DFB-Urteil: Pokal-Aus für VfL VfL Osnabrück akzeptiert Urteil „im Sinne der Fairness“

14.08.2015, 21:51 Uhr

Leicht fiel es ihnen nicht. Um diese Erkenntnis aus den Gesten und Gesichtern der Protagonisten der Pressekonferenz beim VfL Osnabrück zu ziehen, musste man kein geschulter Psychologe sein. Nur wenige Stunden nach der Verkündung des DFB-Urteils nahm es der Fußball-Drittligist an. Die am Montag abgebrochene Partie im DFB-Pokal wird nun mit 2:0 für RB Leipzig gewertet.

Als das letzte Interview geführt war, blies VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend die Backen einmal ganz groß auf, pustete durch und richtete Hemd und Gürtel. Geschafft. Zumindest diesen Tag. Zumindest was die Nachwehen dieses Feuerzeugwurfs betraf. Am Abend spielte ja noch die Mannschaft. Und in dieser Situation muss man sagen: Gott sei Dank weit weg in Aalen. 

In Osnabrück waren Wehlend und Präsident Hermann Queckenstedt indes damit beschäftigt, die Scherben zusammenzukehren, die der Werfer dieses roten Feuerzeuges verursacht hat. Am Kopf hatte er Schiedsrichter Martin Petersen getroffen, der daraufhin das Spiel abbrach.

Der Werfer stand in der Ostkurve. Ob er deshalb auch ein Fan des VfL war, ist nicht bekannt. Der Osnabrücker Club hatte in seiner Stellungnahme an den DFB daher darauf plädiert, dass keiner der Vereine schuld am Spielabbruch sei. Weil die Identität des Täters noch nicht ermittelt ist. Doch für den DFB gilt die Vermutung, dass der Werfer Fan der Lila-Weißen ist, wie Queckenstedt erklärt. Und deshalb muss der Verein auch die Verantwortung für ihn übernehmen. Wie Eltern für ein ungezogenes Kind haftet der Verein nun für den Chaoten. So ist es in der Rechts- und Verfahrensordnung des Deutschen Fußball-Bundes festgelegt.

 Weiterlesen: Die Pressekonferenz im Liveticker 

„RuVO“ kürzt Wehlend sie ab. Nach ihr haben Kontrollausschuss und Sportgericht geurteilt. „Das Verschulden der Zuschauer ist dem Verein zuzurechnen“, steht darin. Ob das fair ist oder nicht, spielt leider keine Rolle. Und so begründete Hans E. Lorenz, Vorsitzender des Sportgerichtes: „Die Spielumwertung ist in Paragraf 18, Nummer 4 als Rechtsfolge alternativlos vorgeschrieben. Ein Wiederholungsspiel oder ein Nachspielen der letzten 20 Minuten ist daher nicht möglich.“

Dass RB Leipzig eine Wiederholung anbot, wertete er als „faire Geste“. Man könne ihr nicht nachkommen, da der Wettbewerb nicht vom Goodwill einzelner Vereine abhängig sein könne. In Osnabrück hatte man das schon vermutet und in Leipzig sicher auch gewusst, bevor man das Angebot gezielt in den Medien platzierte.

Der VfL handelte am Freitag ebenfalls schnell. 24 Stunden hätte er Zeit gehabt, ehe er sich zu dem Urteil hätte äußern müssen. Bewusst beriet man sich schneller und entschied, „im Sinne des Fußballs“ das Urteil zu akzeptieren, wie Wehlend erklärte: „Weil es 31 unbeteiligte Vereine gibt.“ Sie lagen gemeinsam mit RB Leipzig Freitagabend im Lostopf für die Ziehung der zweiten Runde, der der VfL schon so nah gewesen war.

 Zwanzig Minuten vor dem Ende hatte er 1:0 geführt. Hätte er die nächste Runde erreicht, hätte er 268000 Euro sichere Einnahmen gehabt. Nach einem Sieg gegen RB wäre zudem die ein oder andere Dauerkarte noch weggegangen. Und wer weiß, wie weit der VfL noch gekommen wäre. Man darf gar nicht darüber nachdenken.

Der Werfer soll regresspflichtig gemacht werden, wenn er denn gefasst wird. Der VfL hofft da weiter auf die Mitarbeit der Fans, der „echten Fans“, wie Queckenstedt betonte. „Gegenstände zu werfen ist kein Kavaliersdelikt“, fügte er an. Es gehe daher auch darum, im Block Zivilcourage zu zeigen. Auch damit so etwas nicht noch einmal vorkommt. Symptomatisch, betonte er aber, seien die Ereignisse vom Montag nicht für die Stimmung an der Bremer Brücke.

Dennoch: Einige hatten Becher geworfen, einer dieses vermaledeite rote Feuerzeug. Ob das Fangnetz, das beim Torjubel fiel, es abgehalten hätte? Vielleicht. Doch eine Verletzung der Sicherungspflicht sieht Wehlend nicht. Zumal das Netz die Zuschauer schützen soll, nicht umgekehrt. Genau werden diese und andere Fragen in den nächsten Wochen geklärt.

Der DFB koppelte das sportstrafrechtliche Verfahren vom Urteil über die Spielwertung ab – auch, um den Prozess zu beschleunigen. Es blieb der Eindruck, die Pokal-Auslosung sollte unbedingt durchgeführt werden.

Sie konnte es, weil der VfL sich „im Sinne der Fairness“ entschied, wie Wehlend betonte. Wenn es um die Bestrafung geht, wird er wohl mehr kämpfen – zwischen Geldstrafe und Geisterspiel ist vieles möglich. Vielleicht wackelt auch die Bewährung aus dem Münsterspiel. Dann gäbe es einen Teilausschluss der Fans.

Bis dahin hofft der VfL auch, den Täter gefunden zu haben. 5000 Euro Belohnung hat er ausgesetzt für Hinweise, die zu dessen Identifizierung führen. Sollte er kein VfL-Fan sein, würde der Verein für einen Chaoten büßen, der einfach nicht weiß, wie man sich in der Öffentlichkeit benimmt. Besser macht es das auch nicht.