Torwart und Torjäger im Blickpunkt Ein Finale im Strudel der Emotionen für den VfL

26.05.2015, 00:27 Uhr

Am Ende flossen Tränen, das 2:0 des VfL Osnabrück über den Halleschen FC stand im Zeichen des Abschieds und war gepflastert mit Emotionen. Der Drittligist beendete die Saison auf dem elften Platz, was einer Enttäuschung gleichkommt. Immerhin stimmte das letzte Saisonmatch vor 7500 Besuchern versöhnlich. Die Osnabrücker präsentierten sich in einer Form, die sie zwischenzeitlich sogar von höheren Regionen hatte träumen lassen.

So sah es auch Trainer Maik Walpurgis. „Wir haben uns mit einem guten Spiel aus der Liga verabschiedet und freuen uns riesig darüber, das wir uns noch des Publikumszuspruchs sicher sein durften. Auch wenn unsere Ergebnisse nicht immer wie erhofft ausgefallen sind, so ist es doch fantastisch, wie wir unterstützt worden sind“, meinte der 41-jährige Coach, der sein Team in einen knapp vierwöchigen Urlaub entließ.

Bei einigen standen die Zeichen auf Farewell. Wie bei Mannschaftsarzt Dr. Peter Ettinger, der dem VfL nach 15 Jahren „Adieu“ sagte und von Geschäftsführer Jürgen Wehlend und Sport-Koordinator Lothar Gans würdig verabschiedet wurde. Das galt auch für den zuletzt verletzten Mittelfeldspieler Milad Salem, der sich nach einem Jahr VfL neuen Herausforderungen stellen will. Den veranlagten Leihspieler Maximilian Wagener zieht es zurück zu seinem Arbeitgeber Bayer Leverkusen.

Zwei Leistungsträger winkten überdies zum letzten Mal ins Rund und ließen sich später vor der Ostkurve feiern: Torwart Daniel Heuer Fernandes zieht es wohl zum Bundesliga-Absteiger SC Paderborn. Mit zahlreichen Glanzparaden stellte der 22-jährige Junioren-Nationalkeeper Portugals den 14. Saisonsieg sicher und sorgte dafür, dass der VfL zumindest mit einem ausgeglichenen Konto bei diesen 14 Erfolgen, zehn Unentschieden und 14 Niederlagen über die Runden kommt. Wirklich überzeugend aber ist etwas anderes.

Gefeiert wurde auch Iljutcenko, der nach 87 Minuten beifallumrauscht das Grün verließ, um hernach noch auf dem Zaun gefeiert zu werden. „Stani“ nutzt, und das ist nur legitim, seinen Entwicklungssprung, den er unter Walpurgis genommen hat, um künftig auf Zweitligabasis besser zu verdienen und seine Familie abzusichern. Iljutcenko kommt gewissermaßen über den zweiten Bildungsweg in den Club der Besserverdiener – der VfL und seine sportliche Leitung hatten viel Geduld mit dem athletischen Stürmer, der vom Fünftligisten Westfalia Rhynern kam und in seiner ersten VfL-Saison in Punktspielen torlos blieb. Iljutcenko ist zuzutrauen, dass er sich in der 2. Bundesliga durchsetzen wird, bei den „Zebras“ in Duisburg dürfte er das richtige Betätigungsfeld finden – zumindest dann, wenn er die Vorstellung der Halle-Partie bestätigt.

Iljutcenko gehörte zu den buchstäblich treibenden Kräften – und hatte ebenso das Glück wie seine Kollegen, dass Heuer Fernandes in der Anfangsphase dreimal gegen Bertram, Furuholm und Gogia die FC-Führung verhinderte. Der VfL musste arbeiten, um in die Partie zu kommen. Er nahm den Fight an, biss sich in die Partie; auffällig insbesondere Michael Hohnstedt als nie versiegender Quell von Offensivaktionen.

Er beackerte die linke Seite, doch die vorentscheidende Szene entwickelte sich über rechts, als Iljutcenko einen begnadeten Steilpass auf seinen Kumpel Addy Menga spielte, der endlich wieder einmal mit der nötigen Herzenskühle den Torwart umkurvte und aus einem kniffligen Winkel einschob (30.).

„Davon haben wir uns nicht wieder richtig erholt“, befand Halles Trainer Sven Köhler , der zwar noch einige gute Möglichkeiten seines Teams nach der Pause sah, aber letztlich keine Zweifel an der Berechtigung des VfL-Sieges äußerte –„das geht schon in Ordnung“.

Vor allem der zweite Treffer, der sehenswert durch Menga eingeleitet, v on Alvarez vorbereitet und Iljutcenko vollstreckt wurde (80.).

Fußball wie aus einem Guss, man hat ihn häufiger beim VfL gesehen, als es der Tabellenstand ausdrückt. Nur klaffen im Saisonrückblick zu große Lücken zwischen Aufwand und Ertrag. Die Art und Weise, wie diese Mannschaft Fußball spielen kann, macht prinzipiell Hoffnung. Wie auch in der Schlussphase der Partie noch mehrfach zu sehen war. Gelingt es dem VfL, an diese Vorstellung anzuknüpfen, wird es in der kommenden Saison besser ausgehen.

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