VfL sah schon wie der Verlierer aus Osnabrücker Aufholjagd: Joker Alvarez macht aus dem 0:2 noch ein 2:2

Von Harald Pistorius | 29.05.2020, 20:29 Uhr

Lange sah der VfL Osnabrück wie der sichere Verlierer aus, doch dann holte die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune gegen Jahn Regensburg nach einem 0:2-Pausenrückstand durch zwei Treffer von Torjäger Marcos Alvarez noch ein 2:2. Das ist ein kostbarer Punkt im Abstiegskampf der 2. Bundesliga. Nach der Corona-Pause holte VfL in vier Spielen fünf Punkte.

Zwar leistete der VfL in Person von Kevin Wolze bei beiden Toren Assistenz, doch über weite Strecken waren die Gäste die beherrschende Mannschaft. Zu allem Überfluss vergab Assan Ceesay einen an Felix Agu verschuldeten Foulelfmeter (43.), außerdem schied Uli Taffersthofer kurz vor der Pause mit einer blutenden Gesichtsverletzung aus.

Doch wie aus dem Nichts kam der VfL durch zwei herrlich herausgespielte Treffer innerhalb von drei Minuten zum Ausgleich – und beide Tore erzielte der wie schon in Fürth nicht für die Startelf berücksichtigte Marcos Alvarez. Und wenn der eingewechselte Sebastian Klaas, der dem Spiel die Wende gab, kurz vor Schluss mit einem schönen Schrägschuss das Tor nicht knapp verfehlt, sondern getroffen hätte, wäre es sogar ein Wendesieg wie aus dem Bilderbuch gewesen.

Video: VfL-Trainer nach Unentschieden über vergebenen Elfmeter und Joker-Einsätze

Trainer Daniel Thioune setzte trotz der kurzen Erholungspause nach dem 2:0-Sieg in Fürth am Dienstag nahezu komplett auf die Startelf aus dem letzten Spiel. Einzige Ausnahme: Für Bryan Henning kehrte Felix Agu in die Anfangsformation zurück.

Nach seinem guten Auftritt in Fürth stand also auch Kevin Wolze erneut von Beginn an auf dem Platz. Doch der Ex-Duisburger wurde seiner Rolle als Unglücksvogel erneut gerecht: Nach einer Rechtsflanke von Saller hätte er leicht klären können, doch er traf den Ball nicht, so dass Stolze zur Regensburger Führung traf (8.).

Der VfL zeigte sich nicht sonderlich beeindruckt und ergriff die Initative. Die größte Chance hatte Assan Ceesay bei einem Kopfball, im Anschluss ergab sich für Etienne Amenyido eine Nachschussmöglichkeit, doch er stand im Abseits (27.).

Kurz danach reckte Wolze den angewinkelten Arm bei einem Freistoß von Okoroji raus; Schiedsrichter Winter gab den fälligen Elfmeter nach Intervention aus Köln, nachdem er sich die Videoaufnahmen angesehen hatte. Max Besuschkow, der vorher mit einem Distanzschuss des VfL-Tor verfehlt hatte, verlud Philipp Kühn und schon den Ball ins rechte Eck – nach 37 Minuten lag der VfL 0:2 hinten.

Die Chance zum Anschlusstreffer kam schnell, doch der VfL setzte sein Pleiten-Pech-und-Pannen-Festival fort: Assan Ceesay, der in beim 2:4 gegen Hannover 96 noch mit einer Prise Glück mit einem eher schwachen Schuss noch vom Elfmeterpunkt getroffen hatte, scheiterte diesmal an Torwart Meyer; Amenyido setzte den Nachschuss aus guter Position deutlich über das Tor (42.). Rausgeholt hatte den Elfmeter Felix Agu, der von Tim Knipping umgesenst worden war.

Und als wäre es damit nicht genug gewesen, lag kurz vor Pause Uli Taffertshofer mit einer blutenden Nase am Boden; er war vom Ellbogen eines Regensburgers schwer, aber unabsichtlich getroffen worden und musste ausgewechselt werden.

Zur Halbzeit sah der VfL schon wie der Verlierer aus

Mit Henning für Taffertshofer sowie mit Marcos Alvarez für Wolze ging der VfL die zweite Halbzeit an, doch mehr Durchschlagskraft gab das den Offensivaktionen nicht. Weder mit langen Flugbällen auf den völlig abgemeldeten Ceesay noch mit Kombinationen kam der VfL auch nur in die Nähe des Jahn-Tores.

Zur Harmlosigkeit vorn gesellten sich Patzer in der Defensive. David Blacha leitete mit einem ähnlich riskanten Querpass wie in Fürth die nächste Chance der Gäste ein: Albers und der eingewechselte Wekesser hatten das 3:0 auf dem Fuß, wurden aber gerade noch gestoppt (53.). Kurz danach stand Wekesser nach einem nicht unterbundenen Konter frei vor Kühn, schlenzte den Ball jedoch am langen Eck vorbei (60.).

Nichts sah also nach einer guten Stunde nach einer Wende aus, doch dann kamen Sebastian Klaas und Bashkim Ajdini ins Spiel und brachten frischen Wind. Und damit entfaltete sich auch der Torinstinkt von Alvarez: Erst traf er mit einem Flachschuss ins lange Eck nach einem wunderbaren Pass von Klaas (67.), dann verwertete er ganuso kaltblütig eine Linksflanke von Ceesay; eingeleitet hatte Agu den Angriff durch eine energische Balleroberung und einen guten Pass in den Lauf von Ceesay (70.)

Innerhalb von drei Minuten hatte der VfL aus einem 0:2-Rückstand ein 2:2 gemacht – und darauf hatte nicht viel hingedeutet. Alvarez gab nach seinen Saisontoren 12 und 13 eine eindeutige Antwort an die Kritiker, die ihm nicht nur mangelnde Fitness, sondern auch – wie Sky-Reporter Jörg Dahlmann – Übergewicht vorgeworfen hatten: Der VfL-Stürmer strich sich beim Torjubel mit beiden Händen über den Bauch – eine eindeutige Geste.

In der Endphase machte Regensburg weiter Druck und zwang den VfL zu konzentrierter Abwehrarbeit. Die leistete auch Moritz Heyer, der in der 85. Minute mit einer gekonnten Grätsche Routinier Marco Grüttner den Ball vom Fuß spitzelte. Ähnlich war die Abwehraktion von Maurice Trapp kurz vor dem Ende, ebenfalls gegen Grüttner.

Bis zum nächsten Spiel hat der VfL zumindest vergleichsweise viel Zeit zur Regeneration: Erst am Sonntag (7. Juni, 13.30 Uhr) tritt der VfL beim Tabellenzweiten VfB Stuttgart an, zum nächsten Heimspiel kommt am 13. Juni der VfL Bochum zur Bremer Brücke.