„Es fängt immer mehr an zu kribbeln“ VfL-Profi Merkens macht Fortschritte in der Reha

04.07.2014, 21:48 Uhr

Beim Testspiel des VfL Osnabrück in Lotte saß Tom Christian Merkens auf der Tribüne. Auch in Rödinghausen blieb ihm nur die Zuschauerrolle – zum Leidwesen des 24-Jährigen. „Es fängt immer mehr an zu kribbeln. Ich will zurück auf den Platz und den Ball am Fuß haben. Das macht deutlich mehr Spaß, als sich in der Reha zu quälen“, sagt der Mittelfeldspieler, der sich nach seiner schweren Sprunggelenksverletzung zurückkämpft.

Vor allem eine Frage beschäftigt Merkens: Wann’s denn endlich so weit ist, dass er wieder auf dem Platz steht, wollen Mitspieler und Trainer regelmäßig wissen. Und auch er selbst kann den Moment eigentlich nicht mehr abwarten. „Am liebsten so schnell wie möglich“, sagt er, schränkt aber gleich ein: „Ich muss gucken, wie es der Fuß zulässt. Es macht keinen Sinn, etwas zu überstürzen.“ Deshalb habe er sich für seine Rückkehr „kein fixes Datum gesetzt“.

Merkens musste in den vergangenen Monaten lernen, geduldig zu sein. Im Derby in Münster am 1. März hatte ihn Preußens Amaury Bischoff in der 83. Minute rüde umgegrätscht. Bänderriss, Kapselriss – ein Knorpel im rechten Sprunggelenk wurde bei der Operation in Augsburg ebenfalls geglättet. Neun Wochen lang trug Merkens tagsüber einen Spezialschuh und nachts eine Schiene. Fortbewegung war nur auf Krücken möglich. „Ich musste mich erst langsam wieder ans Gehen gewöhnen“, sagt Merkens.

Inzwischen läuft er wieder, 25 Minuten lang. Die Reha-Technik macht es möglich, dass das Sprunggelenk dabei nur mit einem Teil des Körpergewichts belastet wird. „Am Anfang bin ich bei 30 Prozent meines Gewichts nur gegangen. Jetzt laufe ich bei 80 Prozent“, freut sich Merkens. „Ich bin viel freier im Gelenk, die Beweglichkeit kommt zurück. Die Fortschritte sind deutlich.“

Oliver Schuppien, Fitness- und Athletiktrainer beim VfL, bestätigt den Aufwärtstrend: „Wir setzen gute Reize, und Tom steigert sich von Woche zu Woche.“ Außer der Beweglichkeit des Fußes steht auch die Stabilität des Gelenks im Fokus. „Dazu kommt die gesamte Kraft, die noch im Bein entwickelt werden muss“, sagt Schuppien. „Wir wollen sehen, dass wir den Übergang finden von den Reha-Übungen zum leistungsorientierten Training. Wir wollen vom Kraftraum hin zu den sportspezifischen Bewegungen, die auf dem Platz wichtig sind. Voraussetzung ist, dass der Fuß von Tag zu Tag besser wird.“ Merkens hat noch einiges an Arbeit vor sich.

„Natürlich hat man zwischendurch Phasen, wo es vom Kopf her nicht so läuft, wenn man sich in der Sommerpause jeden Tag in der Reha quälen muss“, gesteht Merkens ein, „aber das gehört dazu. Diese Phase habe ich ganz gut überstanden, und je näher der Tag kommt, an dem ich wieder auf dem Platz stehe, desto leichter fällt die Reha.“ Das ist nur ein Teil der Wahrheit, denn auch wenn Merkens in dieser Woche bei den Übungen wieder die ersten Ballkontakte gehabt hat, ist seine Geduld allmählich am Ende: „Nach vier Monaten ist es dann auch irgendwann gut“, sagt er.

Bis zu vier Stunden verbringt er täglich bei den Einheiten im „Centrumed“ und im „Medicos“. Auf dem Fahrrad trainiert er seine Ausdauer. „Ich habe auch schon Aquajogging gemacht, damit ich nicht bei null anfange, wenn ich wieder auf den Platz komme“, sagt Merkens. Am Ball bleiben, nicht gänzlich von vorne anfangen – das gilt auch für den Draht zur Mannschaft: „Ich sehe die Jungs jeden Tag bei den Kraft- und Athletikeinheiten oder gucke beim Training vorbei. In der Anfangsphase der Saison ist es wichtig, mit den vielen neuen Spielern in Kontakt zu kommen.“

Apropos Neustart: Die ersten Testeindrücke der noch jungen Saison seien nicht überzubewerten, sagt Merkens. „Die Jungs haben viele und harte Einheiten hinter sich. Die Mannschaft muss sich erst noch finden.“ Wann der 24-Jährige, der in der vergangenen Spielzeit den Sprung aus der Regionalliga in die 3. Liga geschafft und sich mit seinem Einsatzwillen einen Stammplatz auf der Sechserposition erkämpft hatte, wieder mitmischen wird, ist noch ungewiss. Ein Saisonziel hat Merkens für sich nicht formuliert: „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Erst mal will ich wieder fit werden, auf dem Platz stehen und Fußball spielen. Alles Weitere wird man dann sehen.“