Nagy vergibt zweimal VfL Osnabrück hat die Chancen, RB Leipzig trifft das Tor

17.03.2014, 18:45 Uhr

War’s die beste Leistung in diesem Jahr? „Egal – verloren“, werden alle die rufen, für die Ergebnisse allein der Maßstab bei der Beurteilung sind. Doch wer auf die Entwicklung einer Mannschaft schaut und ihre Perspektive auslotet, weil er den Blick auf die neue Saison richten muss, kann sich nicht am bloßen Resultat orientieren. Der VfL Osnabrück verließ Leipzig zwar mit leeren Händen, aber mit der Gewissheit, dass sich das Team unter der zielstrebigen Führung von Trainer Maik Walpurgis sehr gut entwickelt. Beim 0:1 gegen ein Topteam der 3. Liga war der VfL über weite Strecken besser und hatte sich mindestens einen Punkt verdient.

Am Ende musste sich das derzeit stärkste Team der Liga mit Zeitspiel-Tricks an der gegnerischen Eckfahne über die Runden retten – drei Minuten Nachspielzeit zogen sich für die Leipziger und ihr Publikum in die Länge. Umso größer war der Jubel beim Abpfiff eines gutklassigen Drittligaspiels, in dem sich zwei Mannschaften mit hohem und ähnlichem Anspruch an Spielkultur und Einsatzbereitschaft auf Augenhöhe begegneten.

 Hier der Liveticker zum Nachlesen. 

Daran hatte der VfL mindestens ebenso Anteil wie das doch mit gänzlich anderen finanziellen und strukturellen Möglichkeiten aufgebaute Team der Fußballabteilung des Unterhaltungskonzerns Red Bull. Von Beginn an übernahmen die Osnabrücker – mit Grimaldi als einziger Spitze und Nagy in der Rolle des verkappten Spielmachers – die Initiative, schalteten bei jeder Gelegenheit auf Angriffsmodus und attackierten die spielstarken Leipziger mutig mit deren Waffen. Streckenweise dominierten die Osnabrücker.

Früh hätte sich der VfL für seinen couragierten Beginn belohnen können – oder besser: müssen. Denn die Chance für Nagy war hochwertig; der vorausgegangene Schnellangriff nach einer Balleroberung in der eigenen Hälfte, einem Steilpass von Hohnstedt auf Grimaldi und dessen überlegtem Zuspiel auf Nagy hätte die Krönung verdient gehabt. Doch Nagy verzog mit einem direkten Flachschuss aus 15 Metern knapp (19.).

Stattdessen fiel dem Favoriten die Führung fast in den Schoß. Denn das Tor des Tages durch Frahn war zwar durch Heidinger und Kaiser über rechts gut vorbereitet, doch beim Klärungsversuch paarten sich bei Neumann dicht vor dem Tor Ungeschick und Pech; der Ball fiel Frahn vor die Füße, der aus vier Metern sein 13. Saisontor erzielte (28.).

Der VfL steckte diesen Schlag ansatzlos weg und hätte noch vor der Pause den Ausgleich erzielen können – entweder durch Pisot, dessen Kopfball nach einem Ornatelli-Freistoß knapp vorbeiging (32.) oder bei einem Kopfball von Neumann, den Bellot mit einer außergewöhnlichen Fußabwehr entschärfte (43.).

Dass der junge Torwart, der nach der Verletzung von Stammtorwart Fabio Coltori erstmals ins kalte Drittligawasser springen musste, seine unglaubliche Serie auf sechs Spiele ohne Gegentor ausbaute, stand auch in der zweiten Halbzeit mehrfach auf der Kippe.

Vor allem beim Volley von Nagy (50.), als der Ball die Oberkante der Latte traf, war der VfL nahe am Ausgleich. Die größte und letzte Möglichkeit, für ein gerechtes Ergebnis zu sorgen, hatte der eingewechselte Testroet, der sofort auf Betriebstemperatur war. Er umkurvte nach perfektem Pass in die Schnittstelle den jungen Schlussmann und schoss sofort aus spitzem Winkel – doch der beste Leipziger, Abwehrmann Sebastian, grätschte den Ball mit einer Energieleistung zur Ecke. Danach stand er vor der Fankurve, reckte die Faust nach oben und ließ sich wie ein Torschütze feiern.

Vorher hatten die Leipziger die Entscheidung verpasst, weil Heuer Fernandes seinem Gegenüber nicht nachstand und Dercho einmal auf der Linie klärte. Doch gefährlich wurde der Druck der Gastgeber eben erst in der Phase, als der VfL das Risiko erhöhte und in der Abwehr Lücken zuließ.

 Nach dem Darmstädter Sieg in Rostock und der unglücklichen Niederlage in Leipzig liegen zwischen dem VfL und dem dritten Platz zehn Punkte – das ist wohl kaum zu überbrücken in neun ausstehenden Spielen. Doch in das Rennen um den vierten Platz, der den Einzug in den lukrativen DFB-Pokal bedeutet, darf die Mannschaft mit frischem Selbstvertrauen gehen. Wer in Leipzig so auftritt, kann gegen jedes andere Team dieser ausgeglichenen Liga gewinnen.