Fußball-Chaoten randalieren Ausschreitungen in Osnabrück: Polizeieinsatz bis drei Uhr

08.11.2015, 18:27 Uhr

Über hundert Fußball-Chaoten aus Osnabrück und Halle haben am Freitag mit heftigen Ausschreitungen nach dem Drittligaspiel zwischen dem VfL und dem HFC (2:0) einen massiven Polizeieinsatz ausgelöst, in dessen Verlauf auch über 200 Unbeteiligte erkennungsdienstlich behandelt wurden, die nun ermittlungstechnisch als Verdächtige gelten.

Die Chronologie der Ereignisse: In der Endphase des Spiels kletterten mehrere vermummte HFC-Chaoten über den Zaun in den Osnabrücker Bereich der Westtribüne und entwendeten die Fahne des Fanclubs Westside. Die Polizei riegelte den Gästeblock ab, um die Fahne sicherzustellen und die Täter zu ermitteln. Dass es dabei zu heftigen Angriffen auf die Beamten kann, bestätigt laut MDR auch der Hallenser Fanbeauftragte Andreas Wolf: „Wir sind in den Block zurückgedrängt worden, dabei kam es zu massiven Handgreiflichkeiten gegenüber der Polizei“.

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Danach kam es zu einem Ausbruchsversuch einer etwa fünfzigköpfigen Gruppe; die teilweise vermummten Chaoten griffen die Beamten massiv an. Der Angriff wurde als Landfriedensbruch gewertet, deshalb wurden von allen 188 im Fanblock verbliebenen Hallensern die Personalien festgestellt. Der Haupttäter beim die Krawalle auslösenden Fahnendiebstahl wurde trotz Vermummung ermittelt und vorübergehend festgenommen. Es dauerte bis zwei Uhr, ehe die Identitätsfeststellung abgeschlossen war und die letzten Hallenser auf die Heimreise gehen konnten.

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Um zu verhindern, dass die Hallenser bei ihrem Abmarsch auf Besucher des Jahrmarkts oder auf VfL-Fans stießen, sperrte die Polizei die Oststraße an der Einmündung zur Bremer Straße mit Einsatzfahrzeugen und knapp zwei Dutzend Beamten. Während die meisten Polizisten mit der Identitätsfeststellung der Hallenser beschäftigt waren, wurde die Absperrung von knapp 50 Osnabrücker Chaoten angegriffen. Laut Einsatzleiter Alexander Meyer warfen die zumeist vermummten Täter mit Flaschen und Gläsern; die Angriff sei „sehr aggressiv“ gewesen. Ziel der Chaoten war offensichtlich, durchzustoßen zu den Gleichgesinnten aus Halle.

Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt

Die Polizei setzte Pefferspray, Hunde und Schlagstöcke ein und verhinderte mit Mühe den Durchbruch. Ein Polizist wurde von einer Flasche im Gesicht getroffen und im Krankenhaus versorgt. Insgesamt wurden nach offiziellen Angaben 20 Personen verletzt. Als die gewalttätigen Chaoten sich in die stadionnahe Gaststätte „stanleybet“ zurückzogen, umstellten die Polizisten das Lokal und ließen keinen der Gäste gehen. Weil der Großteil der Einsatzkräfte an den anderen Brennpunkten gebunden war, konnte laut Meyer die Identitätsfeststellung erst beginnen, nachdem Verstärkung aus Hannover eingetroffen war. Am Ende der Aktion, die bis nach drei Uhr dauerte, waren knapp 150 Osnabrücker fotografiert und identifiziert. So steht´s auf der Website des MDR 

Nach Darstellung der Polizei hätten Personen, die sich ausweisen konnten, das Lokal verlassen können. Mehrere Gäste, die der Redaktion bekannt sind und nicht der Chaoten-Szene angehören, beklagten sich über die „Belagerung“ der Gaststätte durch die Polizei und fühlten sich kriminalisiert; in einem Forum kündigten zwei Besucher rechtliche Schritte an. „Ist schon reichlich komisch, sich als Opfer zu fühlen, aber als potenzieller Täter geführt zu werden“, beschrieb einer seinen Eindruck. Weiterlesen: So berichtet die Mitteldeutsche Zeitung 

Einsatzleiter der Polizei rechtfertigt Einsatz

Einsatzleiter Meyer äußerte Verständnis für die Reaktion unbeteiligter Gäste, doch er rechtfertigte den Einsatz: „Es ging darum, 40 bis 50 des Landfriedensbruchs stark verdächtige Personen zu finden, die sich eindeutig in dem Lokal aufhielten. Da ist ein solches Vorgehen rechtlich abgesichert“. Es sei nicht möglich, in einer solchen Situation einzelne Verdächtige aus einem gefüllten Lokal zu holen; die Eskalationsgefahr sei hoch. Beide Seiten bestätigen die aufgeheizte Stimmung, die mehrfach dicht vor einem Gewaltausbruch stand.

Das Verhältnis der gewaltbereiten und -tätigen Szenen aus Halle und Osnabrück ist mindestens seit 2013 belastet. Beim Spiel am 20. April 2013 war im Osnabrücker Block eine HFC-Fanfahne demonstrativ und unter Spottgesängen zerrissen. Nach dem Spiel griffen HFC-Chaoten VfL-Fans an, schossen mit Pyros und warfen mit Steinplatten. Gewalttätige aus der VfL-Chaoten-Szene randalierten später massiv am Hallenser Bahnhof.

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Während des Spiels war im HFC-Block ausgiebig Pyrotechnik gezündet worden. Die Chaoten zeigten zudem ein Transparent mit der Aufschrift „Gewalttäter Sport“. Das ist der offizielle Name der Datei, in der die Zentrale Informationsstelle Sport (ZIS) in Düsseldorf aktenkundige Gewalttäter aus der Fußballszene führt.