Ein denkwürdiger Sieg VfL Osnabrück gewinnt 3:2 gegen RB Leipzig

21.09.2013, 01:07 Uhr

ab/bekr/hp Osnabrück. Was für ein Spiel, was für ein Sieg – und was für eine Mannschaft! Der neue VfL Osnabrück hat in einem mitreißenden, hochklassigen Spiel gegen den Aufstiegsfavoriten RB Leipzig mehr erreicht als das wertvolle 3:2. Das Team von Trainer Maik Walpurgis zeigte sich und seinem Publikum, welche Möglichkeiten in ihm stecken – mit Mut, Hingabe und Teamgeist.

Es gab kein Abtasten, kein Quergeschiebe im Mittelfeld, keine Angst vor dem Angriff: Von Beginn an inszenierten Tradition und Moderne einen beidseitigen Angriffswirbel, der immer zeitgemäß bleiben wird. Steilpässe, direkte Kombinationen, Zug zum Tor, und das alles im höchsten Tempo – Leipzig zeigte seine Klasse, doch der VfL hielt dagegen.

Und hatte die erste Chance, als Nagy einen Freistoß raffiniert von rechts ins kurze Eck drehte, aber in Coltorti seinen Meister fand (7.). Im Gegenzug verzog Morys (8.) aus Abseitsposition, dann überrumpelte Heidinger die VfL-Abwehr nach abgewehrtem Freistoß mit einem Schuss aus spitzem Winkel (12.) – 0:1. Acht Minuten später erzwang der unbeeindruckte VfL schon den Ausgleich – vom Glück begünstigt, aber nach einem sehenswerten Angriff über links.

Grimaldi und Spann bedrängten nämlich die Leipziger Abwehr, der Ball sprang von Spann an Jungs Bein – und von dort als Kullerball vorbei am gerade herauslaufenden Coltorti (20.).

Und der VfL hätte nachlegen können – nein, müssen: Denn die Chance, die sich Grimaldi in der 27. Minute nach einem Pass von Feldhahn bot, war zu groß. Er steuerte allein auf den Torwart zu, schräg dahinter lief Spann mit – ein Pass in den Lauf, und der Kapitän hätte den Ball ins leere Tor schieben können. Doch Grimaldi schoss, Coltorti wehrte ab.

Es blieb atemberaubend, nun war Leipzig am Zug, kam mit Doppelpässen mehrfach in den Rücken der Viererkette. Zweimal hatte der flinke Poulsen dabei seine Klasse gezeigt, dann traf er mit einem Heber nach Doppelpass mit Röttger (32.). Es ging weiter in einem intensiven, sehenswerten Spiel. Pause? Die gab’s erst nach 45 Minuten.

Der offene Schlagabtausch ging weiter, Tempofußball mit hoher Zweikampfdichte, blitzschnelles Umschalten und beständiger Kampf um den zweiten Ball. Und auch um die Bälle, die so gut wie verloren waren: Beherzt setzte Grimaldi gegen Heidinger nach, der einen Ball ins Aus laufen lassen wollte. Der Osnabrücker eroberte ihn, verlor ihn um ein Haar, erst gegen Coltorti, dann gegen Jung – und als der Fünf-Meter-Raum voller Leipziger, Coltorti wieder im Tor und die Chance fast weg war, da schaufelte Grimaldi den Ball ganz cool in den Winkel (53.).

Die Fehlerquote stieg, es wurde hektischer – aber Tempo und Siegeswillen ließen nicht nach. Die größeren Chancen hatte der VfL – Prokophs Kopfball (77.) ging knapp vorbei, Grimaldis Vorlage auf Nagy (79.) war etwas zu weit. Die Leipziger standen unter Druck, dachten aber nicht daran, den Punkt zu sichern.

Typisch dann das 3:2 – typisch für das Spiel, typisch für den VfL. Heuer Fernandes hatte eine Flanke abgefangen, hätte das Spiel beruhigen können. Doch er zögerte keine Sekunde, hielt Ausschau und schlug einen scharfen, halbhohen Ball bis tief in die Leipziger Hälfte. Prokoph setzte der Vorlage nach, energisch, spritzig, und bedrängte Hoheneder, dessen Rückpass zu schwach war: So kam Prokoph zu einem Traumeinstand.

Und der VfL zu einem der schönsten Siege der letzten Jahre, reif für das Geschichtsbuch. Diese Mannschaft hat jede Unterstützung verdient, und jeder, der sich gestern an ihr berauschte, sollte bereit sein, diesem Team zu helfen, wenn es Hilfe ganz besonders braucht. Weil es eben nicht in jedem Spiel so läuft wie an diesem denkwürdigen Abend.

 Hier gibt es den Liveticker zum Nachlesen 

VfL Osnabrück - RB Leipzig 3:2 (1:2)

VfL Osnabrück: Heuer Fernandes – Pisot, Stadel, Karikari, Dercho – Zenga (90.+2 Testroet), Feldhahn – Nagy (86. Ornatelli), Hohnstedt – Spann (72. Prokoph), Grimaldi.

Auf der VfL-Bank: 28 Lehmann (Tor), 11 Blum, 22 Thiel, 30 Wegner. – Es fehlten: Neumann, Thomik, Kunert, Pauli (verletzt oder im Aufbau). – Nicht im Aufgebot: Iljutcenko, Kunstmann, Merkens, Nieweler, Zumbeel.

RB Leipzig: Coltorti – Heidinger, Hoheneder, Sebastian, Jung – Röttger (60. Schulz), Ernst (83. Thomalla), Kaiser – Morys (77. Kammlott), Frahn, Poulsen

Tore: 0:1 Heidinger (12.), 1:1 Jung (20., Eigentor), 1:2 Poulsen (32.), 2:2 Grimaldi (54.), 3:2 Prokoph (82.).

Gelb: 70. Pisot/15. Heidinger, 41. Morys, 67. Ernst

Zuschauer: 8974 – 150 Leipziger

Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart) nicht immer auf Ballhöhe – aber das war gestern auch schwer.

Die nächsten Spiele: Mittwoch (25. September, 20.30 Uhr), DFB-Pokal, 2. Hauptrunde, gegen Union Berlin. - Am Samstag (28. September, 14 Uhr) Ligaspiel bei RW Erfurt. - Am 2. Oktober (18.30 Uhr) gegen Münster.

Das war gut – das war schlecht

+ Gegen ein spiel- und kampfstarkes Topteam steigerte sich der VfL zur besten Saisonleistung.

+ Der VfL wich keinen Millimeter von seiner offensiven Grundeinstellung ab.

+ In der zweiten Halbzeit war die Abwehr gefestigt, ließ kaum noch Chancen zu.

- Abwehrschwächen in der ersten Hälfte und ein paar ausgelassene Chancen - alles andere wäre Nörgelei.