Der Coach bleibt VfL-Trainer Enochs: Es ist nicht meine Art aufzugeben

Von Stefan Alberti und Johannes Kapitza | 01.10.2017, 23:55 Uhr

Der Tag nach der blamablen 1:4-Derbypleite des VfL Osnabrück bei Preußen Münster: Gespräche, Gespräche, Gespräche – und am Sonntagabend teilte VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend mit, dass Joe Enochs auch am Dienstag das Team beim Niedersachsenpokal-Spiel in Göttingen coachen werde.

 Wie verlief der Tag nach dem Derby? Nur der Regen aus Münster fehlte zur Tristesse auf der Osnabrücker Illoshöhe. Freundlich grüßend, aber mit hängenden Köpfen kamen die VfL-Profis am frühen Sonntagmorgen zur Regeneration auf das Trainingsgelände. Im Mittelpunkt der folgenden Stunden stand jedoch die Diskussion über die Zukunft: Spieler, Trainer und die VfL-Verantwortlichen Jürgen Wehlend (Geschäftsführer), Vizepräsident Uwe Brunn und Lothar Gans als Leiter Profifußball.

In der Drittklassigkeit – sei es in der Regionalliga oder der 3. Liga – ist der VfL noch nie so schlecht gestartet wie in diese Saison. Schlechter standen die Lila-Weißen zuletzt nur in den beiden Zweitliga-Spielzeiten 2000/2001 und 1988/89 da, als es zum Auftakt zwei Siege, drei Unentschieden und sechs Niederlagen gegeben hatte.

 Bleibt Joe Enochs Trainer des VfL? Ja. Das teilte Wehlend am Sonntagabend mit. „Für Dienstag ist das die beste Option.“ Der Fokus müsse nun erst einmal auf das Pokalspiel bei der Spielvereinigung Göttingen liegen.

Gans, der vor mehr als einem Jahr seine berufliche Zukunft beim VfL mit der von Enochs verknüpft hatte (er wolle mit keinem anderen Trainer mehr zusammenarbeiten), war am Sonntag weder auf telefonische noch auf schriftliche Nachfrage zu erreichen.

 Warum steht der VfL zum Trainer? „Der Trainer glaubt an sich, das Team glaubt an sich, und das Team glaubt an den Trainer“, führte der VfL-Geschäftsführer weiter aus. Aber: „Das heißt nicht, dass es keine personellen Veränderungen geben wird.“ Nach Angaben von Wehlend wurde am Sonntag die Situation intensiv mit der Mannschaft und der sportlichen Leitung diskutiert und analysiert. „Das Team hat in Münster eine desaströse Vorstellung abgeliefert. Eine ganz bittere Niederlage. Die Mannschaft hat sich teilweise vorführen lassen. Insofern wird diese Niederlage auch Konsequenzen haben.“

Was aber eben nicht heiße, dass sich der VfL mit sofortiger Wirkung von Enochs trennen werde. „Es gibt keine Tabus. Und wir treffen keine Entscheidungen aufgrund des öffentlichen Drucks.“ Nun sei die Mannschaft in der Pflicht, „die sich ausdrücklich zum Trainerteam bekennt“.

 Was sagt der Trainer? Enochs denkt nicht an Rücktritt. „Es ist nicht meine Art aufzugeben“, sagte der Coach nur wenige Stunden nach der 1:4-Derbypleite. „Die Leistung gibt mir zu denken. Vielleicht haben wir in der Trainingsarbeit nicht die richtigen Ansätze gefunden.“ Ansonsten zweifelt er jedoch nicht daran, dass die Mannschaft unter seiner Regie auch wieder den Weg aus dem Tabellenkeller findet.

 Wie ist die Position der Mannschaft? Pro Enochs. „Wenn man den Trainer kennt und weiß, wie er den Fußball und den VfL lebt, ist es müßig, über den Trainer zu diskutieren“, sagte Tim Danneberg.

„Er ist ein Trainer, der für den Verein und die Mannschaft alles gibt, von morgens um sieben bis in die Nacht hinein. Er ist ein Trainer, den jeder Verein sucht, der mit Herzblut dahintersteht“, sagte Kapitän Halil Savran und betonte: „Es spielt keiner gegen den Trainer. Wir als Mannschaft stehen geschlossen hinter dem Trainerteam.“ Der 32-Jährige kam allerdings angesichts der Kräfteverhältnisse im Derby nicht umhin, von einem „hochgradig peinlichen“ Ergebnis zu sprechen: „Das ist dieses Vereins nicht würdig.“

„Das ist zurzeit alles viel zu wenig und planlos, was wir machen“, sagte Marcos Álvarez, bezog die Kritik aber ausdrücklich nicht auf Enochs: „Wenn der Trainer Druck hat, hat er das noch nie auf die Mannschaft reflektiert. Er hat uns immer aufgebaut, motiviert, und wir haben vor dem Spiel immer einen Plan. Aber wenn du immer in den ersten fünf Minuten ein Gegentor bekommst, wird es schwer, diesen Matchplan zu verfolgen.“

 Wie soll das Team in die Spur kommen? Das ist die große Frage dieser Tage. Selbst erfahrene Führungsspieler wie Savran sind ratlos, wenn sie die Leistung und die Fehler in Münster erklären sollen. „Wir brauchen Erfolgserlebnisse“, brachte es Danneberg auf den Punkt.

Am Dienstag (16 Uhr) geht es im Viertelfinale des Niedersachsenpokals zur Spielvereinigung Göttingen. Der Oberligist feierte am Samstag mit dem 1:0 im Kellerduell gegen Lupo Martini Wolfsburg seinen zweiten Saisonsieg, steht aber immer noch auf einem Abstiegsplatz. „Fußball besteht daraus, Druck zu haben. Trotzdem müssen wir am Dienstag unseren Mann stehen und in die nächste Runde kommen“, sagte Savran: Einen Auftritt wie in Münster „können wir uns am Dienstag nicht leisten“.