Letzte Transfers bei Lila-Weiß VfL Osnabrück: Freude über Tüting, Wirbel um Ornatelli

02.02.2015, 21:40 Uhr

Kurz bevor die Transferliste schloss, wurde es am Montag noch einmal lebhaft hinter den Kulissen des Fußball-Drittligisten VfL Am Ende des Tages waren gleich vier Personalien geklärt: Simon Tüting kehrt zurück, Massimo Ornatelli bleibt trotz Avancen aus Münster ein Lila-Weißer, Andreas Glockner streift künftig das Trikot von Fortuna Köln über, und Kevin Freiberger wird nach Essen ausgeliehen.

Die Akte Tüting: Eine gewisse Beständigkeit ist nicht zu übersehen: Simon Tüting hat noch immer die gleiche Handynummer wie vor sieben Jahren, als er den VfL Osnabrück verließ. „Ich freue mich, dass ich wieder zu Hause bin“, sagte der 28-Jährige am Montag, nachdem er „auf den letzten Drücker“ einen Vertrag bis 2017 beim VfL unterschrieben hatte. Von der C-Jugend bis zu den Herren lief der zentrale Mittelfeldspieler, der seine Wurzeln beim SC Achmer hat, im Trikot des VfL auf. Er wechselte nach Rostock und landete über die Stationen Magdeburg und Chemnitz beim Zweitligisten SV Sandhausen . „Ich konnte meine Erfahrungen sammeln“, sagt Tüting mit Blick auf ein Bundesliga-Spiel, 51 Zweitliga-Einsätze und 37 Partien in der 3. Liga. „Ich möchte mich einbringen, dass der VfL seinen Weg so erfolgreich weitergehen kann.“

In Sandhausen warf ihn zu Saisonbeginn ein Muskelfaserriss aus der Bahn. Dass der VfL ihm eine Perspektive bis 2017 bot, war ein Argument, wieder in Lila-Weiß zu spielen. „Ich kenne den Verein, das Umfeld, die Spiele an der Bremer Brücke.“ Seit Weihnachten war Sportkoordinator Lothar Gans mit ihm in Gesprächen: „Wir binden gerne Spieler an uns, die sich mit dem Verein identifizieren, und sind froh, dass Simon zurück ist. Er war auch bei anderen Vereinen im Gespräch.“ Auch Maik Walpurgis hebt die regionale Identifikation hervor: „Unser Weg ist eindeutig und heißt ,Wir sind die Osnabrücker‘, und in das Trikot gehören Osnabrücker Jungs. Simon kommt aus der Region, ist im Verein aufgewachsen und identifiziert sich mit dem VfL. Das ist ganz wichtig, und außerdem ist er ein Spieler, den wir mit seiner Erfahrung sehr gut gebrauchen können. Auch wenn er keine vollständige Vorbereitung absolviert hat, werden wir ihn schnell in die Mannschaft integrieren können“, hofft der Trainer.

Weitere Argumente, die für den VfL sprachen: „Mit Addy Menga habe ich beim VfL gespielt, mit Tobias Willers in der Jugend-Landesauswahl, mit Kim Falkenberg und Marcel Kandziora in Sandhausen“, sagt der 28-Jährige. Tüting, der ablösefrei kommt, hat mit dem VfL einiges vor: „Das geht nicht von heute auf morgen, und es reicht nicht, nur davon zu reden, aber mittelfristig gehört der VfL in die 2. Liga. Mit dem VfL noch mal aufzusteigen wäre ein Traum.“ Wie sich das anfühlt, weiß Tüting aus der Saison 2006/07.

Die Akte Ornatelli: Viel Aufregung gab es in den Stunden vor dem Ende der Transferperiode um Massimo Ornatelli. Seit dem Ende der Winterpause schwelte das Thema eines Wechsels trotz eines bis zum 30. Juni 2016 laufenden Vertrages. Was alle ahnten, wurde spätestens dann klar, als sich der SC Preußen Münster, zunächst vorsichtig, später mit einem Ablöseangebot (das später reduziert wurde), an den VfL wandte. Geschäftsführer Jürgen Wehlend und Sportkoordinator Lothar Gans bestätigten den Kontakt zu Manager Carsten Gockel. „Nein mit drei Ausrufezeichen“, sprach Wehlend am Montagnachmittag ein Machtwort und lehnte es mit Blick auf die Erfolgsaussichten in der laufenden Saison, aber auch aus grundsätzlichen Erwägungen ab, in diesem Fall nachzugeben.

Trainer Maik Walpurgis kommentierte den Fall so: „Ich bin enttäuscht von Massimo, dass er sich offenbar durch ein Angebot hat verleiten lassen, sich mit einem Wechsel auseinanderzusetzen – vor allem vor dem Hintergrund, was wir hier gemeinsam in den letzten Monaten aufgebaut haben.“ Der Fußballlehrer betont aber auch: „Zu einer solchen Entwicklung gehören zwei – der Spieler und ein Verein, der ihn umwirbt. Für mich ist die Herangehensweise von Preußen Münster, an einen Spieler heranzutreten, der noch eineinhalb Jahre unter Vertrag ist, unverständlich.“

Seit dem Ende der Winterpause hatte Ornatelli „ein untypisches Negativ-Verhalten gezeigt und jede Chance zur Konfrontation gesucht“ (Walpurgis). Am 10. Januar sollte er eigentlich im Test bei Twente Enschede eingesetzt werden, hatte aber – wie Walpurgis bestätigt – seine Kunstrasen-Schuhe vergessen und musste eine 90-minütige Laufeinheit absolvieren.

In der Woche danach fehlte Ornatelli wegen einer Rippenprellung, die wieder aufgebrochen war, im Training. Trotz der Krankschreibung sollte er – nach Rücksprache mit Teamarzt und Physiotherapeut – aus Gründen des Teambuildings mit ins Trainingslager fliegen, weigerte sich aber, wie Walpurgis und Gans sagen. Trotz der Aufforderung durch Trainer und Manager kam Ornatelli – an seinem 29. Geburtstag – nicht zum Treffpunkt.

Der Mannschaft blieben die Querelen nicht verborgen, im Trainingslager wurde das Team über den Stand der Dinge informiert. Kapitän Alexander Dercho sagt: „Wir sind enttäuscht von Massimos Vorgehen. So kann man sich nicht verhalten, das schadet dem Teamgeist und unseren Zielen. Ob es für ihn einen Weg zurück gibt? Im Moment kann ich mir das nur schwer vorstellen, es hängt aber in erster Linie von ihm selbst und seinem Verhalten ab.“

Seit Mittwoch letzter Woche ist Ornatelli gesundgeschrieben; in den vergangenen Tagen holte er die verpassten Laufeinheiten nach. Zur aktuellen Entwicklung wollte er sich am Montag nicht äußern.

Die Akte Freiberger: Der 26-jährige Stürmer kam im Sommer aus Lotte, konnte sich nach zwei Startelf-Einsätzen und zwei Einwechslungen zum Saisonauftakt aber nicht mehr durchsetzen. Bis zum Sommer wird er nun an Regionalliga-Spitzenreiter Rot-Weiß Essen ausgeliehen, sein Vertrag beim VfL läuft noch bis 2016. „Der Sprung in die 3. Liga ist ihm noch nicht so gut gelungen“, sagt Walpurgis. „In Essen kann er in einer Mannschaft, die um den Titel mitspielt, Spielpraxis sammeln und sich weiterentwickeln. Im Sommer werden wir dann sehen, wo Kevin steht.“

Die Akte Glockner: Im Wintertrainingslager 2014 stieß Glockner zum VfL – und erhielt einen Vertrag bis 2015. Nach neun Kurzzeit-Einsätzen musste er aus disziplinarischen Gründen in die U23. Der 26-Jährige kickt ab sofort bei Liga-Konkurrent Fortuna Köln, am 13. Februar zu Gast beim VfL. Trainer Maik Walpurgis sagt: „Ich freue mich für ihn, dass er eine neue Herausforderung gefunden hat und seinen fußballerischen Weg weitergehen kann. Unser Anliegen ist es, Spieler zu entwickeln und zu fördern. Es gehört dazu, dass das auch mal nicht der Fall ist, aber ich freue mich für Andreas, dass er weiter in der 3. Liga aktiv ist.“