Preußen Münster meldet sich zurück „Wie ein Schalker Sieg gegen BVB…“

Von Alexander Heflik | 08.09.2011, 17:50 Uhr

Die letzte große Fanwanderung der Preußen-Anhänger ist gar nicht so lange her, es ging in die gleiche Richtung. Über 3000 Münsteraner pirschten sich im März gen Norden praktisch an Osnabrück heran, um dann zum Spitzenspiel der Fußball-Regionalliga zur Anlage der Sportfreunde Lotte abzubiegen. An die 4000 Preußen-Fans werden am Samstag (14 Uhr) nun beim Gastspiel in Osnabrück erwartet, der SCP ist wieder angesagt; es ist durchaus chic, den Aufsteiger zu begleiten.

Für die Elf von Trainer Marc Fascher und das feinfühlige Umfeld ist diese Begegnung mehr als nur eine Partie um drei Punkte. „Die Gemütslage in Münster und die Reputation für den Club, die ein Sieg in Osnabrück mitbringen würde, vergleiche ich mit einem Erfolg von Schalke 04 über Borussia Dortmund“, misst Präsident Dr. Marco de Angelis dieser Partie besonderen Stellenwert zu. Und Thomas Bäumer, als Aufsichtsratsvorsitzender allgegenwärtig, legt nach: „Das ist nicht nur eine Standortbestimmung für unsere Mannschaft. Hier wird möglicherweise auch festgestellt, wer in der nahen Zukunft in der Region die Poleposition einnimmt.“ Münster vor Osnabrück und Bielefeld wäre für die Entscheider aus Münster ein Traum.

Münsters Saisonstart ist vielversprechend, keines der ersten sieben Spiele wurde verloren, auswärts ist der SCP – mehr als bei Heimpartien – bislang eine Macht. Siege in Jena und Chemnitz und eine Punkteteilung bei der Reserve von Werder Bremen stehen zu Buche. Die Preußen liegen vor ihrer Marschtabelle, auch wenn die letzten Darbietungen spielerisch enttäuschend waren. Maßgeblichen Anteil am Höhenflug des Aufsteigers hat auch Benjamin Siegert (7 Spiele/3 Scorerpunkte), der ehemalige Osnabrücker ist auf der rechten Seite im Mittelfeld gesetzt.

Vor zwei, drei Jahren war eine solche Konstellation fast undenkbar. „Wir waren Lichtjahre auseinander. Bielefeld spielte in der Ersten Liga, Osnabrück in der Zweiten Liga, und wir waren viertklassig“, blickt de Angelis zurück. Die Katastrophe des Abstiegs in die Oberliga im Jahr 2006 hatte auch positive Effekte, der Traditionsverein konnte sich neu aufstellen. Jetzt laufen die Dinge im Dreieck zwischen Osnabrück, Bielefeld und Münster zusammen.

So sieht die Zukunft gar nicht so schlecht aus. Der einst fast 2,5 Millionen Euro große Schuldenberg ist geschmolzen, im Oktober wird die drittletzte Rate über 170000 Euro fällig, 2013 ist der Verein dann schuldenfrei. Das Stadion an der Hammer Straße hat vor zwei Jahren eine neue Haupttribüne für 3000 Zuschauer mit viel Platz für Sponsoren und VIPs erhalten, weitere 4000 Stehplätze wurden überdacht, bislang liegt der Besucherschnitt mit 7365 weit über der Kalkulation (5000). Der Vereinsetat verzeichnet ebenfalls eine Rekordsumme von über 5,0 Millionen Euro, davon werden mindestens 2,6 Millionen Euro ins Team investiert, damit gehört Münster zu den gut situierten Vereinen der Liga, zum oberen Drittel.

Zuletzt wurde Radovan Vujanovic von Hansa Rostock geholt, er soll die Lücke nach dem Fortgang von Wojciech Pollok (Eintracht Trier) schließen. Mit Jens Truckenbrod (FC Carl Zeiss Jena) landete Münster einen Transfer-Volltreffer, Torwart Daniel Masuch (SC Paderborn) und Jose-Pierre Vunguidica, ausgeliehen vom 1. FC Köln und in Osnabrück nach Ablauf einer Rot-Sperre wieder einsatzbereit, bringen Bundesliga-Erfahrung ein.