Kotuljac schreibt die sportliche Geschichte des Derbys – Ausschreitungen trüben Freude über 1:0 Zwischen Brummschädel und Glücksgefühlen

11.09.2011, 17:50 Uhr

Einen schweren Kopf hatten am Sonntagmorgen aus unterschiedlichen Gründen viele Beteiligte eines Derbys, das wohl weniger wegen des sportlichen Verlaufs als vielmehr wegen der von Gewalt geprägten Begleitumstände in Erinnerung bleiben dürfte.„So etwas kann einem die Freude über Spiel und Erfolg ganz schön verleiden“, kommentierte VfL-Clubchef Dirk Rasch. Und dennoch war dieses 1:0 ein kostbarer Sieg – mit einem Protagonisten, der zwischenzeitlich den schwersten Kopf von allen hatte: Torschütze Aleksandar Kotuljac.

Es mag abgedroschen klingen, aber das, was um Kotuljac geschah, gehört nun einmal zu den Geschichten, wie sie nur der Fußball schreibt. Im März zog sich der kraftvolle Spieler mit der großen Übersetzung einen Kreuzbandriss zu – just, als er wieder im Zweitliga-Team des VfL auf Touren gekommen war. Ein halbes Jahr später ist er der gefeierte Held, der seinen Verein aus höchster Not mit seinem Kopfballtor befreit.

„Das alles ist mir erst heute so richtig bewusst geworden. Am Samstagabend hatte ich noch einen gehörigen Brummschädel“, sagte der 29-jährige Stürmer. An die Szene selbst vermag er sich nicht so richtig erinnern: „Erst habe ich geköpft, nach dieser brillanten Flanke von Andreas Glockner war es auch nicht schwer, das Tor zu treffen. Und anschließend kam da wohl noch ein Münsteraner, mit dem ich an der Stirn zusammenprallte.“

„Kutte“ ist hart im Nehmen. Das hat er auch bewiesen, als es galt, die schlimme Verletzung zu überwinden. Auch am Samstag zeigte er sich tapfer. Minutenlang wurde er am Boden liegend behandelt, anschließend auf der Trage in die Kabine transportiert. Die große Platzwunde erforderte einen mächtigen Verband – Kotuljac trug ihn wie eine Trophäe, als er sich nach der Partie noch bei den Fans bedanken wollte. Was er nicht sah: Wieder näherte sich jemand in seinem Rücken, doch diesmal waren es die Kollegen, die ihn auf die Schultern hievten und sich zusammen vor der Ostkurve abfeiern ließen. „Tolles Gefühl. Davon habe ich vor einigen Wochen noch nicht zu träumen gewagt“, äußerte Kotuljac.

Seine vom Tor gekrönten vier Minuten Kurzeinsatz bleiben ein kurioses Ding. Dass er aber nach einer Verletzung schnell von null auf Hundert kommen kann, bewies er schon am 21. September 2009, als ihm im Spiel gegen Borussia Dortmund II gleich ein Doppelpack beim 4:1-Erfolg gelang – ebenfalls als Einwechselspieler.

Seit vergangener Woche hat Kotuljac den von ihm so sehnlich erwünschten Vertrag bis Saisonende. Trainer Uwe Fuchs jedenfalls freute sich, dass ihm mit der Einwechslung des Stürmers der goldene Schachzug gelungen war. „Die Verpflichtung von Alex war ja bei vielen nicht unumstritten. Umso mehr freue ich mich, dass ihm dieser Einstand gelungen ist“, sagte der Coach. Und er nannte einen weiteren Spieler, der für ihn ein Schlüssel zum Erfolg war: „Ich finde, dass Torwart Manuel Riemann ein richtig gutes Spiel gemacht hat. Das war ja auswärts schon öfter der Fall, hoffentlich ist er jetzt auch beim Heimpublikum angekommen“, sagte Fuchs über den Keeper, der einen sicheren Eindruck hinterließ und durchweg präzise abwarf oder -schlug.

Schon am heutigen Montag geht es per Bus auf in Richtung Heidenheim. Mit Riemann und Kotuljac an Bord und der Hoffnung im Gepäck, dass sich die unschönen Szenen des Samstags nicht wiederholen.

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