Konflikt in der Führung eskaliert VfL: Darlehnsgeber setzen Wehlend unter Druck

Von Harald Pistorius | 27.12.2013, 19:17 Uhr

Die Führungskrise beim VfL Osnabrück spitzt sich zu. Fünf maßgebliche Sponsoren und Darlehnsgeber haben in einem Schreiben Geschäftsführer Jürgen Wehlend förmlich das Misstrauen ausgesprochen. Die massiven Vorwürfe gipfeln in der Ankündigung, die Unterstützung des VfL einzustellen, wenn der Manager im Amt bleibt. Besondere Brisanz bekommt das Schreiben durch die Unterschrift des Beiratsvorsitzenden Christian Kröger und des Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Meyer.

„Das Schreiben ist im Vorfeld mit uns abgestimmt worden. Es findet inhaltlich unsere uneingeschränkte Zustimmung“, heißt es über den Unterschriften von Meyer und Kröger.

Die Vorwürfe sind gravierend: Die im Zuge der Ausgliederung vorgesehene Professionalisierung sei nicht erfolgt, das Finanz- und Rechnungswesen ungeordnet. Ein Sanierungskonzept liege nicht vor, das Eigenkapital werde durch aktuelle und zu erwartende Verluste aufgezehrt. Eine Zukunftsvision sei nicht zu erkennen, heißt es in dem Schreiben, das Wehlend am Tag des Spiels gegen den Chemnitzer FC überreicht wurde. Am selben Tag trat der Geschäftsführer seinen seinen geplanten Urlaub an; er wird am 6. Januar 2014 zurückerwartet.

Unterschrieben haben den Brief Dirk Assmann (Firma Assmann Büromöbel, Melle), Lothar Hellmich (Hoving + Hellmich Stahlbau, Osnabrück), Michael Koch (Kaffee Partner, Osnabrück), Günter Pott (Ostermann Pott & Cie, Bonn) und Clemens Seelmeyer (bauXpert Seelmeyer, Ankum). Sie sind seit Jahren Gönner, Sponsoren und Darlehnsgeber des VfL. Seelmeyer ist – wie schon von 2005 bis 2007 – Vizepräsident; er gehörte ebenso wie Assmann, Koch und Hellmich dem alten Wirtschaftsrat des VfL e.V. an. Koch, Hellmich und Pott (auch Gesellschafter der Lila-Weiß GmbH) sind Mitglieder des Aufsichtsrats.

Das Vertrauen in den Geschäftsführer sei „nachhaltig erschüttert“, heißt es, und weiter: „Nach unserem Eindruck befindet sich das Unternehmen unter Ihrer Führung auf dem Weg in die Insolvenz.“ Am Ende kündigen die fünf Unterzeichner an, unter Wehlends Geschäftsführung keine Darlehen oder Bürgschaften mehr zur Verfügung zu stellen: „Das bedeutet, dass wir die bestehenden Darlehen bzw. Bürgschaften zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen werden und keine neuen mehr gewähren werden“. Dabei geht es um einen Betrag von knapp 900000 Euro, die als private Darlehen und als Bürgschaft für die Liquiditätsreserve zur Verfügung gestellt wurden; die Darlehen sind zum Ende jeder Saison kündbar. Unabhängig davon hat Trikotwerbepartner Kaffee-Partner in seinem Sponsoring-Vertrag eine Ausstiegsoption zum Ende der laufenden Saison.

Der ehemalige osnatel-Manager Wehlend hatte sein Amt im Januar dieses Jahres übernommen, ist aber erst seit Mitte Mai mit der Eintragung der VfL GmbH & Co. KG ins Handelsregister allein verantwortlich für den Profibereich. Die Konflikte mit der Vereinsführung um Präsident Christian Kröger, die über den Beirat Einfluss hat, gibt es seit Monaten und wurden bei der Jahreshauptversammlung vor einem Monat öffentlich. In der Gesamtschule Schinkel hatte Wehlend erklärt, dass er kein Vertrauen spüre und bereits im Sommer Verhandlungen über die Aufhebung seines bis Ende 2015 laufenden Arbeitsvertrages angeboten habe. Es sei ihm signalisiert worden, dass Investoren bereitstünden, ihren Einstieg aber von seinem Rückzug abhängig machten.

Wehlend war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.