Tigges feiert Drittliga-Debüt VfL Osnabrück und Erzgebirge Aue trennen sich torlos

Von Benjamin Kraus | 12.12.2015, 17:04 Uhr

Osnabrück Ein gutes Spiel, aber keine Tore: In einer temporeichen und phasenweise begeisternden Drittliga-Begegnung trennte sich der VfL Osnabrück im Spitzenspiel vom FC Erzgebirge Aue torlos 0:0. Youngster Steffen Tigges feierte ein bemerkenswertes Drittliga-Debüt. Die Lila-Weißen zogen durch den Punkt in der Tabelle an Preußen Münster, die in Großaspach 1:3 verloren, vorbei.

VfL-Trainer Joe Enochs setzte im Sturm wieder auf Halil Savran (zurück nach Gelbsperre) und Marcos Alvarez, auf der rechten Seite begann Marcel Kandziora für den verletzt fehlenden Massimo Ornatelli. Aue-Trainer Pavel Dotchev setzte auf exakt jene Erfolgself, die eine Woche zuvor 1:0 in Münster gewonnen hatte.

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Der erste Ball vom Anstoß weg nach links in die Spitze setzte das Zeichen: Der VfL begann engagiert, suchte von Beginn an, von den gegen den Ball nach vorn rückenden Sechsern Syhre und Groß angetrieben, die Zweikämpfe – und erarbeitete sich so ein klares Übergewicht in den ersten 30 Minuten. Und Chancen: Die beste davon setzte Syhre aus 14 Metern an den linken Pfosten. Der Youngster hatte die Chance nach einem langen Ball von David Pisot mit einem gewonnenen Kopfballduell selbst eingeleitet und das Leder im Doppelpass von Savran zurückbekommen (15.).

Präsenz durch Ballsicherheit

Überhaupt, Savran, und Marcos Alvarez: Mit dem Comeback des Stamm-Sturms hatte Osnabrück wieder viel mehr Präsenz durch Ballsicherheit in der gefährlichen Zone des Gegners. Das hätte sich schon in der ersten Minute beinahe ausgezahlt, als ein Spielzug über die beiden beweglichen Stürmer über die linke Seite Hohnstedt in Schussposition brachte – wobei der Linksaußen von mehreren Auern, die sich in den Schuss warfen, geblockt wurde. Kurz vor der Pause scheitete Hohnstedt zudem am Auer Torhüter Männel – nach einem Angriff, den Aue trotz zweier krasser taktischer Fouls nicht hatte stoppen können, wobei der nicht immer sichere Schiedsrichter Peter Sippel nur das Vergehen von Christian Tiffert hinterher mit Gelb ahndete und nicht das eigentlich noch krassere Foul von Philipp Riese an Kim Falkenberg.

Nicht mehr genug Druck

Weitere VfL-Chancen vergab Christian Groß, der erst nach einem Fehler in der Spieleröffnung von Männel schnell abzog, aber aus 23 Metern drüberschoss (30.) und kurz darauf nach einer Alvarez-Ecke nicht mehr genug Druck hinter seinen Kopfball brachte. Auch Syhre scheiterte kurz vor der Pause mit einem Flachschuss aus 20 Metern an Männel.

Und Aue? Agierte gleichzeitig unauffällig und abgezockt. Ließ sich wenig beeindrucken von den präsenten Osnabrückern und hatte seine stärkste Szene im ersten Durchgang, als sie sich von der eigenen Eckfahne weg mit spielerischen Mitteln aus dem Pressing der Osnabrücker befreiten, wobei Christian Tiffert mit seinem Schuss über den Kasten jenen Angriff zu hektisch abschloss. Auch Rechtsverteidiger Calogero Rizzuto (rechts vorbei) und der zentrale Offensivmann Mario Kvesic nach einer ganz starken Einzelaktion (links vorbei) nahmen das Tor der Osnabrücker durchaus gefährlich ins Visier.

Schrecksekunde nach der Pause

Die Schrecksekunde nach der Pause, als Marvin Schwäbe eine Flanke fallen ließ und Simon Skalartidis aus Nahdistanz über das Tor schoss, konterte der VfL zunächst weiter mit druckvollem Spiel. Zuerst setzte Kandziora eine Hohnstedt-Flanke per Kopf in Bedrängnis über das Tor – und dann vergaben Marcos Alvarez und Christian Groß kurz nacheinander Riesenchancen. Alvarez hatte sich nach einem schweren Abspielfehler von Aues Hertner stark im Dribbling gegen zwei Leute durchgesetzt, dann aber fast ein wenig hektisch abgeschlossen, sodass er aus 10 Metern an Männel scheiterte (55.). Genauer wollte es Groß machen, als er nach einem Einwurf von rechts im Strafraum an den Ball gekommen war und sich mit einer Drehung den nötigen Platz verschafft hatte – den Ball dann aber aus 10 Metern ganz knapp am linken Pfosten vorbeisetzte (56.).

Offener Schlagabtausch

In der Schlussphas entwickelte sich ein begeisternder offener Schlagabtausch, in dem Aue durch schnell vorgetragene Konterangriffe sowie gefährliche Abschlüsse (Kvesic, Riese) seine Gefährlichkeit andeutete. Enochs reagierte mit den Einwechslungen von Addy Menga und Steffen Tigges: Der 17-Jährige Offensivspieler aus dem eigenen Jugendleistungszentrum feierte in der 77. Spielminute sein Drittliga-Debüt, als er für den ausgepumpten Alvarez aufs Feld kam.

Energisch ins Kopfballduell

Und der Youngster setzte gleich seine Duftmarke: mit einer starken Einzelleistung spielte er auf dem linken Flügel Hohnstedt frei, dessen Hereingabe Savran im Gewühl knapp am Pfosten vorbei stocherte. Kurz danach ging er energisch ins Kopfballduell gegen Breitkreutz – beide trugen leichte Kopfverletzungen davon, Breitkreutz musste die letzten Minuten mit einem Turban absolvieren, Tigges wurde für die letzten Sekunden durch Francky Sembolo ersetzt.

Insgesamt geht das Remis in Ordnung: Der VfL war zwar die etwas bessere von zwei guten Mannschaften in einem intensiven und temporeichen Spiel, verpasste es aber, seine Chancen zu nutzen.

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