„Es kribbelt langsam wieder“ VfL-Torwarttrainer Meyer über Körber, Kühn und die Nummer drei im Kasten

Von Stefan Alberti | 16.06.2018, 09:00 Uhr

Er freut sich auf den neuen Kader, eine spannende Saison in der 3. Fußball-Liga – und natürlich auf die neuen Torhüter beim VfL Torwarttrainer Rolf Meyer ist seit Jahren dafür verantwortlich, dass der VfL zwischen den Pfosten meistens keine Probleme hat.

 Herr Meyer, freuen Sie sich schon auf die neue Saison? 

Aber sicher. Es kribbelt langsam wieder. Nach der vergangenen verkorksten Saison freue ich mich auf den neuen Kader.

 Offensichtlich kribbelt es ja auch wieder bei den Zuschauern, wenn mach sich den bislang gut verlaufenden Dauerkartenverkauf anschaut. 

Das hat mich überrascht. Ich denke, dass das auch ein Resultat der neuen Attraktivität der Liga ist. Dazu hoffe ich natürlich, dass die Fans neugierig auf die Mannschaft sind.

 Verbunden mit der Hoffnung, dass es in der neuen Saison besser läuft. 

(lacht) Besser muss es in jedem Fall laufen. Wenn es schlechter läuft, sind wir weg vom Fenster. Aber wir wollen hier jetzt nicht Schwarzmalerei betreiben. Freuen wir uns einfach auf eine spannende Saison.

 In dieser Woche wurden mit Nils Körber und Philipp Kühn zwei neue Torhüter verpflichtet. Inwieweit sind Sie als Torwarttrainer bei diesen Transfers eingebunden? 

Ich stelle den Erstkontakt her und klopfe in den Gesprächen mit den Spielern ab, ob Interesse an einem Wechsel besteht. Oft muss dann in der Folge mit den Beratern und den abgebenden Vereinen gesprochen und verhandelt werden, was aber nicht mehr zu meiner Baustelle gehört. Das ist dann der Job unseres Sportdirektors. Wir haben uns ja schon im März/April intensiv Gedanken gemacht, als sich abzeichnete, dass uns Marius Gersbeck verlassen wird. Aber solch eine Vorgehensweise war in den vergangenen Jahren meistens ähnlich. Man hat bestimmte Kandidaten im Visier, und dann nehmen die Dinge ihren Lauf.

 In den vergangenen Jahren wurde ja stets auf junge deutsche Torhüter gesetzt. 

Genau. Und diesen Weg wollen wir auch weitergehen. Für mich hat absolute Priorität, dass wir jungen deutschen Torhütern eine Chance geben, sich zu präsentieren – und sich dementsprechend durchzusetzen. Alles andere ergibt für mich keinen Sinn. Wir müssen gar nicht ins Ausland schauen, weil der deutsche Torwartmarkt einfach zu gut ist. Letztlich muss auch alles bezahlbar bleiben. Ob Riemann, Schwäbe, Heuer Fernandes oder Gersbeck: Sie waren alle sehr jung, als sie zu mir kamen – und sie haben sich prächtig entwickelt.

 Gerade zur Hertha-Torwartschule und dem dortigen Torwartcoach Zsolt Petry haben Sie ja offensichtlich einen engen Draht. 

Ich habe nicht nur zu Zsolt einen guten Draht. Zu vielen anderen Torhüter-Trainern in der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga besteht ebenfalls ein guter Kontakt. Zum Beispiel zu Frederik Gößling in Leipzig, Teddy de Beer in Dortmund, Uwe Kamps in Gladbach, Michael Rechner in Hoffenheim oder zu Klaus Thomforde, der die U21 trainiert.

 Schauen wir auf die neuen VfL-Torhüter. Was zeichnet Nils Körber aus? 

Nils hat mir sofort das Gefühl vermittelt, dass er Bock auf Osnabrück hat. Er hat eine gute Spieleröffnung, eine gute Torwartfigur. Er gehört in seinem Jahrgang zu den Besten. Er steht nicht umsonst im erweiterten Kader der U-21-Nationalmannschaft. Alle Basics sind also vorhanden, was er in der vergangenen Saison in Münster auch mehr als bewiesen hat. Warum er in der Rückrunde in Münster kaum mehr zum Einsatz kam, ist mir egal.

 Wie charakterisieren Sie Philipp Kühn? 

Er will sich in Osnabrück weiterentwickeln – und hat natürlich auch das Zeug zur Nummer eins. Wir haben mit ihm besprochen, dass er aktuell in der Herausforderer-Rolle ist. Dennoch werden beide die Vorbereitung als offenes Rennen angehen.

 Wie sieht der Plan hinsichtlich einer Nummer drei im Tor aus? 

Das soll nach unseren Planungen Laurenz Beckemeyer aus der A-Jugend sein. So wollen wir zumindest in die Vorbereitung starten. Als A-Jugendlicher hat Laurenz wenigstens regelmäßig Spielpraxis. Diese Konstellation ist besser als im vergangenen Jahr mit Leon Tigges, der leider zu wenig Praxis hatte.

 Was raten Sie Leon Tigges? 

Er hat natürlich extrem darunter gelitten, dass wir keine zweite Mannschaft mehr haben. Das war für seine Entwicklung Gift. Leon muss mehr spielen. Ich hoffe, dass er einen Regionalligisten oder ambitionierten Oberligisten findet. Dazu sollte er als junger Manndie weitere berufliche Perspektive nicht ganz aus den Augen verlieren.

 Lassen Sie uns abschließend noch kurz über Tim Paterok sprechen. 

Wir wollten ihn schon gerne behalten. Er hat bewiesen, dass er 3. Liga spielen kann. Aber leider hat es offensichtlich finanziell nicht mehr gepasst.