„Fühle mich rundum wohl“ VfL-Kapitän Savran: Ich bin positiv bekloppt…

Von Stefan Alberti | 14.02.2017, 20:30 Uhr

Mittelfußbruch im September, Knorpelschaden im Januar: Für Halil Savran ist die Saison beendet. Ein Gespräch mit dem Kapitän des VfL Osnabrück – nicht nur über seine Leidenszeit.

 Herr Savran, das 1:2 gegen Mainz wird nicht unbedingt zu Ihrem Heilungsprozess beigetragen haben, oder? 

(schmunzelt) Zum Spiel ist doch schon genug gesagt worden. Da möchte ich eigentlich gar nichts mehr sagen. Aber solange es Fußball gibt, wird es immer wieder solche Spiele geben.

 Die Frage ist zwar nicht unbedingt originell, aber bei Ihnen natürlich mehr als angebracht: Wie geht es Ihnen? 

Sie sehen ja, ohne Krücken geht es nicht. Das rechte Knie braucht nach der Operation sechs Wochen lang absolute Ruhe. Jetzt sind drei Wochen vorüber. In dieser Zeit ist alles normal verlaufen, die Schwellung im Knie ist gut zurückgegangen.

 Was ist eigentlich genau bei der OP gemacht worden? 

Vereinfacht erklärt: Der Knorpel, der sich im rechten Knie gelöst hat, wurde entfernt. Anschließend wurde der darunterliegende Knochen angebohrt, um das Wachstum neuer Zellen anzuregen. So besteht quasi die Möglichkeit, dass sich im Gelenk Ersatzknorpel bilden.

 Wie geht es nach der sechswöchigen Ruhephase weiter? 

Ich mache ja jetzt schon Bewegungstherapie für den Fuß. Nach sechs Wochen geht’s aufs Fahrrad, nach zwölf Wochen beginnt die weitere Aufbauarbeit.

 Und das alles in Berlin? 

So ist es. Hier kenne ich viele Experten aus meiner Zeit bei Union Berlin. Hier war ich auch schon nach meinem Mittelfußbruch gut aufgehoben.

 Nach dem Mittelfußbruch kamen Sie früher zurück als erwartet. Besteht jetzt auch ein Fünkchen Hoffnung, dass Sie noch vor dem Saisonende wieder auf dem Platz stehen könnten? Immerhin gelten Sie als Kämpfer und positiv Bekloppter… 

In diesem Fall kann ich aber leider nicht so bekloppt sein. Ich bin bei einem der besten Ärzte Deutschlands in Köln operiert worden. Er und die weiteren Spezialisten haben mir deutlich zu verstehen gegeben, dass es in dieser Saison mit dem Fußball nichts mehr wird.

 Nagt eine solche Diagnose an der psychischen Verfassung? 

Man kann jetzt einfach sagen: Das ist Berufsrisiko und fertig. Aber ich hatte in den ersten Tagen ganz schön daran zu knabbern. Es ist schon ein Scheißgefühl, die Jungs nur aus der Ferne beobachten zu dürfen. Aber gut, so ist es nun mal. Mir wird in den nächsten Wochen bestimmt nicht die Decke auf den Kopf fallen, wenn ich richtig in die Reha einsteige. Ich bin optimistisch, dass ich entsprechend gestärkt zurückkomme.

 Am liebsten in die 2. Bundesliga, oder? 

(lächelt) Abwarten. Die Jungs werden in jedem Fall alles geben.

 Immerhin haben Sie ja vor wenigen Tagen noch Ihren Vertrag mit dem VfL bis zum Sommer 2018 verlängert. Das Papier gilt für die 3. Liga und die 2. Bundesliga. 

Das ist so, ja. Solche Klauseln sind im Profigeschäft üblich. Wenn dann noch die erwähnte Variante eintritt, ist es umso schöner.

 Haben Sie schon vor Ihrer zweiten Verletzung mit dem VfL über die Vertragsverlängerung verhandelt? 

Ja, wir waren schon länger in Gesprächen. Ich fühle mich hier rundum wohl und freue mich darüber, dass der Verein ein solches Vertrauen zu mir hat. In meiner Situation ist das noch einmal ein Extraschub an Motivation.

 Wenn Ihr Vertrag 2018 ausläuft, sind Sie 33 Jahre alt. Das Karriere-Ende? 

Darüber mache ich mir derzeit überhaupt keine Gedanken. Wenn ich fit bin, kann ich auch noch in dem Alter weiterspielen. Und Sie haben doch vorhin selbst gesagt, dass ich ein positiv bekloppter Mensch bin…