Ex-VfL-Stürmer sieht Zukunft in Osnabrück Menga: Das war ein großer Fehler in meinem Leben

Von Benjamin Kraus | 09.08.2017, 17:08 Uhr

Er freut sich auf heute Abend: Seine alten Kollegen auf dem Fußballfeld herauszufordern, ihnen wie den VfL-Fans zu zeigen, dass man ihn zu früh in die Regionalliga gehen ließ. Wer mit dem Neu-Rehdener Addy-Waku Menga spricht, spürt aber auch eine große Portion Wehmut beim 33-Jährigen.

„Wie mein Abgang beim VfL im Sommer gelaufen ist, hat mir wehgetan“, sagt Menga, als er seine zweite Ära in Osnabrück Revue passieren lässt: Mit dem großartigen Start, als er den Schwung als Regionalliga-Torschützenkönig aus Oldenburg mitnahm und bis zum Winter elfmal in der 3. Liga traf. Aber auch mit dem unbefriedigenden Ende, als er im dritten Jahr nur als Einwechselspieler zum Zug kam – auch dann, als es bei der Mannschaft nicht lief. „Ich hätte mir eine bessere Kommunikation gewünscht. Dass man mir meinetwegen auch ehrlich sagt, es reicht nicht mehr für mich. Statt dessen ist alles einfach so ausgelaufen. Und dann ist auch noch diese dumme Geschichte passiert“, sagt Menga.

Und meint seine Verwicklung in die versuchte Spielmanipulation gegen Paderborn vor dem letzten Spieltag, als er auf Drängen des Ex-Teamkollegen Tobias Willers bei Claas Bente angerufen hat: Physiotherapeut bei Werder Bremen II, damals SCP-Konkurrent im Abstiegskampf. Menga bleibt dabei: Er habe nie Geld für eine gute Leistung des VfL verlangt. „Aber da anzurufen war einer der größten Fehler in meinem Leben. Ich habe das alles nie ernst genommen – eine große Dummheit.“

 Sportrechtlich ist für Menga die Sache erledigt: Er hat vier Ligaspiele Sperre und 1500 Euro Strafe akzeptiert. „Ich will das hinter mir lassen, wieder einfach Fußballer sein“, sagt Menga. Dennoch ist da noch etwas, was dem 33-Jährigen wichtig ist. „Mir tut es richtig leid, dass der VfL auch wegen mir in Negativ-Schlagzeilen geraten ist. Mein Wunsch ist: zu einem Heimspiel ins Stadion zu gehen und vor der Ostkurve die Fans um Entschuldigung zu bitten – gern zusammen mit Marc Heider.“ Der VfL-Kicker hatte eine ähnliche Rolle wie Menga in dem Fall gespielt.

Osnabrück werde stets seine Heimat bleiben, sagt Menga, der mit Frau und Sohn (7 Jahre) weiter hier lebt und derzeit immer vormittags daran arbeitet, sein Abitur zu machen. Nachmittags geht es zum Training nach Rehden, wo Menga für zwei Jahre unterschrieben hat. „Ich bin sozusagen gerade in der 12. Klasse“, lacht der 33-Jährige, bevor er wieder ernst wird: „Man muss sich vorstellen: Ich bin mit 16 Jahren aus dem Kongo hierhergekommen. Osnabrück ist die Stadt, die mich empfangen und mir alle Chancen gegeben hat. Der VfL ist immer mein Verein, die Bremer Brücke mein Wohnzimmer, die Fans haben mich ja quasi mit großgezogen“, so Menga. Gäbe es nach seiner aktiven Zeit eine Aufgabe für ihn beim VfL, sei er bereit, sagt der 33-Jährige.

Jetzt geht es aber erst gegen Lila-Weiß. „Wir genießen das Spiel einfach“, sagt Menga. Seinem neuen Trainer Wolfgang Schütte und Vereinsboss Friedrich Schilling bescheinigt er, nach einer „vogelwilden letzten Saison“ „gute Fußballer, charakterlich einwandfreie Charaktere“ zusammengeholt zu haben. „Beim VfL ist der Saisonstart nicht so gelaufen, wie man sich das vorgestellt hatte. Sie haben Probleme – wir wollen von Beginn an Paroli bieten“, so Menga.