Spielort des VfL Osnabrück am Freitag Als Löring in der Pause Schumacher als Trainer von Fortuna Köln entließ …

Von Christoph Berger | 02.12.2015, 13:15 Uhr

Spektakuläre Zweitliga-Erinnerungen werden wieder wach, wenn das grelle Flutlicht des Kölner Südstadions an diesem Freitagabend erstrahlt. Erinnerungen die vor allem mit dem Namen Hans „Jean“ Löring verbunden sind. Präsident und Mäzen der Fortuna, Patriarch für die einen, einfach nur „de Schäng“ für die anderen.

„En d’r Südstadt jeiht et Leech aan – en janz Kölle weed et hell – unser Hätz schlät für Fortuna.“ So heißt es in der von der Band „Bläck Fööss“ erschaffenen Vereinshymne. Gesungen wird vom Flutlicht des Kölner Südstadions, wie es bei Abendspielen, weithin sichtbar, die Gegend um Vorgebirgsstraße, Luxemburger Straße und Volksgarten in einen hellen Schein hüllt. Und die Menschen mit ihren Hoffnungen und Wünschen zu dem Stadion zieht, das im amtlichen Sprachgebrauch der „Kölner Sportstätten GmbH“ über viele Jahre eigentlich nur der Hauptplatz der „Bezirkssportanlage Köln-Süd“ war. Seit 2004 trägt diese, zu Ehren des 2005 verstorben Ex-Präsidenten, den Namen „Jean-Löring-Sportpark“.

Volksmund nennt tristen Jean-Löring-Sportpark passend unspektakulär nur Stadion Süd oder Südstadion

„Stadion-Süd“ und oder „Südstadion“, wie der Volksmund sagt. Ein passend unspektakulärer Name für ein Stadion, das selbst bei objektiver Betrachtung nicht unbedingt zu den schönsten seiner Zunft gezählt werden muss. Tristes Grau und Weitläufigkeit statt Glanz, Glamour und der Enge moderner Arenen. Das zwischen 1971 und 1978/79 erbaute Leichtathletikstadion, in Köln dauert nicht nur der Bau des Domes länger, bietet 14499 Zuschauern Platz. Eine Kapazität, völlig ausreichend für die überschaubare, aber treue Anhängerschaft der Fortuna, welche sich im Bereich der unüberdachten Gegengerade „Stehplatz Mitte“ einfindet. Wirklich voll wird es im Südstadion nur, wenn der große FC hierhin ausweicht oder Gastmannschaften für Publikum sorgen. Heimat der Gästeanhänger ist die ebenfalls nicht überdachte Nordkurve, unterhalb der 1994 errichteten Anzeigetafel. Letztere hat den Dienst schon vor Jahren quittiert und dient seither als großflächige Werbeplattform. Einzig überdachter Teil des Stadions ist seine flache, mit 1918 Sitzplätzen ausgestattete Haupttribüne.

Der anekdotenreiche Mittelpunkt eines familiären Clubs

Reduzierte man es jedoch nur auf sein tristes Äußeres, simple Fakten und wenige Zuschauer, so würde man dem Südstadion und der Fortuna nicht gerecht werden. Das Stadion ist ein Ort mit Geschichte, der lebendige Mittelpunkt eines familiären Clubs, der über die größte Jugendabteilung der Stadt verfügt. Könnte das Stadion selbst erzählen, so würde es aufschreien und von zahlreichen Anekdoten und legendären, mit ihm verbundenen Mythen berichten. Es würde vielleicht vom Haarverlust des Ur-Fortunen Hannes Linßen berichten oder davon, wie sich der einstige österreichische Weltstar und Fortuna-Trainer Hans Krankl gefrustet über die geringe Unterstützung im Abstiegskampf der Saison 1999/2000 beklagte. Möglicherweise würde es auch vom 2015 verstorbenen Präsidenten Klaus Ulonska berichten. Erzählen, wie er während der Heimspiele, ausgerüstet mit einer Spardose, in Form eines Balles und rheinischer Schlagfertigkeit durch das Stadion zog, um Spenden für den Fortuna-Nachwuchs zu sammeln. Dabei gab es dann, wie im Sommer 2014 geschehen, auch für VfL-Anhänger den klaren Hinweis, dass ihr Geld ebenfalls „nit fies“ sei.

Als der ehemalige Präsident und Mäzen Löring während eines Spiel das Flutlicht repariert haben soll…

Hauptakteur vieler Geschichten, die zwischen dem Südstadion und dem ehemaligen Fortuna-Vereinlokal „Baccus“ entstanden, wäre aber sicherlich der bereits 2005 verstorbene Ex-Präsident und einstige Mäzen, Hans Löring. Eine der bekanntesten Legenden erzählt davon, wie „de Schäng“, so die kölsche Koseform von Hans, während einer 3-0 Führung, gegen Darmstadt 98, im August 1982, das ausgefallende Flutlicht eigenhändig repariert haben soll. Während diese Geschichte eher Mythos als Wahrheit ist, erlebte das Südstadion am 15. Dezember 1999 deutsche Fußballgeschichte.

Löring entließ Harald Schumacher in der Halbzeitpause und war plötzlich Interimstrainer

In Abstiegsgefahr schwebend, traf die Fortuna, an einem nasskalten Mittwochabend auf den SV Waldhof Mannheim. Bereits zur Halbzeit lag das Team von Trainer Harald „Toni“ Schumacher mit 0:2 zurück, als die Ereignisse ihren Lauf nahmen. Die Pause näherte sich bereits wieder dem Ende und die nur etwa 500 anwesenden Zuschauer, darunter auch der Autor dieser Zeilen, erwarteten durchgefroren die Fortsetzung. Trotz großer Distanz und schlechter Sicht zählten zwei Rentner der Südkurve zu den ersten, denen sich bei Wiederanpfiff zunächst die Frage auftat: „Wo ist der Tünn?“, um kurz darauf festzustellen: „Du, da steht der d’r Epstein“. Gemeint war das Fortuna Urgestein Dieter Epstein, dessen Sohn Denis Epstein heute für den FSV Frankfurt in der 2. Bundesliga spielt. Er stand in der 2. Halbzeit, gemeinsam mit Jean Löring an der Seitenlinie, ebenfalls mit wenig Erfolg. Die Fortuna verlor das Spiel am Ende mit 1:5. Was war geschehen? Der erboste Präsident Löring hatte Fortuna-Trainer und FC-Legende Harald Schumacher in der Halbzeitpause kurzerhand entlassen. Die überlieferte Begründung soll gelautet haben: „Ich als Verein musste doch reagieren!“ Genutzt hatte es wenig. Auch Nachfolger Hans Krankl konnte das Ruder nicht mehr herumreißen und verließ den Verein noch vor Saisonende. Die Fortuna stieg nach 26 Jahren aus der 2. Bundesliga ab und wurde zeitweise bis in die 5. Liga durchgereicht.

VfL Osnabrück gestaltete beide Drittligaspiele im Südstadion siegreich

Die Erinnerungen des VfL Osnabrück an die im Südstadion gespielten Duelle mit der Fortuna sind gemischt. Von 17 Gastspielen in der Südstadt gewann der VfL immerhin sechs Begegnungen, verlor neun Spiele und fuhr mit zwei Unentschieden nach Haus. Den ersten Auftritt im Südstadion verlor der VfL am 23. Spieltag der 2.Bundesliga Nord, in der Saison 1978/79, mit 4:2. Doppelter Torschütze für den von Helmut Kalthoff trainierten VfL war Gerd-Volker Schock. Die beiden bisherigen Drittligaduelle entschied der VfL bisher für sich. Am letzten Spieltag der Saison 2001/02 besiegte der VfL die Fortuna mit 3:1, durch Treffer von Alexander Ukrow, Michael Petri und Christian Claaßen und konnte so den versöhnlichen Schlusspunkt unter eine ansonsten verkorkste Saison setzen. Zu Beginn der vergangenen Saison erzielte Addy Menga, im strömenden Regen, den goldenen Treffer beim 1:0-Auswärtserfolg.

Pläne für Umbau und Jugendleistungszentrum

Seit 2014 ist die neue Fortuna zumindest wieder drittklassig und auch für das Südstadion deutet sich eine Veränderung an. Erfolgten nach der Drittligarückkehr zunächst nur die nötigsten Renovierungsarbeiten so präsentierte der Verein im September 2015 doch Pläne für ein Jugendleistungszentrum sowie für den schrittweisen Umbau zu einem reinen Fußballstadion, ähnlich dem neuen Essener Stadion, mit einem Fassungsvermögen für 20000 Zuschauer. Die Planungen stehen im Zusammenhang mit den Stadtentwicklungsplanungen im Stadionumfeld, die auch den städtischen Jean-Löring-Sportpark einbeziehen. In einem ersten Schritt soll die Gegengerade „Stehplatz Mitte“ durch eine Sitzplatztribüne ersetzt werden. Weitere Umbauten wären an eine Zweitligarückkehr der Fortuna gekoppelt. Die Planungen und auch die Finanzierungspläne stecken jedoch noch in der Anfangsphase und in Köln dauert das Planen und Bauen bekanntlich etwas länger.