Fehler bei Crowdfunding VfL Osnabrück: Die Rechenspiele zur Lizenz

Von Benjamin Kraus | 25.05.2014, 22:35 Uhr

Im Wettlauf gegen die Zeit im Kampf um die Drittliga-Lizenz biegt der VfL Osnabrück auf die Zielgerade ein: An diesem Montag um 12 Uhr endet die Zeichnungsfrist für das Crowdfunding. Damit alle relevanten Unterlagen einen Tag später um 15.30 Uhr beim DFB liegen, arbeitet VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend zeitgleich an vielen weiteren Fronten. Ein Faktencheck zur VfL-Lizenz.

Crowdfunding: „Transaktionsvolumen überschritten!“ Das ist nicht die gute Nachricht, dass Gönner und Fans schon weit mehr als die angepeilten 400000 Euro gezeichnet haben. Sondern eine Fehlermeldung, die ab und an bei der Überweisung größerer Summen auf das VfL-Treuhandkonto auftaucht. Dann hat die Hausbank der Gönner ein automatisches Limit gesetzt, die Zahlung wird nicht ausgeführt. „Daher ein dringlicher Appell an all unsere treuen Unterstützer, bei denen wir uns herzlich bedanken: Falls der Fehler auftaucht, bitte am Montagmorgen eine Standardüberweisung bei der Bank tätigen “, so Wehlend. Die Unwägbarkeiten seien der Grund, warum der VfL trotz des erreichten Zielbetrags die Zeichnung der Lizenz-Darlehn bis 12 Uhr weiterlaufen lässt. „So kompensieren wir potenzielle Ausfälle. Das Konto ist nicht gedeckelt, das Geld wird auf jeden Fall als Sicherheit für die Lizenzierung eingesetzt.“

Private Darlehn: „Um es deutlich zu sagen: Wer dem VfL in dieser Phase Geld entzieht, gefährdet die Lizenz und damit den Fortbestand des Vereins.“ Eine Ansage von Wehlend bezüglich eines langjährigen Kapitalgebers, der nun sein Geld zurückwill, obwohl dies bis zuletzt kaum jemand beim VfL für möglich gehalten hat. „Das muss man akzeptieren und respektieren“, sagt Wehlend, obwohl das die Liquidität, die er auftreiben muss, natürlich vergrößert. Wehlend: „Wir müssen konstatieren: Nach aktuellem Stand müssen wir durch den Wegfall einiger privater Darlehn und den noch nicht fixierten Trikotsponsor im Vergleich zum Vorjahr eine Million Euro auf anderen Wegen beim DFB nachweisen.“

Trikotsponsor: „Wir befinden uns mit fünf potenziellen Sponsoren in Gesprächen“, so der Hauptgeschäftsführer, der „keine definitive Zusage“ vermelden kann. Weil nicht klar ist, ob sich das bis Dienstag ändert, laufen parallel Gespräche: mit Partnern, die als Bürgen gleichwertige Sicherheiten oder Überbrückungsliquidität beim DFB hinterlegen könnten, bevor wir den Trikotvertrag abschließen und diese Partner ihr Geld zurück erhalten.

Das Fazit: Ist schwierig, weil Wehlend sich nicht komplett in die Karten schauen lässt – nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil er die bestmöglichen Vertragsabschlüsse für den VfL erzielen will. „Ein Beispiel: Würde ein potenzieller Trikotsponsor wissen, dass wir, sagen wir, noch 200000 Euro für die Lizenz brauchen, könnte er den Preis dafür auf jenen Betrag drücken. Wir wollen aber nicht unser Trikot verramschen“, erklärt Wehlend.

Mögliche Joker: Ein Weiterverkauf von Simon Zoller vom 1. FC Kaiserslautern an einen Bundesligaverein, an dem der VfL mit 10 Prozent der Ablösesumme partizipieren würde – was nach derzeitigen Schätzungen wohl über 200000 Euro bringen könnte. „Wir wissen, dass der Spieler den Wechsel anstrebt – und der 1. FCK auch, weil er das Geld für seine Lizenzierung braucht“, so Wehlend. Das Problem: Deadline für Liga zwei ist erst am 28. Mai – und damit für den VfL im Extremfall einen Tag zu spät, sodass dann auch hier eine Lösung nur per Zwischenfinanzierungs-Bürgschaft möglich wäre. Ein anderer Joker könnten Freundschaftsspiele gegen Schalke 04, Fortuna Düsseldorf, Hannover 96 und Borussia Dortmund sein, für die der VfL die Zusagen hat, wie Wehlend auf der Mitgliederversammlung sagte.

Die Prognose: Es wird genauso eng mit der Lizenz wie im letzten Jahr, und es bleibt bis zur letzten Minute spannend – schon allein aufgrund der Vielzahl der möglichen Wenn-dann-Optionen.