Kiel, Magdeburg, Chemnitz, Paderborn Transfercheck 3. Liga: VfL-Konkurrenz legt extrem nach

Von Benjamin Kraus | 02.02.2017, 12:00 Uhr

Die Transferperiode II ist Geschichte, auch in der 3. Fußball-Liga darf nun kein Klub mehr einen Spieler von einem anderen Lizenzverein verpflichten. Hier die Einschätzung, welche Teams mit ihrer Nachrüstung die größten Chancen haben, ihre Ziele zu erreichen.

Wer die Transferbilanz der Konkurrenten des VfL Osnabrück und der Sportfreunde Lotte betrachtet, merkt schnell: Holstein Kiel, der 1. FC Magdeburg, der SC Paderborn und auch der Chemnitzer FC haben sich exzellent verstärkt. Hier die Betrachtung der einzelnen Teams nach Tabellenstand.

 1. MSV Duisburg 38 Punkte

Der Tabellenführer vertraut seinem Kader, es gab keine Transfers.

 Bewertung: Auch im etwas schwächelnden Angriff (22 Tore in 20 Spielen) wurde nicht nachgerüstet. Dafür hat der MSV die mit Abstand beste Abwehr der Liga und eine erfahrene und eingespielte Mannschaft - die Verantwortlichen haben sicher nicht nur aus finanziellen Gesichtspunkten, sondern auch wegen des vorhandenen Gleichgewichts im Kader dagegen entschieden, nachzurüsten. Duisburg wird sicjhwahrscheinlich nicht so deutlich absetzen können wie Dynamo Dresden im vergangenen Jahr – dennoch ist der Absteiger erster Anwärter auf den direkten Aufstieg.

 2. VfL Osnabrück 35 Punkte

Der Verein hat auf den verletzungsbedingten Ausfall von Kapitän Halil Savran reagiert und Stürmer Kemal Rüzgar  (21) von Fortuna Düsseldorf II bis Saisonende ausgeliehen. Dazu wurde nach langem Hin und Her Rückkehrer Konstantin Engel  (28, FC Astana) bis 2021 verpflichtet. Lars Bleker (22, SC Wiedenbrück) und Simon  Tüting (30, Waldhof Mannheim)  haben den Verein verlassen.

 Bewertung: Die Strategie ist – spätestens nach dem Abgang von Simon Tüting – klar: Vor allem mit Kompaktheit, Laufstärke im Gegenpressing und Kampfkraft wollen die Lila-Weißen in dieser engen Dritten Liga zum Erfolg kommen. Vor allem im zentralen Mittelfeld überwiegen bei den dort eingesetzten Spielern jene Attribute die der potenziellen strategischen Übersicht und spielerischen wie einzeltechnischen Brillanz. Dafür hat der VfL eine richtig starke Defensive – und vorne neben Kwasi Okyere Wriedt mit Rüzgar einen Mann dazu bekommen, der Potenzial hat. Der Auftakt ist mit dem Derbysieg gegen Münster gelungen. Beim Spitzenspiel in Duisburg folgt nu der Härtetest, wo man sehen wird, wie weit Rüzgar & Co. wirklich sind.

 3. 1. FC Magdeburg 33 Punkte

Angreifer Piotr Cwielong (30) kommt von Ruch Chorzow aus der polnischen Ekstraklasa, zuvor hatte er lange für den VfL Bochum gestürmt. Die Defensive verstärkt Richard Weil (28, Kickers Würzburg). Vom SC Freiburg kommt zudem der defensive Mittelfeldspieler Charles Elie Laprevotte (24), der zuvor auch für Münster kickte. Weg sind Stürmer Maurice Exslager (25, Fortuna Köln) und Sebastian Ernst (21, Kickers Würzburg).

 Bewertung: Das sowieso schon kompakt und clever agierende Team aus Sachsen-Anhalt ist mit höherklassigen Spielern richtig stark ergänzt worden. Auch wenn der Auftakt bei Fortuna Köln nach zwei Standard-Gegentoren mit 1:2 daneben ging – dieses Team ist jetzt erst recht ein absoluter Mitfavorit auf den Aufstieg.

 4. Hallescher FC 33 Punkte

Neu gekommen ist Torhüter Oliver Schnitzler (21) vom 1. FC Heidenheim. Verlassen haben den Verein die Stürmer Petar Sliskovic (25, Mainz U23) und Timo Furuholm (29, Inter Turku), der nach gesundheitlichen Problemen in seine finnische Heimat zurückgekehrt ist.

 Bewertung: Halle, die Minimalisten der Liga: Nach 20 Spielen ein Torverhältnis von 21:14. Sieht nicht immer attraktiv aus, ist aber effektiv, das der HFC spielt, deshalb vertraut man offenbar auch dem bisherigen Personal. Auch ohne einen echten gelernten Stürmer: Diese Elf um Royal-Dominique Fennell, Fabian Baumgärtel, Klaus Gjasula, Toni Lindenhahn und Benjamin Pintol ist brandgefährlich – trotz (oder vielleicht sogar wegen) fehlender namhafter Neuzugänge.

 5. Fortuna Köln 31 Punkte

Stürmer Maurice Exslager (25) kommt vom Halleschen FC – der einzige Transfer der Kölner Südstädter.

 Bewertung: Die Fortuna hat eine eingespielte Elf, die Truppe um Daniel Flottmann, Cedric Mimbala, Cauly Oliveira Souza und Hamdi Dahmani spielt eine starke Runde. Für ganz oben dürfte das Potenzial nicht reichen – schon aber dafür, um noch ab und an dem einen oder anderen Favoriten ein Bein zu stellen.

 6. Chemnitzer FC 30 Punkte

Die Sachsen verstärken sich mit Innenverteidiger Berkay Dabanli. Der 26-jährige Deutsch-Türke, zuvor auch für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga am Ball, wechselt vom türkischen Klub Eskisehirspor zu den Himmelblauen. Der von Dynamo Dresden ausgeliehene Stürmer Mario Rodriguez (23) kehrte zu seinem Stammverein zurück und spielt nun für die die SG Sonnenhof Großaspach.

 Bewertung: Die CFC-Offensive um Anton Fink, Daniel Frahn, Dennis Grote und Philip Türpitz war schon zuvor überragend, schoss mit 32 Treffern die meisten Tore der Liga. De Defensive um Kevin Conrad und Dennis Mast noch mit einem so erfahrenen Verteidiger zu verstärken, ist ein nachvollziehbarer Schritt – sollte Dabanli einschlagen, wird der CFC noch mehr zum Aufstiegsaspiranten als zuvor schon.

 7. Holstein Kiel 29 Punkte

Für die Aufholjagd auf die Spitzenplätze haben sich die Norddeutschen prominent verstärkt. Auf Leihbasis kommen Stürmer Marvin Ducksch (22, FC St. Pauli) und Außenverteidiger Christopher Lenz (22, Union Berlin) aus der 2. Bundesliga. Dazu kommt, auch auf Leihbasis, Stürmer Ilir Azemi (24, Greuther Fürth). Fest verpflichtet wurde zudem Mittelfeldspieler Joel Gerezgiher (21, Eintracht Frankfurt). Weg sind Stürmer Saliou Sané (24, SF Lotte) und die Mittelfeldspieler Evans Nyarko (24, Wehen Wiesbaden) und Milad Salem (28, FSV Frankfurt). Tammo Harder (22) ist indes für die Rückrunde an den 1. FC Saarbrücken ausgeliehen.

 Bewertung: Auch die Störche haben sich exzellent verstärkt: Azemi und Duksch sind vorne drin als absolute Kracher für diese Liga zu bezeichnen. Auch die anderen beiden Spieler können Verstärkungen einer eingespielten Elf sein, die Abgänge sind kein Verlust, wenn man von der Hinrunden-Einsatzbilanz ausgeht. Das 0:0 bei ebenfalls verstärkten Frankfurtern war bereits ein Punktgewinn – beim Heimspiel gegen Aalen könnte sich erstmals zeigen, wie schnell sich die neuen Spieler finden. Kiel ist ebenfalls mittendrin im Aufstiegskampf.

 8. SG Sonnenhof Großaspach 29 Punkte

Neu sind Mittelfeldspieler Joseph-Claude Gyau (24, Borussia Dortmund II) und Stürmer Mario Rodriguez (22, Dynamo Dresden), weg sind die Mittelfeldspieler Panagiotis Ballas (23, Panionios Athen), Robin Binder (22, Eintracht Trier, Leihe) und Josip Landeka (29, Stuttgarter Kickers).

Bewertung: Bewundernswert, was die Großaspacher auch in dieser Saison trotz der vielen Abgänge wieder auf die Beine gestellt haben. Gyau ist genauso ein Junge mit Potenzial wie Rodriguez, der bereits zum Auftakt beim 2:2 gegen seinen Ex-Klub Chemnitz traf. Das obere Drittel in der Tabelle zu belegen, könnte diesmal schwer werden für die Großaspacher – aber um die Klasse zu halten und den einen oder anderen Großen zu ärgern, hat das Team von Oliver Zapel auf jeden Fall genug Potenzial.

 9. VfR Aalen 29 Punkte

Reagieren musste der VfR, nachdem Leistungsträger Markus Schwabl (26, Fleetwood Town) den Verein neben Verteidiger Firat Sucsuz (20, Carl Zeiss Jena, Leihe) und Mittelfeldspieler Oguzhan Kefkir (25, Vertrag aufgelöst) verlassen hat. Neu sind Mittelfeldspieler Philipp Herchler (20, 1. FC Nürnberg), Außenverteidiger Sascha Traut (31, erfahrener Rückkehrer von den Würzburger Kickers) und Stürmer Martin Toshev (26, Erzgebirge Aue, auf Leihbasis).

 Bewertung: Vor allem Mika Ojala und Matthias Morys sind Ausnahmespieler, die jederzeit eine Partie für die kompakt auftretenen Aalener entscheiden können – auch Traut, Welzmüller und inzwischen auch der Ex-Osnabrücker Gerrit Wegkamp bringen viel Erfahrung und Klasse mit. Für ganz oben wird es kaum reichen für die Jungs von der Ostalb – stark genug um die Sicherheit nach hinten zu wahren, sollte die Vollmann-Elf aber auf jeden Fall sein.

 10. Sportfreunde Lotte 28 Punkte

Innenverteidiger Tobias Haitz kommt aus Aachen , Stürmer Saliou Sané (24) kommt aus Kiel. Dafür hat Semih Daglar (24) den Klub Richtung Hammer SV verlassen. Daglar hatte sich nicht durchsetzen können in der 3. Liga, war nur zu einem Einsatz gekommen.

 Bewertung: Ob die beiden Neuzugänge tatsächlich eine Verstärkung sind, muss sich in den nächsten Spielen zeigen – Fakt ist in jedem Fall, dass die nach dem Aufstieg auch nur in der Breite ergänzten Sportfreunde gerade eine schwierige Phase durchlaufen. Die Ergebnisse stimmen nicht mehr so, die Aufstiegs-Euphorie, die zu Beginn die Mannschaft trug, ist erst einmal weg, dazu kämpft die Elf immer wieder mit Veröletzungsproblemen wichtiger Leistungsträger (Rahn, Freiberger, Rosinger,...). Der Vorsprung auf die Abstiegsränge beträgt nur sieben Zähler, zwölf braucht Lotte wohl mindestens noch, um sicher drin zu bleiben. Dafür sollte genug Qualität in der Mannschaft stecken - aber diese ausgeglichene Dritte Liga kann gefährlich sein...

 11. Jahn Regensburg 28 Punkte

Regensburg geht mit gleichem Kader in die Restsaison. Keine Abgänge, keine Zugänge, ein zufriedener Trainer Heiko Herrlich. Dafür beschäftigt aber eine Spendenaffäre, die sich quer durch die Politik der Stadt zieht, auch den Verein: Joachim Wolbergs, Regensburgs Oberbürgermeister und Vorsitzender des Aufsichtsrats des SSV Jahn, sowie Klubmäzen Volker Tretzel waren in der letzten Woche wegen Bestechungsvorwürfen verhaftet worden. Unter anderem wird Wolbergs und Tretzel vorgeworfen, eine Kapitalerhöhung beim SSV Jahn stünde im Zusammenhang mit einer Auftragsvergabe an das Bauunternehmen Tretzels.

Bewertung: Mit Marco Grüttner als kaltschnäuzigen Stürmer, Erik Thommy als den vielleicht dribbelstärksten Spieler dieser 3. Liga und Jann George (auch schon acht Tore) hat der Jahn offensiv Waffen. Recht viele Gegentore sind allerdings ein Problem – und ob die Vorgänge hinter den Kulissen des Vereins die Mannschaft tatsächlich kalt lassen? Das 0:0 in Rostock zum Auftakt war okay, dennoch muss der Aufstieger aufpassen, nicht noch in den Abstiegssog zu rutschen...

 12. FSV Frankfurt 27 Punkte

Neu sind Stürmer Smail Morabit (28. 1. FC Heidenheim) und Außenverteidiger Dennis Russ (24, Würzburger Kickers). Auch der Ex-Osnabrücker Außenbahnspieler Milad Salem (28, Holstein Kiel) ist gekommen. Nicht mehr dabei sind Außenstürmer Adil Chihi (28, Ittihad Tanger/Marokko) und Stürmer Stefan Maderer (20, Spvg. Greuther Fürth, Leihe beendet).

 Bewertung: Morabit ist ein ganz starker Neuzugang für diese Spielklasse, Russ und auch Salem (wenn er fit bleibt) können Verstärkungen sein. Mit Fabian Schleusener, Massimo Ornatelli, Patrick Ochs und Bentley Baxter Bahn gibt es weitere Ausnahmespieler in der Mannschaft – was bis dato fehlte, ist so etwas wie Konstanz in den Leistungen. DER FSV ist vom potenzial her weit besser als sein Tabellenplatz – und er liegt auch nur sechs Punkte hinter dem Relegationsplatz...

 13. Hansa Rostock 27 Punkte

Gleich vier neue Spieler gibt es an der Ostsee. Das Team verstärken sollen Innenverteidiger Joshua Nadeau (22, Gefle IF/Schweden), Stürmer Tim Väyrynen (23, Dynamo Dresden) und die beiden Mittelfeldspieler Amaury Bischoff (29, Preußen Münster) und Christopher Quiring (26, Union Berlin). Gegangen sind Mittelfeldspieler Marco Kofler (27, SV Elversberg) und Mittelstürmer Melvin Platje (28, derzeit vereinslos).

 Bewertung: Hansa-Coach Christian Brand hat alle vier Neuzugänge beim 0:0 gegen Regensburg bereits eingesetzt – und alle spielten ganz ordentlich. Mit den flinken Spielern Andrist und Jänicke sowie dem dribbelstarken Kerem Bülbül hat der Quakenbrücker Coach weitere starke Alternativen, mit Dennis Erdmann zwar wie Bischoff nicht gerade die sympathischste, aber doch extrem kampfstarke und abgezockte Doppel-Sechs. Hansa wird keine Probleme haben, die Klasse zu halten – und wenn sich die Truppe schnell findet, kann der Blick bei nur sechs Punkten Rückstand auf Rang drei auch schnell nach oben gehen...

 14. Werder Bremen U23 24 Punkte

Eine Personalie ohne größere Relevanz: Ergänzungsspieler Onur Capin (20, Tuzlaspor) ist nicht mehr dabei.

Bewertung: Werder II ist gut unterwegs und kann mit Jesper Verlaat, Thore-Andreas Jacobsen, MMelvyn Lorenzen und Rafael Kazior auf eine erfahrene Achse setzen – dazu besteht immer wieder die Option, das Team von oben mit Profis (Johannes und Maximilian Eggestein, Manneh) zu verstärken. Das wird immer wieder Umbauten in der Stammelf erforderlich machen und nicht immer für Konstanz sorgen – aber im Schnitt für genug Qualität, um Nadelstiche zu setzen und letztlich auch in der Liga zu bleiben.

 15. SC Paderborn 24 Punkte

Vier Neue holte der SCP. Außenverteidiger Sebastian Heidinger (30, Spvg. Greuther Fürth), Stürmer Roope Riski (25, SJK Seinäjoki/Finnland), Torwart Michael Ratajczak (34, vereinslos) und Innenverteidiger Lukas Boeder (19, Bayer Leverkusen) kommen. Offensivspieler Dino Medjedovic (27, Shkendija Tetovo/Mazedonien) geht genau wie Mittelfeldspieler Niko Dobros (23, SV Elversberg). Ersatztorwart Till Brinkmann (21) wurde zu Eintracht Trier ausgeliehen.

Bewertung: Der Auftakt ging gegen Duisburg 0:1 verloren, die Mannschaft aber agierte stark – und bekam ein reguläres Tor durch Koen van der Biezen aberkannt. Überhaupt, van der Biezen, dazu Zlatko Dedic, Sven Michel, Marc Andre kruska, Tim Sebastian, Christian Strohdiek, Lukas Kruse, Marcus Piossek – das ist eine richtig starke Mannschaft, die vor allem, aber nicht nur durch Heidinger noch einmal verstärkt worden ist und unter dem neuen Coach Stefan Emmerlig konstant punktet. Dass der SCP am Ende aufsteigt, erscheint jedenfalls wahrscheinlicher, als dass der Absteiger in die 4. Liga durchgereicht wird...

 16. RW Erfurt 24 Punkte

Für Transfers in der Winterpause fehlt dem Verein aus der Landeshauptstadt Thüringens das Geld. Immerhin hat auch kein Spieler den Verein verlassen.

 Bewertung: Erfurt um Spielmacher Sebastian Tyrala und Flügelmann Daniel Brückner ist in dieser starken, ausgeglichenen Liga in einer richtig gefährlichen Situation: Sollte sich Carsten Kammlott, der jüngst bis 2022 verlängerte und mit acht Toren der beste Schütze der absolut torungefährlichen Elf von Stefan Krämer (nur 16 Treffer) ist, verletzen, könnte das ganze Gefüge der Rot Weißen komplett zusammenbrechen. Auch so wird es wohl ein harter Weg für die Thüringer zum Klassenerhalt.

 17. SV Wehen Wiesbaden 21 Punkte

Für den Abstiegskampf wurden Innenverteidiger Sascha Mockenhaupt (25, FK Bodö Glimt/Norwegen), Außenverteidiger Dominik Nothnagel (22, Würzburger Kickers), Mittelfeldspieler Evans Nyarko (24, Holstein Kiel) und die Stürmer Kerem Bulut (Western Sydney Wanderers) und Patrick Breitkreutz (25, nach Kreuzbandriss vereinslos, zuvor Energie Cottbus) geholt.

 Bewertung: Wehen Wiesbaden wie immer: Wahnsinniger Transfer-Aktionismus bei im Liga-Vergleich hohen Gehältern, aber recht wenig Ertrag. Der langjährige Stammspieler Nils-Ole Book (30) hätte genau wie Sertan Yegenoglu (22) und Kevin Schindler (28) im Winter gehen können, alle haben aber keinen neuen Verein gefunden – somit hat der SVWW nun mit 32 Spielern im Kader wohl den größten in der 3. Liga. Zweifellos sind Kevin Pezzoni oder Manuel Schäffler starke Spieler in der 3. Liga, auch die Neuzugänge sind allesamt potenzielle Verstärkungen. Doch wenn der SVWW nicht ganz schnell eine funktionierende Startelf findet, ist Unruhe im Verein vorprogrammiert. Denkbar erscheinen einmal mehr nur zwei Wege in Wiesbaden: Entweder der SVWW startet in den kommenden Partien nach oben durch – oder er spielt wie zuletzt bis zum Ende gegen den Abstieg.

 18. Preußen Münster 21 Punkte

Neu dabei sind Mittelfeldspieler Christian Müller (32, Vasas Budapest/Ungarn), Offensivspieler Martin Kobylanski (22, ausgeliehen von Lechia Danzig/Polen) und Stürmer Mirkan Aydin (29, Dalkurd FF/ Schweden). Den Klub verlassen haben Amaury Bischoff (29, Hansa Rostock), Edisson Jordanov (23, FC Differdange/Luxemburg) und Jesse Weißenfels (24, Stuttgarter Kickers).

Bewertung: Bei der Derby-Niederlage in Osnabrück offenbarten sich die Probleme der Münsteraner, die sie schon im ganzen Saisonverlauf haben: Im Spiel nach vorne zwar ansehnlich, aber ohne Qualität beim Torabschluss – Adriano Grimaldi ist trotz eines langen verletzungsbedingten Ausfgalls mit fünf Toren immer naoch bester Schütze dieser Elf. Und dazu sind die Preußen defensiv deutlich wackliger als in den Vorjahren: Abwehrchef ist mit Ole Kittner ein Mann, der zuvor mehrere Spielzeiten verletzungsbedingt komplett raus war und in Osnabrück mehrmals im Probetraining durchgefallen war. Sein Nebenmann Sebastian Mai sah beim VfL überhaupt kein Land gegen Kwasi Oyere Wriedt – so verwundert es durchaus, warum die Preußen nur nach vorne gerichtete Akteure und keine Verstärkung für die Defensive geholt haben. Das Umfeld an der Hammer Straße ist noch relativ ruhig, weil nach dem Einstieg von Walther Seinsch alle vom möglichen Stadion der 40000 und der Bundesliga-Perspektive reden. Aber darin liegt auch eine Gefahr – wenn der Fokus auf die aktuellen Geschehnisse fehlt. Die Mannschaft ist natürlich stark genug für den Klassenerhalt, der Trainer Benno Möhlmann sollte erfahren genug sein, um solche Situationen zu meistern – aber wenn jetzt das Heimspiel gegen Rostock in die Binsen geht und am Ende sogar noch der vom hof gejagte Amaury Bischoff gegen seinen Ex-Verein trifft, wird auch in Münster wieder Feuer unterm Dach sein und Abstiegsangst umgehen...

 19. FSV Zwickau 20 Punkte

Der Vorletzte hat den höherklassig erfahrenen Offensivspieler Robert Koch (30, FC Oberlausitz Neugersdorf) verpflichtet. Dazu unterschrieb Innenverteidiger Jonas Acquistapace, den zuvor auch Lotte testete. Neu gekommen ist auch Stürmer Martin Juhar (LKS Niecie/Polen), der sich aber gleich im ersten Training eine Sprunggelenksverletzung zugezogen hat. Gegangen sind Innenverteidiger Marcel Gebers (30, SV Meppen) und Stürmer Marc-Philipp Zimmermann (VfB Auerbach).

 Bewertung: Zwickau ist eine kampfstarke Elf ohne großartige spielerische Mittel, was sich auch durch die Veränderungen im Kader nicht ändern wird. Die Mannschaft wird aber mit ihren einfachen Mitteln immer wieder punkten und bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt spielen – bei einer Chance von 50:50.

 20. FSV Mainz U23 14 Punkte

Aus dem Profiteam rückt der Mittelfeldspieler Besar Halimi (22) nach unten. Dazu kommt für den Sturm Petar Sliskovic vom Halleschen FC. Mittelfeldspieler Dennis Franzin (23) hat seine Karriere beendet.

 Bewertung: Mainz legt vor allem Wert auf die Ausbildung seiner Talente, tritt auch angesichts der Tatsache, dass „von oben“ immer wieder andere Spieler zur Verfügung stehen, oft mit wechselnden Startformationen an. So wird man immer mal wieder – teils auch überraschend – punkten. Ob man aber so viel Konstanz in die eigenen Leistungen bringen kann, dass man die 26 Punkte, die wohl mindestens für den Klassenerhalt nötig sind, in den verbleibenden Spielen noch holt, erscheint nach der direkten Niederlage im Kellerduell in Zwickau schon fraglich – auch angesichts der bis dato lediglich 14 erzielten eigenen Tore in 20 Spielen.

 Hier der Ticker aus der 3. Liga zum Nachlesen