„Holen Punkte gegen Aue zurück“ Stürmerwechsel nimmt VfL Osnabrück den Biss in Köln

06.12.2015, 14:57 Uhr

Die Serien des VfL Osnabrück sind gerissen, im letzten Spiel der Hinrunde in der 3. Fußball-Liga gab es für die Lila-Weißen einen Dämpfer. Zwei Tage nach dem 1:3 bei Fortuna Köln haben die Osnabrücker bereits mit der sachlichen Aufarbeitung begonnen. Nicht zu übersehen: Der nötige Doppelwechsel im Angriff sorgte dafür, dass im Offensivspiel nicht alles so rund lief wie zuletzt. Und im nächsten Spiel könnten wieder Umstellungen erforderlich sein.

Trainer Joe Enochs hatte das Spiel noch zweimal in der Videoanalyse geschaut und die Statistik bemüht, als er am Sonntag zum gleichen Ergebnis wie am Freitagabend kam: Schlechter als der Gegner war sein Team nicht gewesen. Nur die Fehler, die die Lila-Weißen in den vergangenen Wochen vermieden hatten, brachten die Fortuna auf die Siegerstraße. Enochs ordnete die erste Niederlage nach neun ungeschlagenen Spielen sachlich ein: „Wir können immer auch mal ein Spiel verlieren. Ich habe die Mannschaft nicht hoch gelobt und werde sie nicht runtermachen. Wir wissen ganz genau, wo wir herkommen, und müssen weiter an uns arbeiten.“

Hohnstedt: Wir hätten auch ein 0:2 noch drehen können

Ein Sieg wäre „im Endeffekt zumindest aufgrund der ersten 60 Minuten nicht verdient gewesen“, urteilte Michael Hohnstedt, der sich über sein 1:3 nicht freuen konnte. „Ich hätte lieber drei Punkte mitgenommen, als ein Tor zu schießen.“ Zumindest ein Punkt, da waren sich der Mittelfeldspieler und seine Mannschaftskollegen in der Kabine noch sicher gewesen, wäre auch nach der schwächeren ersten Halbzeit noch drin gewesen: „Wir wussten, dass wir zurzeit gut drauf sind und auch ein 0:2 in Köln noch drehen können.“ Selbst nach dem 0:3 kurz nach Wiederanpfiff gab sich der VfL nicht auf. „Wir sind nicht, wie in Magdeburg, nach dem 0:3 zusammengefallen. Das ist vielleicht das einzig Positive“, sagte Hohnstedt. Sein Treffer ließ beim Trainer wieder Hoffnung keimen: „Da habe ich gedacht, dass wir mindestens noch den Ausgleich machen“, sagte Enochs. Er hoffte vergebens.

Enochs: Die Mannschaft ist wieder aufgestanden

Im Halbzeitinterview beim Stadionsprecher hatte Kölns Trainer Uwe Koschinat ein „geiles Fußballspiel“ seines Teams bejubelt, aber davor gewarnt, dass die zweiten 45 Minuten „brutal“ werden. Dafür reichte die Osnabrücker Drangphase nicht, auch wenn Enochs im gesamten Spielverlauf 65 Prozent Ballbesitz seines Teams registrierte und lobte: „Wichtig ist, dass die Mannschaft nach dem Rückschlag durch das 0:3 wieder aufgestanden ist. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Mannschaft intakt ist.“ Die Kölner spielten clever, „sie haben mit elf Mann am eigenen Strafraum gestanden, und unsere hohen Bälle waren gegen zwei große Innenverteidiger nicht so effektiv“, sagte Enochs.

 Hier gibt es den Liveticker vom Freitagabend zum Nachlesen 

Vor dem 0:3 hatte er ein Foul an Anthony Syhre gesehen, dem der Ball zunächst in der Annahme wegsprang und der dann den Zweikampf im Laufduell verlor. „Wenn wir so ein Tor schießen und der Schiedsrichter pfeift es ab, dann würde ich auch sagen: Okay, das war ein Foul.“ Als Ausrede wollte Enochs das nicht verstanden wissen: Schon der Pass auf Syhre war nicht die beste Lösung, dessen Annahme dann einer dieser Fehler, die dem VfL zuletzt nicht unterlaufen waren. „Wir sind von den Kölnern nicht schwindelig gespielt worden, sondern haben Fehler gemacht, die wir in den letzten Wochen nicht gemacht haben“, sagte Verteidiger Kim Falkenberg.

 Er verdiente sich genau wie Alexander Dercho ein Lob von Enochs für die zweite Halbzeit: „Die Außenverteidiger haben viel Druck gemacht. Das war aller Ehren wert.“ Überhaupt stimmte da der Einsatz des VfL mehr, die Mannschaft stemmte sich gegen die Niederlage. „Wir haben in der zweiten Halbzeit auf ein Tor gespielt und nicht eine Konterchance zugelassen“, bilanzierte Enochs.

Die quirligen Stürmer fehlten

Ein Grund, warum das Spiel nicht günstiger für den VfL ausging, waren dabei die Umstellungen im Sturm: Ohne Halil Savran (gelbgesperrt) und Marcos Alvarez (Kapselanriss im Knie) nahmen Francky Sembolo und Marcel Kandziora die Angriffspositionen ein. „Marcel hat malocht und unheimlich gegen den Ball gearbeitet“, bescheinigte Enochs dem Mittelfeldspieler auf ungewohnter Position zwar und würdigte auch die „ordentlichen“ Auftritte der eingewechselten Offensivkräfte Addy Menga und Deniz Taskesen. In vorderster Front fehlten allerdings quirlige Stürmer, die im Strafraum die Eins-gegen-Eins-Duelle suchten oder den Ball gegen die robusten Fortunen behaupteten und die Flanken kamen nicht selten zu ungenau beziehungsweise zu lang in den Strafraum. Während Savran nach abgelaufener Sperre im Spiel am kommenden Samstag gegen Erzgebirge Aue wieder dabei sein wird, ist die Zeit für eine Genesung von Alvarez knapp: „Die kommenden beiden Spiele werden für mich sehr eng“, sagte der Stürmer, der die Partie in Köln von außen verfolgte.

Gewissheit über Ornatelli-Verletzung am Montag

Savran wollte nicht darüber sprechen, wie sehr er in der Offensive fehlte. „Darüber müssen andere urteilen“, sagte er. Kölns Trainer Koschinat redete nicht lange drumherum: Auch wenn Enochs es bescheidenerweise nicht zum Thema gemacht habe, „hatten wir Glück, dass die Osnabrücker auf ihr Top-Sturmduo verzichten mussten. So etwas bedeutet immer Umstellungen in den Abläufen. Davon haben wir heute sehr profitiert“, sagte er. „Wir waren nicht so eingespielt“, erkannte Enochs. „Es war ein bisschen ungewohnt. Aufgrund der beiden Ausfälle mussten wir uns auf eine neue Situation einstellen und hatten nur wenig Zeit, die Abläufe zu verinnerlichen“, sagte Massimo Ornatelli, der mit mindestens einer Zerrung vorzeitig vom Platz musste. Ob er sich, wie befürchtet, einen Muskelfaserriss zugezogen hat, darüber soll spätestens am Montag Gewissheit herrschen.

Groß: Die Niederlage wirft uns nicht um

Für Hohnstedt waren die Umstellungen keine Erklärung für die Niederlage: „Jeder weiß, welche Qualität wir mit Halil und Marcos haben. Aber das, was uns bis hier gebracht hat, waren Zusammenarbeit und Teamwork. Wir hatten auch in Köln genügend Qualität auf dem Platz, um zu gewinnen, denn wir haben nicht nur elf, sondern 22 gute Spieler im Kader.“ Das ist nur ein Argument, mit dem der VfL im Heimspiel gegen Aue wieder überzeugen will: „Jetzt holen wir uns die drei Punkte einfach zuhause zurück“, nahm Hohnstedt es trotzig. „Es wäre naiv zu denken, dass so eine Serie kein Ende hat. Es tut zwar weh, aber in der nächsten Woche müssen wir wieder Vollgas geben“, nahm auch Christian Groß die Herausforderung an und versicherte: „Die gebrochene Serie wirft uns jetzt nicht um.“

„Wir müssen aus den Fehlern lernen“, lenkte Enochs den Fokus auf die anstehende Trainingswoche, die nach dem 10-Kilometer-Auslaufen am Samstag und zwei freien Tagen am Dienstag beginnt. „Am nächsten Samstag haben wir dann die Chance, die Niederlage aus Köln wieder gut zu machen“, sagte der Trainer. Auch Falkenberg ist optimistisch: „Wir waren lange auf der Euphoriewelle und haben dieses eklige Gefühl zu verlieren lange vermeiden können. Aber ich traue der Mannschaft eine ähnliche Serie wie zuletzt zu.“