Immer weniger Zuschauer Gegen Cottbus ruft der VfL Osnabrück „Flutlichtman“ zur Hilfe

Von Sven Mechelhoff | 02.02.2016, 16:48 Uhr

Wer den VfL Osnabrück in dieser Saison im Stadion sehen möchte, muss sich keine Sorgen um Tickets machen. Zu den Spielen kommen so wenige Zuschauer wie seit Jahren nicht mehr. Vor dem Duell mit Energie Cottbus am Freitag soll nun der „Flutlichtman“ eingreifen.

Sanfte Klaviermusik, ein Mann dreht mit dem Schraubenzieher in einem Sicherungskasten herum. Er heiße Andi und kümmere sich eigentlich um die Technik in der Osnatel-Arena, sagt er – in T-Shirt und halbhohen Sicherheitsschuhen. Doch dann krempelt er sich die Tennissocken über die Hosenbeine, zieht sich eine Zorro-Gedächtnismaske über die Augen, bindet die Fäden eines Umhangsunter dem Kinn zu einer Schleife zusammen und sagt: „Aber wenn ich ein Superheld wäre, wäre ich Flutlichtman.“

Youtube-Spot vom VfL Osnabrück

„Flutlichtman“ ist der Held eines qualitativ hochwertigen Youtube-Videos der Osnabrücker Filmemacherin Marie Katzer, das der VfL Osnabrück jetzt veröffentlicht hat. Der Titel des Clips (1:14 Minuten) lautet „support your local heroes“ – „unterstütze deine lokalen Helden“. ( Hier geht es zum Video )

Dass das Einschreiten von „Flutlichtman“ dringend notwendig ist, verdeutlichen die Zuschauerzahlen. Auch wenn der VfL in der Besucher-Statistik auf Rang fünf liegt und damit hinter Dresden, Magdeburg, Rostock und Aue bester „Westclub“ ist: „Die Auslastung der Arena (mehr als 16500 Plätze) liegt in der Hinrunde unter 50 Prozent (46,71). Zu den ersten elf Heimspielen kamen so wenige Zuschauer wie seit Jahren nicht mehr. Beginnend bei der Zweitligasaison (10/11) mit durchschnittlich 13300 Zuschauern, ging das Interesse der Fans mit dem Abstieg schlagartig zurück. In der ersten Hälfte dieser Saison reduzierte sich die durchschnittliche Anzahl auf etwa 7800.

Da Ticketverkäufe zu den Haupteinnahmequellen des Clubs gehören, hat der VfL Osnabrück ein wirtschaftliches Interesse an einer Trendwende. Schon vor dem jüngsten Heimspiel gegen Erzgebirge Aue hatte der VfL deshalb mit Videos einen Stadionbesuch beworben. Marcos Alvarez, Michael Hohnstedt sowie Marvin Schwäbe und David Pisot hatten sich in drei ebenfalls professionell inszenierten Videobotschaften an die Fans gewandt und um Unterstützung geworben.

„Letztendlich geht es darum, möglichst viele Leute ins Stadion zu bekommen“, sagt VfL-Sprecher Sebastian Rüther. Zwar wird sich ein direkter Zusammenhang zwischen den Videos und möglicherweise steigenden Zuschauerzahlen im Nachhinein schwer messen lassen, mit den Filmen ist er schon jetzt zufrieden: Sie erzielten eine „unglaubliche Reichweite“, die Reaktionen im Internet seien positiv. Deshalb könnten zu den nächsten Spielen auch weitere Videos folgen. (Weiterlesen: VfL Osnabrück bereitet sich auf Cottbus vor )

Sicherheitsbedenken der Zuschauer

Aber warum sinken die Zuschauerzahlen? Rüther erinnert an DFB-Auflagen. Nach dem Feuerzeugwurf im Pokalspiel gegen RB Leipzig sei die Ostkurve für zwei Spiele gesperrt gewesen. Dort können bis zu 4500 Fans stehen. Im Derby gegen Münster waren zudem Gästefans ausgeschlossen – macht etwa 1600 Fans weniger. Im Derby käme auch noch das Sicherheitsempfinden der Zuschauer hinzu: „Seit dem Skandalspiel gegen Münster (2011: Sprengstoffanschlag, Anm. d. Red.) hat man schon gemerkt, dass gerade Familien mit Kindern sagen: ,Bei solchen Spielen kommen wir nicht unbedingt.‘“ Für harmloser wirkende Partien gelte das nicht.

U23-Teams nicht so attraktive Gegner

Als weiteren Grund führt Rüther den Spielplan an. Mit den zweiten Mannschaften von Stuttgart, Mainz und Bremen seien Gegner in der Liga, die weniger interessant seien und die deutlich weniger eigene Fans mitbrächten als die Traditionsclubs. Ein sportlicher Grund ist für Rüther die Tabelle: Stehe Osnabrück auf den vordersten Plätzen, sei das Interesse gemeinhin größer. Einen positiven Schub erhofft er sich von der leidenschaftlichen Art, mit der Trainer Joe Enochs Fußball spielen lässt.

Flutlichtspiele in dieser Saison gab es zwei (Münster 2:2, 23. September) und Halle (2:0, 6. November), wobei das Spiel gegen die Ostdeutschen (9641) das zwangsreduzierte Derby (8590) sogar toppte. Gemeinsam mit der Macht von „Flutlichtman“ gibt es für das Spiel am Freitag gegen Energie Cottbus (19 Uhr) Hoffnung. „Flutlichtman“ heißt im Alltag übrigens Andreas Schamberg und arbeitet bei Spielen wirklich als Techniker. (Zurückgeblättert: Der VfL spielt 2:2 gegen Münster )

TEASER-FOTO: