seinem Weg abbringen lassen wollte. Die anderen sahen in Walpurgis einen Trainer, der sich zu viel vom Konzept leiten ließ, auch im Fall des Misserfolgs stur an seinem Plan festhielt und, darüber hinaus, – für Osnabrücker Verhältnisse – zu wenig Emotionen zeigte. „Ich habe es doch schon immer gesagt“, wird mancher jetzt vielleicht denken – eine übliche Reaktion der vielen Experten im großen Fußballkosmos, aber sie ist zu einfach und undifferenziert.

In der Summe zu wenig

Erfolgreich arbeiten kann das Duo Walpurgis/Hajou – das hat es bei den Sportfreunden Lotte gezeigt. Und auch Platz fünf in der ersten Saison war durchaus vielversprechend, obwohl der DFB-Pokal knapp verpasst wurde. Das gelang in der letzten Saison dann über den NFV-Pokal, und auch die Entwicklung von Stanislav Iljutcenko vom Oberliga-Stürmer zum Angreifer mit Zweitliga-Tauglichkeit durfte sich Walpurgis mit anheften, all das unter wirtschaftlich nicht gerade einfachen Bedingungen. Allein, in der Summe war das zu wenig, denn in der Liga blieb nach der passablen Hinrunde der vergangenen Saison der Erfolg aus. 2015 läuft es nicht rund.

Mag sein, dass die vergangene Saison anders zuende gegangen wäre, wenn der VfL nicht vor der Winterpause die ungerechte und höchst umstrittene 1:2-Niederlage bei Dynamo Dresden kassiert hätte, die die Lila-Weißen aus der Bahn warf. Aber „wäre“ und „hätte“ zählen nicht im Fußballgeschäft. „Fußball ist ein Ergebnissport“, hatte Walpurgis am Samstag nach der Niederlage gegen Hansa Rostock gesagt. Vorletzter – das ist zu wenig für die Lila-Weißen, die die Ligaspitze angreifen wollten und sich nach der 2. Bundesliga sehnen – auch um finanziell eine dauerhaft solide Basis für den Verein schaffen zu können.

Sportliche Erfolge fehlen

Warum spielt XY nicht? Ist das System richtig? Walpurgis war gut beraten, nicht auf jeden einzelnen Ratschlag einzugehen, denn es ist genau sein Job, als Trainer die Entscheidungen zu treffen – auch wenn ihm das nicht überall Sympathien einbrachte. Die Fragen wären vielleicht nicht gänzlich verstummt, aber zumindest leiser gestellt worden, wenn der sportliche Erfolg vorhanden gewesen wäre. Das ist nicht der Fall: Nur 19 Punkte aus 20 Spielen im Jahr 2015 sind zu wenig. Eine Wende haben die Lila-Weißen ihrem sportlichen Führungsduo nicht zugetraut. Da konnte der VfL noch so sehr auf seinem eigenen Weg unterwegs sein – jetzt ist er darauf von den Mechanismen des Fußballgeschäfts eingeholt worden.