Lizenz: DFL contra Rasenballsport Schock für Leipzig: Chance für VfL Osnabrück?

08.05.2014, 20:03 Uhr

dpa/frz/bekr Leipzig Es ist eine Rechnung mit vielen „wenns“ und „sollte“. Aber es ist Fakt: Sollte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) dem Drittliga-Aufsteiger Rasenballsport Leipzig am Ende tatsächlich die Lizenz verweigern und sollte Darmstadt 98 als Drittliga-Vertreter die Aufstiegs-Relegation gegen den Zweitliga-16. gewinnen, dann erhält der Vierte der Dritten Liga das Aufstiegsrecht zur Zweiten Bundesliga. Das könnte der VfL Osnabrück sein - wenn er denn das Fernduell am letzten Spieltag gegen Wehen Wiesbaden am Samstag für sich entscheidet.

Doch der Reihe nach: Zuerst hatte die DFL offenbar die Beschwerde der Leipziger gegen die von der DFL ausgesprochenen Lizenz-Auflagen abgelehnt. Bekannt wurde das durch Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, der auf diese Nachricht fassungslos und mit drastischen Worten reagierte. „Ich will nicht polemisch werden, aber ich dachte, ich bin im falschen Film“, sagte der 69-jährige Österreicher. Selbst schlaflose Nächte räumte er ein.

Im Gegensatz zum Deutschen Fußball-Bund (DFB), der dem ambitionierten Verein RasenBallsport Mitte April die Drittliga-Lizenz ohne größere Auflagen erteilt hatte , lehnte die DFL die Beschwerde der Leipziger zu den Zweitliga-Auflagen ab. Die Aufstiegseuphorie ist dahin. „Vielleicht will man ganz einfach nicht, dass wir mit Leipzig an der Bundesliga teilnehmen. Jetzt, wo alles sportlich funktioniert, droht das Aus“, sagte Mateschitz der Leipziger Volkszeitung.

Laut Mateschitz verlangt die DFL schriftlich, „dass wir auf jedwedes Mitspracherecht im Verein verzichten“. Dies lehnt der Unternehmer ab. Es käme „einem unsittlichen Antrag nahe. Ich glaube nicht, dass wir auf diese Art und Weise mit Sebastian Vettel viermal Formel1-Weltmeister geworden wären“, betonte Mateschitz.

Auch wenn RB Leipzig als Verein formal nicht gegen die oft zitierte 50+1-Regel verstößt, wird sie vom Grundgedanken her umgangen. Nach wie vor soll es im Verein nur neun Stimmberechtigte geben, die zudem allesamt Angestellte oder Beauftragte von Geldgeber Red Bull sind. Die DFL soll von RB Leipzig zudem ein neues und von Red Bull unabhängiges Vereinslogo verlangen, zudem eine vom Geldgeber unabhängigere Besetzung der Führungsgremien sowie geringere Hürden für neue Mitglieder, die derzeit etwa 800 Euro Mitgliedsbeitrag bezahlen.

Die DFL ließ gestern über einen Sprecher erklären: „Von uns aus wird erst wieder etwas am 28. Mai kommuniziert, wenn der Lizenzierungsausschuss abschließend tagt.“ Letzte Woche hatte Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL, gegenüber unserer Zeitung folgendes gesagt: „Wer die Bundesliga-Lizenz haben will, muss die Regeln der Vereins- und Verbandsautonomie achten.“ Man treffe keine Entscheidung für oder gegen Leipzig. „Wir treffen auch keine negative Entscheidung gegen Leipzig, nur um danach Applaus in irgendwelchen Fanforen zu erhalten“, sagte Seifert weiter. Maßgeblich seien allein die Regeln, die sich die anderen 36 Bundesliga-Clubs selbst gegeben hätten.

Ein möglicher Lizenzentzug von RB Leipzig hätte auch für die Zweit- und Drittligisten im Umfeld der Auf- und Abstiegsränge eine große Bedeutung. Laut DFL-Statuten würde im Falle einer Lizenzverweigerung für RB Leipzig mit dem dann freien Zweitliga-Platz folgendes passieren: Verliert Darmstadt als Drittligist die Relegation gegen den Zweitliga-16., rücken die Lilien

trotzdem neben dem siegreichen Zweitligisten in die 2. Bundesliga. Sollte allerdings der Zweitliga-16. (derzeit Dynamo Dresden, der im direkten Duell am letzten Spieltag den 17. Arminia Bielefeld erwartet und einen Punkt braucht) die Relegation verlieren, würde der Vierte der 3. Liga aufsteigen. Dann käme der VfL Osnabrück ins Spiel, der am letzten Spieltag in Regensburg einen Punkt Rückstand gegenüber Wehen Wiesbaden (zeitgleich in Rostock) aufholen müsste.

Sportrechtsexperten glauben allerdings, dass die DFL im Zweifel keine wirkliche Handhabe gegen die Satzung von Rasenballsport Leipzig hat, die im Graubereich des Vereinsrechts angesiedelt ist. Einen Rechtsstreit wollen beide Parteien eigentlich lieber vermeiden. Im Ernstfall hätte RB aber durchaus Chancen, seine Sichtweise durchzusetzen. So ist die Drohung von Milliardär Mateschitz („Gestatten Sie mir ein offenes Wort: Wir wollen niemanden zwangsbeglücken, das haben wir ehrlich gesagt auch nicht notwendig“) dann auch eher als Säbelrasseln zu sehen, bevor in den nächsten Wochen die entscheidenden Beschlüsse und Veränderungen rund um die künftige Struktur von RB Leipzig gefällt werden.

Mateschitz hat geschätzt mehr als 100 Millionen Euro in die Infrastruktur in Leipzig investiert. Eine weitere Saison in der 3. Liga schloss Mateschitz kategorisch aus.

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