„Er beleidigte meine Familie“ Wie Menga: Duisburger Onuegbu wirft Erdmann Rassismus vor

Von Harald Pistorius | 24.10.2016, 20:30 Uhr

Vor eineinhalb Jahren warf Addy Menga seinem damals für Dynamo Dresden spielenden Berufskollegen Dennis Erdmann rassistische Beleidigungen vor. Der Fall verlief im Nichts, Dynamo und der DFB reagierten nicht. Nun beklagt sich ein weiterer farbiger Fußballer über Erdmann.

Der Duisburger Kingsley Onuegbu war nach dem Spiel gegen Hansa Rostock (0:1) kaum zu beruhigen. Der Stürmer wartete im Kabinengang auf den Rostocker Verteidiger Dennis Erdmann. „Ich bemühe mich, ruhig zu bleiben. Aber wenn einer meine Familie beleidigt, geht das zu weit“, sagte Onuegbu und berichtete davon, dass Erdmann schon während der Partie mehrere MSV-Spieler und eben auch Onuegbu übel beleidigt und provoziert habe.

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Nach dem Spiel habe dann Erdmann nachgelegt: „Er beleidigte meine Familie! „Ich bin ein Familienmensch und so einen Scheiß akzeptiere ich einfach nicht. Da werde ich richtig wütend – und dann kann es gefährlich werden. Erdmann hat Glück, dass mich sein Trainer zur Seite genommen hat und sich für seinen eigenen Spieler entschuldigt hat.“ (Quelle: rp-online.de)

Auch andere MSV-Profis wollten dem in der Branche für seine Provokationen längst bekannten Erdmann die Meinung sagen, doch der Defensivspieler wurde durch die Hintertür in die Kabine gebracht, so dass es keinen Kontakt mehr gab.

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Ausdrücklich erwähnten die Duisburger Verantwortlichen das Verhalten des Rostocker Trainers als vorbildlich. Christian Brand (1993/94 Profi beim VfL Osnabrück) entschuldigte sich für die Vorfälle und betonte: „Unabhängig davon, was genau vorgefallen ist – für mich geht es nicht nur um Fußball. Für mich geht es viel mehr darum, eine Mannschaft zu trainieren, die Haltung zeigt. Die sowohl im Triumph, als auch in der Niederlage Größe zeigt. Wir haben das Privileg, einen fantastischen Beruf ausüben zu dürfen. Deshalb finde ich die Dinge, die nach dem Abpfiff vorgefallen sind, einfach blöd.“ (Quelle: der westen.de)

Anders als Onuegbu hatte es Addy Menga im Dezember 2014 für sich behalten, dass ihn der damals bei Dynamo Dresden aktive Erdmann im Spiel rassistisch beleidigt hatte. „Es war sicherlich ein Fehler, dass ich das damals nicht gleich öffentlich gemacht habe. Aber das wäre nach dem Spiel vielleicht als eine Art billige Rache angesehen worden.“ In der Partie war der VfL in mehreren Szenen durch Entscheidungen von Schiedsrichter Christian Dietz benachteiligt worden und hatte 1:2 verloren.

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Auf dem Platz hatte Menga – ganz so, wie es der DFB vorgibt – den Schiedsrichter auf die Ausfälle von Erdmann aufmerksam gemacht. Davon wollte Dietz später nichts mehr wissen; stattdessen teilte der DFB mit: „Herr Dietz hat keinen solchen Vorfall und auch keine entsprechende Meldung des Spielers Menga wahrgenommen.“ Und ohne Eintrag in den Spielbericht könne der Verband keine Ermittlungen aufnehmen.

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Dynamo Dresden und der Spieler Erdmann reagierten damals nicht auf die Anfrage der NOZ-Sportredaktion, die um Stellungnahmen gebeten hatte. In Osnabrück wurden die Bemühungen um eine Verpflichtung von Erdmann eingestellt, als Menga öffentlich von dessen Ausfällen berichtete.

Diesmal reagierte Erdmann übrigens: In einem Instagram-Post kündigte er nicht nur an, den Hansa-Sieg in Duisburg erstmal mit 40 Bier feiern zu wollen, sondern beleidigte die MSV-Profis als „arrogante Ruhrpott-Kicker“. Gegenüber der „Bild“-Zeitung nannte er die Vorwürfe „Schwachsinn“ und sagte: „Ich bin 95 Minuten gerannt, da hatte ich keine Luft, jemanden zu beleidigen. Aber ich bin es gewohnt, dass sich der Gegner nach Niederlagen auf mich einschießt.“