Verdientes Glück Erst mit spielerischer Dominanz, dann mit leidenschaftlichem Kampf: VfL siegt 1:0

29.07.2012, 18:11 Uhr

Dass sie es noch in die Fankurve schafften, war der letzte Beweis für ihre Fitness. Denn nach 95 Minuten im schwül-warmen Kessel des Ludwigspark-Stadions tat jeder weitere Schritt weh – doch zu den 300 Lila-Weißen im Gästeblock wollten sie unbedingt. Denn auch sie hatten mit ihrer mächtigen Unterstützung Anteil am glücklichen, aber verdienten 1:0-Sieg in Saarbrücken, der dem VfL Osnabrück in der 3. Fußball-Liga einen Traumstart beschert hat.

Umzingelt, aber treffsicher: Paul Thomik und das 1:0.

„Zwei Spiele, sechs Punkte – mehr geht nicht“, lächelte Trainer Claus-Dieter Wollitz. Zwei Siege, sechs Punkte hat es zum Start nicht oft gegeben in Osnabrück, zuletzt in der Saison 2006/07, als der VfL einem 1:0 gegen Fortuna Düsseldorf ein 2:1 in Erfurt folgen ließ. Danach gelang ein 3:1 gegen Dresden, ehe es in Magdeburg den ersten Dämpfer gab; am Ende der Saison stand der Aufstieg, der Trainer hieß Wollitz.

Der wehrt sich jetzt nicht gegen die Euphorie („Gegen Offenbach wird die Hütte am Sonntag voll sein, das haben sich die Jungs verdient“), will aber von Zielen, Hochrechnungen oder gar Aufstiegsplänen nichts hören. „Wir haben vieles richtig gemacht, aber noch längst nicht alles“, sagte Wollitz, „und wir hatten auch ein bisschen Glück.“

Das stimmt, und das Spiel im Ludwigspark hätte durchaus unentschieden enden können. Ein kleinlicher Heimschiedsrichter etwa hätte vor dem Tor des Tages durch Kapitän Thomik vielleicht ein Foul von Fischer an Torwart Marina gepfiffen (47.), doch Schiedsrichter Leichner sah es richtig und gab den Treffer, korrekt. Und der Saarbrücker Sturm-und-Drang-Phase in der letzten halben Stunde fehlte den bis dahin harmlosen Gastgebern das Schussglück, am meisten bei dem mächtigen Lattenkracher von Dausend (72.).

Vor allem aber hatte der VfL einen überragenden Torwart, der Stärke und Ruhe ausstrahlte und einige bestaunenswerte Paraden zeigte; die größte Tat gelang ihm kurz vor Schluss gegen Dausend, dessen Schuss aus wenigen Metern er in einem Sprung abwehrte.

Wie gesagt: Ein 1:1 wäre möglich gewesen, doch es hätte an den Erkenntnissen dieses Spiels nichts geändert. Denn so wertvoll die drei Punkte auch sein mögen: Wichtig war, wie die Mannschaft eine Woche nach dem überzeugenden Auftritt gegen Borussia Dortmund II (2:0) auftrat: von Beginn an konzentriert, entschlossen und mutig, dabei mit hoher Lauf- und Einsatzbereitschaft.

Fast die gesamte erste Hälfte bestimmte der VfL im Stil einer Heimmannschaft, die Saarbrücker kamen kaum zum Luftholen. Kopfbälle von Fischer (19.) und Hudec (40.) sorgten für Gefahr, Glockners 30-Meter-Schuss titschte auf die Latte (35.), Piossek wurde abgeblockt (45.) – der VfL hätte schon vor der Pause führen müssen und sich die Abwehrschlacht in der letzten halben Stunde ersparen können. „Erst haben wir gezeigt, was wir spielerisch draufhaben, dann, dass wir kämpfen können“, beschrieb Fischer die Partie.

„Ich war gespannt, ob die Mannschaft es schafft, die Einstellung vom Dortmund-Spiel erneut abzurufen“, sagte Wollitz, „das ist ihr gelungen, und deshalb bin ich so zufrieden.“ In Saarbrücken nutzte Glockner seine Chance nach der Sperre von Zoller; er war zielstrebiger und konzentrierter als in vielen Spielen, in denen sein großes Vermögen oft brachlag.

Auch das gehört für Wollitz zur Entwicklung des Teams: „Die Mannschaft zerfällt nicht in Alte und Neue. Wir brauchen die Spieler, die schon hier waren, genauso wie die anderen. Wir müssen sie nur mitnehmen auf unserem Weg.“ Costa, im Vorjahr noch Kapitän und derzeit Reservist, zeigte dem Trainer und den Kollegen, wie das geht: Er war in der letzten halben Stunde ein wertvoller Stabilisator des VfL-Spiels.