Erster Sieg für Braunschweig Premiere von Youngster Otto wichtig für die Eintracht

Von Daniel Mau | 18.09.2018, 16:19 Uhr

Braunschweig Im ersten Moment wusste Yari Otto nicht, wie er seine Freude ausdrücken sollte, als er den Ball über die Linie bugsiert hatte. Mit einem ungläubigen Lächeln drehte er ab, fasste sich mit beiden Händen an den Kopf und schüttelte diesen, als könne er gar nicht wahrhaben, was da gerade passiert war.

Der 19-Jährige hatte Eintracht Braunschweig in der 81. Minute des Heimspiels gegen Jena in Führung geschossen und sein erstes Tor als Profi-Fußballer erzielt. Das war nicht überragend gemacht, eher abgezockt. Am Fünfer hatte Otto den Ball angenommen und mit der nächsten Bewegung abgeschlossen. „Der Ball kommt zu mir und dann drücke ich einfach ab“, erklärt der Angreifer. In der Nachspielzeit legte der Stürmer den Treffer nach zum 2:0-Endstand, nachdem er dank eines schönen Passes allein auf den Torwart zugelaufen war. „Wenn ich den nicht mache als Stürmer, dann kann ich mich als Innenverteidiger aufstellen“, sagte Otto.

Das war fast etwas zu viel der Bescheidenheit. Denn so einfach, wie es das Talent darstellte, waren die Treffer auch wieder nicht. Ottos erfahreneren Kollegen hatten sich in den vergangenen Spielen mit dem Toreschießen sehr schwergetan. So war er gegen Jena fast so etwas wie die letzte Hoffnung von Trainer Henrik Pedersen, als er in der 75. Minute eingewechselt wurde. In der Vorbereitung hatte der Stürmer seinen Torriecher mehrmals unter Beweis gestellt. Aber Test- und Punktspiele sind ja bekanntlich unterschiedliche Dinge. Otto musste sich wie viele andere Eintracht-Talente in den ersten Partien hinter den gestandenen Spielern anstellen und sich mit zwei Kurzeinsätzen begnügen. Aber weil der Eintracht in sechs Spielen kein Sieg gelungen war und gegen Jena die Fortsetzung dieser Serie drohte, setzte Pedersen dann doch auf den jungen Angreifer, dem er so etwas wie eine positive „Naivität“ bescheinigt. „Yari macht sich keine großen Gedanken, er gibt einfach Gas“, lobte der Trainer die Unbekümmertheit des Youngsters nach dem ersten Punktspielsieg der Eintracht seit dem 18. März.

Wodurch Otto zum Hoffnungsträger eines Vereins gereift ist, der sich nach dem Zweitliga-Abstieg als Tabellenvorletzter erneut in einer bedrohlichen Lage befindet. Doch Pedersen glaubt fest daran, dass der Angreifer trotz dieser Erwartungen seine „Lockerheit“ behalten wird.

Mit dieser punktet Otto, seitdem er mit seinem Zwillingsbruder, Innenverteidiger Nick, im Sommer vom VfL Wolfsburg nach Braunschweig gewechselt ist. Beim Bundesligisten hatte man ihnen nicht die gewünschte Perspektive aufgezeigt. Deshalb verließen sie den Klub, dessen Trikot sie in der Jugend sieben Jahre trugen und bei dem schon ihr Vater Uwe in den 80er zu Oberliga-Zeiten eine Stammkraft war.

Und obwohl sie Kinder des VfL-Nachwuchsleistungszentrum sind, dessen Absolventen sich meistens stromlinienförmig verhalten, plappern die Brüder gerne auch mal munter drauflos. Zum Beispiel, wenn es um die erste eigene Wohnung geht, die sie nach ihrem Wechsel in Braunschweig gemeinsam bezogen haben. „Da gibt es so viel zu tun“, stöhnte Yari in der Vorbereitung über die vielen neuen Aufgaben in den eigenen vier Wänden. Inzwischen läuft der Haushalt der Ottos aber, und Yaris sportliche Karriere hat nun auch Fahrt aufgenommen.