Bei Aufstieg Vertrag bis 2018 Ex-Trainer Walpurgis verdient am VfL-Erfolg mit

Von Harald Pistorius | 27.09.2016, 22:39 Uhr

177 Tage lagen zwischen der Vertragsverlängerung und der Beurlaubung – 177 Tage, in denen aus dem Wunschtrainer Maik Walpurgis ein unerwünschter Chefcoach wurde. Noch immer steht der 42-Jährige Fußballlehrer auf der Gehaltsliste des VfL

Walpurgis erhält monatlich sein Grundgehalt, das nach unbestätigten Informationen bei etwa 10000 Euro brutto liegt. Dazu kommen die Erfolgsprämien, die pro Punkt gezahlt werden, den der VfL holt. Auch den vertraglich zugesicherten Dienstwagen nutzt der Fußballlehrer weiter – dies alles ist sein gutes Recht und wird so fortgesetzt bis zum 30. Juni 2017, dem Ende des Vertrages.

Bei Aufstieg Vertragsverlängerung bis 2018

Es gibt eine weitere Klausel: Sollte der VfL die Saison 2016/17 mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga abschließen, verlängert sich der Vertrag von Walpurgis bis zum 30. Juni 2018 – dann mit spürbar erhöhten Bezügen und Prämien, die im Vertrag festgeschrieben sind. (Zurückgeblättert: VfL verlängert den Vertrag mit dem Trainerteam )

Bisher hat der VfL seit der Trennung nach vorsichtiger Schätzung – die Höhe der Punktprämie ist nicht bekannt, der Dienstwagen nicht eingerechnet – 150000 Euro an Walpurgis gezahlt. Bis Saisonende könnte dieser Betrag auf 250000 Euro steigen. Der Zweitligavertrag könnte alles in allem auf weitere 300000 Euro hinauslaufen. Das alles gilt auch für den Co-Trainer Ovid Hajou, allerdings auf der Basis deutlich niedrigerer Bezüge.

Kein Vertrag bei Frankfurt

Es sei denn, Walpurgis findet vorher einen neuen Verein. Dann ist eine Vertragsauflösung, die bisher trotz mehrerer Anläufe des VfL nicht gelang, erforderlich. Als möglicher Kandidat wurde Walpurgis in den letzten Monaten mehrfach bei verschiedenen Clubs gehandelt. Im Fall von Holstein Kiel, Hallescher FC, 1. FC Saarbrücken und Energie Cottbus steckte dahinter wohl nicht mehr als die branchenüblichen Spekulationen. Durchaus vorhanden war Interesse bei Zweitligist Arminia Bielefeld und Regionalligist Alemannia Aachen. Am konkretesten war die Verbindung zum FSV Frankfurt, dessen Sportlicher Leiter Rioland Benschneider den ihm aus Bielefeld bekannten Walpurgis für den Neuanfang nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga ausgewählt. Als Frankfurter Medien schon über die als sicher geltende Verpflichtung berichteten, machte offenbar Walpurgis einen Rückzieher. (Weiterlesen: Kommentar zur Entlassung von Walpurgis )

Funkstille zwischen den Beteiligten

„Wir werden ihm keinen Stein in den Weg legen, wenn er einen neuen Verein gefunden hat“, betont Wehlend, stellt aber auch klar: „Eine Abfindung für eine Vertragssauflösung werden wir auf keinen Fall zahlen.“ Direkte Kontakte zwischen den Parteien gibt es seit Monaten nicht – sieht man einmal davon ab, dass Walpurgis während des jüngsten VfL-Trainingslagers im türkischen Belek in einem benachbarten Hotel Urlaub machte.

Die Anwälte haben das Wort

Persönliche Kontakte zwischen den Parteien gibt es seit Monaten nicht, längst haben die Anwälte das Wort; den VfL vertritt Joachim Schulte aus Paderborn, um die Interessen von Walpurgis kümmert sich der ehemalige Fußballer und heutige Rechtsanwalt Sascha Brinker, früher unter dem Trainer Walpurgis bei den Sportfreunden Lotte aktiv und schon während der Vertragsverhandlungen Anfang 2015 dabei.

Das ist im Profifußball bis in die 3. Liga nicht unüblich, längst lassen sich Trainer von Beratern und Anwälten vertreten. Eher selten ist allerdings, dass es nach über einem Jahr noch nicht zu einer Vertragsauflösung gekommen ist. Fragen zu seiner Situation und seinen Plänen beantwortete Walpurgis nicht, sein Anwalt war telefonisch nicht erreichbar.

Auch beim VfL gab man sich eher zugeknöpft, was – vermutlich ebenso wie bei Walpurgis – an der arbeitsrechtlichen Dimension liegt. Dazu ist den Lila-Weißen das Thema unangenehm, denn in Fankreisen wird die Vertragsverlängerung mit Walpurgis immer wieder mal kritisiert, vor allem vor dem finanziellen Hintergrund. (Zurückgeblättert: VfL beurlaubt Maik Walpurgis )

Vertragsverlängerung im Februar 2015

Am 27. Februar 2015 lächelten noch alle in die Kamera: Nach fünf Niederlagen in Folge verkündete der VfL demonstrativ die Verlängerung des Vertrags mit Walpurgis. Man wollte ein Zeichen der Kontinuität setzen, wie Vizepräsident Uwe Brunn betonte: „Wir lassen uns nicht von kurzfristig negativen Ergebnissen irritieren, weil wir von diesem Trainierteam total überzeugt sind“. Auch Geschäftsführer Jürgen Wehlend, der die Verträge ausgehandelt hatte, war zufrieden.

Heute sagt der Manager: „Damals war die Vertragsverlängerung alternativlos, heute muss man sagen: Es war ein Fehler. Die gewünschten Effekte sind nicht eingetreten.“ Erhofft hatten sich die Verantwortlichen die Rückkehr zur Form der Vorrunde, als der VfL phasenweise wie ein Aufstiegsanwärter auftrat und der junge, aufstrebende Trainer offenbar das Interesse anderer Vereine geweckt hatte.

Doch die Mannschaft fand nicht mehr in die Spur zurück, beendete die Saison mit der schlechtesten Platzierung der letzten Jahre. Als der Start in die neue Saison missglückte, zogen die Verantwortlichen die Reißlinie und beriefen Joe Enochs erst zum Interims- und ein paar Wochen später zum Chefcoach. (Weiterlesen: VfL Osnabrück macht Enochs zum Cheftrainer )