„Genug auf die Fresse bekommen“ Nach dem 2:2 beim KSC: Gedämpfte Freude beim VfL Osnabrück

Von Stefan Alberti und Johannes Kapitza | 23.07.2017, 20:30 Uhr

Mit Blick auf die erste Halbzeit waren es zwei verschenkte Punkte, mit Blick auf die zweite Halbzeit war es ein glücklicher Zähler. Über 90 Minuten betrachtet, verdiente sich der VfL Osnabrück das 2:2 beim Karlsruher SC, weil sich die Lila-Weißen von äußeren Erwartungen nicht beirren ließen.

Nein, mit so viel niedersächsischer Gegenwehr hatten sie in Baden beileibe nicht gerechnet. 16 VIPs hatten in der Stadionzeitung das Ergebnis getippt. Nur einer hatte ein 1:1 erwartet, alle anderen einen Sieg des Karlsruher SC, einer von ihnen sogar ein 4:0. „Wir sind hier als absoluter Underdog angetreten bei einer Mannschaft, die sich selbst als absolute Nummer eins der Liga sieht und den Anspruch hat, am Saisonende oben zu stehen. Diese Rolle haben wir richtig gut angenommen“, war Tim Danneberg mit dem Auftritt einverstanden. (Weiterlesen: VfL Osnabrück setzt Ausrufezeichen) 

„Gegentore vermeidbar“

Nicht alle Mitspieler teilten die Zufriedenheit. Nach einer 2:0-Pausenführung fühle sich das 2:2 im ersten Moment wie eine Niederlage an, räumte auch Danneberg ein. „Aber wenn wir das Spiel mit etwas Abstand vernünftig analysieren – auch die Gegentore, die aus meiner Sicht absolut vermeidbar waren –, dann sind wir insgesamt auf einem richtig guten Weg.“

Der 31-Jährige ist zuversichtlich: „Wir haben in der Vorbereitung genug auf die Fresse bekommen, auch zu Recht, weil die Ergebnisse nicht gestimmt haben. Aber wir haben die Spiele nüchtern betrachtet und wussten, dass wir uns Schritt für Schritt nach vorne entwickelt haben, auch wenn das Außenstehende vielleicht nicht so wahrgenommen haben.“

Anders als in der Vorbereitung nutzte der VfL seine erste Torchance zur Führung. Danneberg legte vor der Pause zum 2:0 nach. Schon in der Vorbereitung hatte er manchmal die Rolle des zweiten Stürmers übernommen, aber ein Torjäger ist er nicht. „Im Schnitt komme ich bislang auf vier bis fünf Tore pro Saison. Diese fängt gut an“, sagte der Mittelfeldspieler.

Zorbas gelungenes Debüt

Auch Christian Groß füllte seine Rolle als Innenverteidiger gut aus. Zuletzt hatte er auf der Position vor mehr als zwei Jahren gespielt. In Karlsruhe vertrat er Konstantin Engel, der wegen seiner Adduktorenverletzung doch noch kurzfristig passen musste. „Jeder, der mich kennt, weiß: Ich unterstütze die Mannschaft und haue mich rein – egal, wo ich aufgestellt werde. Da wo der Trainer mich braucht, bin ich da“, sagte der Kapitän. (Weiterlesen: Das sagt der Trainer nach dem Spiel) 

Neben ihm gab Linksverteidiger Furkan Zorba als Vertreter von Alexander Dercho (Außenbandriss) ein fehlerfreies Debüt. Die Gegentore fielen über den rechten Flügel der Lila-Weißen: Marcel Appiah und Steffen Tigges sahen schlecht aus – allerdings auch, weil erst Jules Reimerink und dann der weit aufgerückte Nazim Sangaré die Hereingaben nicht unterbinden konnten. „Nach der ersten Halbzeit sind wir vom Ergebnis enttäuscht. Dass Karlsruhe irgendwann drückt, war klar. Wir haben nach der Pause zu wenig nach vorne gemacht und konnten den Druck nicht mehr abwehren. Das erste Gegentor kam dann einen Tick zu früh“, sagte Groß. Der Enttäuschung allein wollte aber auch der 28-Jährige nicht das Feld überlassen: „Wir haben auswärts bei einer richtig guten Mannschaft gespielt und einen Punkt mitgenommen. Darauf können wir aufbauen und stolz sein.“

Mit Heider in Rehden?

Grundsätzlich sieht das „Grossos“ Innenverteidiger-Kollege Appiah ähnlich, aber: „Wenn ich sehe, was möglich war, fällt es mir im Moment noch etwas schwer, den Punktgewinn auch als Punktgewinn zu sehen.“ Als „reine Vorsichtsmaßnahme“ trug der 29-Jährige am Sonntag einen Verband am linken Fuß: „Ich habe bei einem Zusammenprall mit Stroh-Engel einen Schlag am linken Sprunggelenk abbekommen.“ Sein Einsatz am Dienstag im Niedersachsenpokal sei nicht gefährdet.

Apropos Dienstag: Beim Regionalligisten BSV Rehden (Anstoß 19 Uhr) geht es darum, ins Viertelfinale des Niedersachsenpokals einzuziehen und einen Schritt Richtung DFB-Pokal 2018/19 zu machen. „Köpfe hoch, weiter geht’s“, mahnte Groß seine Kollegen. Unterschätzen werden die Lila-Weißen den Gegner nicht. „Das wird wieder ein schweres Spiel.“ Wie schnell ein vermeintlicher Außenseiter für eine Überraschung sorgen kann, hat der VfL ja selbst am Freitag gezeigt. Am Sonntagnachmittag kündigte Trainer Joe Enochs an, dass es im Vergleich zur Karlsruhe-Partie in Rehden „keine großen Umstellungen“ geben werde. „Wir werden die Partie wie ein Meisterschaftsspiel angehen.“ Am Dienstag steht als weitere Alternative im Übrigen Marc Heider bereit, dessen verhängte Sperre (im Zusammenhang mit den Manipulationsvorwürfen) nicht für den Niedersachsenpokal gilt. Ähnliches trifft auf der Gegenseite dann auch für den Neu-Rehdener Addy-Waku Menga zu.

Ob Dercho und Engel am Dienstag wieder zur Verfügung stehen, ist noch unklar. „Beide werden derzeit weiter behandelt. Wir müssen abwarten“, so Enochs. Das gelte auch für Halil Savran. Der verletzte Kapitän brenne nach seinem Knorpelschaden und bislang positiv absolvierter Reha auf eine Rückkehr. Anfang dieser Woche stünden weitere Untersuchungen beim Spezialisten Dr. Peter Schäferhoff in Köln auf dem Programm. „Danach können wir entscheiden, wie er ins Team zurückkehren kann.“