Treffen des Himmelfahrts-Kommandos VfL: „Aufsteiger 2000“ feiern Wiedersehen

Von Harald Pistorius | 23.09.2013, 22:32 Uhr

Den 1. Juni 2000 hat keiner von ihnen vergessen – und auch keiner der 20336 Zuschauer, die an jenem Himmelfahrtstag an der Bremer Brücke dabei waren, als der VfL 2526 Tage nach dem Abstieg die Rückkehr in die 2. Bundesliga schaffte – nach einem Elfmeterschießen im Rückspiel gegen Union Berlin. Am Mittwoch treffen sich die Aufstiegshelden von damals, um ihren Nachfolgern zuzuschauen. Im Pokalspiel gegen Union…

Lothar Gans hatte die Idee, die Mannschaft zusammenzutrommeln. „Die Resonanz ist toll, fast alle, die wir erreicht haben, kommen auch.“ Um 19 Uhr trifft sich das Team im VIP-Raum, eine halbe Stunde vor dem Anpfiff werden die „Aufsteiger 2000“ im Stadion präsentiert und interviewt.

„Ich habe mich riesig gefreut über die Einladung, denn Osnabrück war neben Mainz die schönste Station meiner Karriere“, sagt Dennis Weiland, der in Mainz Sport studiert und Chefcoach des Oberligisten 1. FC Eschborn ist.

Ob in der Nähe oder in der Ferne: Vom Fußball können die wenigsten lassen. In der Region geblieben sind Günter Baerhausen (Trainer beim Landesligisten SV Bad Rothenfelde), Joe Enochs (U-21-Coach des VfL und gerade im Fußballlehrer-Lehrgang), Daniel Thioune, der neben seinem Lehramtsstudium die B-Junioren des VfL trainiert, und Uwe Brunn, der als Torwarttrainer Anteil am Höhenflug der Sportfreunde Lotte hat. Ein wenig Distanz zum Fußball haben Lars Schiersand und Sebastian Lodter, die gemeinsam in Lotte und Rehden spielten und sich auf Beruf und Familie konzentrieren.

Als Versicherungsmakler arbeitet Christian Claaßen in Ibbenbüren, in Osnabrück wohnt er und ist Torjäger in der Traditionsmannschaft des VfL. Aus Schüttorf, wo er als Bademeister der Gemeinde und nebenbei als Kotrainer beim Landesligisten FC 09 tätig ist, kommt Kay Wenschlag rüber nach Osnabrück, und natürlich lässt es sich auch der viel beschäftigte Wolfgang Schütte nicht nehmen, die alten Freunde zu treffen. Der einstige Publikumsliebling kümmert sich um seine Finanzberatung und den elterlichen Pferdezuchtbetrieb, hat aber noch Zeit für die Nachwuchsschulung: Als Stützpunkttrainer in Baccum und Jugendkoordinator bei seinem Heimatverein SC Spelle-Venhaus.

Aus Wilhelmshaven kommt Berufsschullehrer Marc Bury, der in seiner Freizeit vier Krimis geschrieben hat und inzwischen Kotrainer beim VfL Oldenburg ist. Matthias Rose lebt in Bremen, ist als Versicherungsmakler tätig und trainierte lange den TuS Syke. Frank Claaßen ist in derselben Branche und führte als Trainer die Kickers aus Wahnbeck, einem Ortsteil von Oldenburg, in die Bezirksliga. Auch Michael Müller ist noch im Bremer Amateurfußball als Trainer tätig und wir ebenso erwartet wie Jacek Janiak, der in seiner polnischen Heimat mit seiner Frau einen Kosmetiksalon betreibt und als Trainer aktiv ist.

Viel zu erzählen hätten gewiss auch die, die am Mittwoch nicht dabei sein können. Zu Guido Spork bekam Gans keinen Kontakt; der gebürtige Berliner ist wieder in der Heimat und Kotrainer bei Hertha Zehlendorf. Auch Marco Toppmöller (bis Sommer 2013 Jugendtrainer beim FC Bayern München) und Mathias Plump (lebt in seinem Heimatort Dinklage) hat der VfL nicht erreicht. Markus Wulftange ist nach seiner Zeit beim VfL nach Leipzig zurückgekehrt und arbeitet seit vielen Jahren als Sport-Therapeut in einer Kinderklinik. Uwe Hartenberger ist Jugendkoordinator bei einem Verein im Hunsrück.

Marco Kück, der nach einer Wanderschaft als Fußballprofi über drei Kontinente zuletzt als Teamberater der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) tätig war, kommt ebenso wie Hasan Vural (Trainer des Kreisligisten Türkgücü Wittlich) nicht zum Wiedersehen. Aaron Lines dürfte allein die Anreise abhalten: Der Neuseeländer, der den VfL vor dem Aufstiegs-Thriller verlassen hatte, ist Trainer in der amerikanischen Frauenfußball-Liga; bei Western New York Flash.

Der langjährige Kotrainer „Atze“ Baumanns, der gerade seinen 65. Geburtstag gefeiert hat, ist natürlich dabei, wenn die Aufstiegshelden zusammenkommen. Dagegen hat Wolfgang Sidka keine Einladung erhalten. Der Fußballehrer, der in seiner Heimatstadt Berlin lebt, hatte den VfL im Juni 1999 als Nachfolger des erkrankten Volker Schock übernommen und die Mannschaft sofort an die Spitze geführt. Als die Mannschaft im Januar beim Präsidium um Dirk Rasch die Trennung von Sidka forderte, war der VfL zwar seit zwei Spielen sieglos, aber immer noch Spitzenreiter. Die Entlassung von Sidka schlug hohe Wellen, der Trainer erfuhr viel Zuspruch, der VfL wurde massiv kritisiert. Die Mannschaft, die Manager Lothar Gans als Interimstrainer übernahm, stand erheblich unter Druck, hielt dem aber stand. Mag die Zeit auch viele Wunden heilen, so erschien eine Einladung an Sidka offenbar als unpassend.

So war es damals

1999/2000 spielten die Meister der Regionalligen Nord und Nordost um einen Platz in der 2. Bundesliga. Im Hinspiel legte der VfL mit einem 1:1 (Tor Schütte) in der Alten Försterei den Grundstein, im Rückspiel am 1. Juni ging Union durch Härtel in Führung, Christian Claaßen glich aus. In der Verlängerung flogen Ernemann (Union) und Rose (VfL) vom Platz, dann kam das Elfmeterschießen. Weiland traf, Brunn wehrte Zechners Schuss ab. Danach verwandelten Claaßen/Balcarek, Schiersand/Preiksatis, Vural/Nikol, ehe Janiak den Ball an den Pfosten setzte und Koilov zum 4:4 ausglich. Dann wieder sechs Treffer: Enochs/Persich, Schütte/Okeke, Spork/ Härtel. Nach Hartenbergers Fehlschuss verhinderte Brunn gegen Menze den K.o. Dann verwandelte er selbst eiskalt und wehrte den Schuss seines Kollegen Wehner ab.