VfL Osnabrück Klare Pläne, knappe Worte

13.07.2009, 22:00 Uhr

Er hat es schon früh gewusst. Im Fragebogen für das Fachblatt „Kicker“ trug Karsten Baumann im Februar 1998 unter „Zukunft“ ein: „Ich werde als Trainer enden, irgendwann . . .“ Der neue Coach des VfL Osnabrück wusste immer genau, was er wollte – und meistens hat er es geschafft.

„Intelligent, willensstark, ehrgeizig“ – so hat ihn einmal einer seiner ersten Förderer beschrieben: Hans-Werner Hartwig, Verbandssportlehrer des Niedersächsischen Fußball-Verbandes. Den Sprung in die Bundesliga, so hat es der Fußballlehrer später zugegeben, habe er dem Jungen aus Oldenburg nicht zugetraut. Und Baumann selbst erinnert sich, wie er um den Platz in der NFV-Auswahl kämpfen musste: „Wenn ich nicht diese Willensstärke gehabt hätte, hätte ich wohl aufgesteckt.“

Doch Baumann wollte. Vielleicht ist es die Mentalität des Zehnkämpfers, die ihm geholfen hat. In der Königsdisziplin der Leichtathletik war Baumann eines der größten Talente Niedersachsens: In der Jahresbestenliste der A-Junioren 1986 war er mit 12715 Punkten Zweiter hinter dem späteren Olympia-Starter Frank Müller.

Von dieser interessanten Facette seiner Vergangenheit erzählt Baumann nicht freiwillig; man muss es nachlesen. Und auch der Streifzug durch seine lange Profilaufbahn (siehe Übersicht) mit einer Fülle bekannter Teamkollegen, reizvoller Gegenspieler und prominenter Trainer ist ihm zwar nicht unangenehm, aber auch nicht besonders wichtig.

Zwölf Bundesligajahre mit 261 Einsätzen für den 1. FC Köln und Borussia Dortmund stehen zu Buche. Er war kein Star, dem die Massen zu Füßen liegen, sondern ein klassischer Abwehrrecke: Groß, kopfballstark, hart und disziplinert. Er wuchs vom namenlosen Jungspund aus der Provinz, der plötzlich mit Stars wie Thomas Häßler, Pierre Littbarski und Bodo Illgner trainieren durfte, zum Führungsspieler mit Kapitänsbinde.

„Er war kein begnadetes Talent, aber er hat das Optimum aus seinen Möglichkeiten herausgeholt“, sagt „Kicker“-Redakteur Frank Lußem, der Baumanns Weg lange verfolgte, „Und er hatte immer einen Plan, war ein absoluter Führungstyp.“

Große Schlagzeilen um Baumann finden sich in den Archiven kaum. Kein Skandal, keine flotten Sprüche, keine Homestorys. Seit 1995 ist er mit der Oldenburgerin Ute verheiratet, die er zu gemeinsamen Schulzeiten kennengelernt hat. In Bergheim bei Köln lebt das kinderlose Paar seit vielen Jahren, sie hat einen guten Job in Köln.

Schwere Zeiten? Natürlich gab es die. Der Abstieg mit Köln, „denn der FC war einfach mein Verein“. Der Ärger mit Borussia Dortmund, wo man ihn vor die Tür setzte, obwohl er nur sein Recht ausschöpfte, als der BvB sich zur Aktiengesellschaft wandelte. Und der Streit mit Rot-Weiß Oberhausen, der vor dem Arbeitsgericht endete – mit einem Sieg von Baumann.

„Fußball ist mein Ding“„ sagt Baumann. Aber nicht nur: In seinem ersten Jahr in Köln baute er sein Abitur, später studierte er ein paar Semester Politik. Nach dem Ausstieg aus der Bundesliga ließ er sich an der Sporthochschule in Köln zum Diplom-Sportlehrer ausbilden, dort warb er 2007 die Fußballlehrerlizenz.

„Es ist besser, nicht so viele Worte zu machen“, sagt Baumann. Er meint den Umgang mit der Mannschaft, aber auch den mit der Öffentlichkeit. Er will Taten und Leistungen für sich sprechen lassen, und beim Einstieg in Osnabrück verzichtete er auf das branchenübliche Selbstporträt. Als ein Journalist fragte, wie er sich denn als Trainer charakterisiere, antwortete Baumann: „Das müssen sie schon selbst herausfinden.“

Das kommt trockener rüber, als er ist. Humor hat er jedenfalls. „Ein schönes Gesicht braucht Platz“, pflegt er er über seine Glatze zu sagen, beim „Heimatabend“ konterte er den Hinweis von Kabarettist Kalla Wefel auf den Wikipedia-Eintrag über sich: „Das stimmt alles, hab´ ich ja selbst geschrieben...“ Hat er natürlich nicht.

Aber es könnte sein: Der Beitrag ist knapp, klar und korrekt. Und mit Raum für Ergänzungen.