3. Liga: Vor dem Duell in Rostock VfL Osnabrück: Nackenschlag schon vor dem Krisengipfel

Von Benjamin Kraus | 19.10.2017, 22:00 Uhr

Es ist der Klassiker: Man steckt schon richtig tief im Schlamassel – dann kommt der nächste Keulenschlag obendrauf. So kann man die neuerliche Knieverletzung von Halil Savran vor dem Auswärtsspiel des VfL Osnabrück heute beim FC Hansa Rostock (19 Uhr, Ostseestadion) einordnen.

 Was ist mit Halil Savran? Im Training am Donnerstag ging Savran beim Versuch eines Richtungswechsels plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden. Der 32-Jährige humpelte vom Platz – und später auf Gehstützen nach Hause. Betroffen ist das Knie – aber nicht jenes, wegen dem er im Frühjahr wegen eines Knorpelschadens ausgefallen war. „Am Freitag gibt es eine MRT-Untersuchung. Wir befürchten aber schon, dass er länger ausfällt als nur in Rostock“, sagt Daniel Thioune ( hier weitere Infos zur Savran-Verletzung im Training).

 Wie reagierte der Trainer? Zunächst, indem er den beim Abschlusstraining bemerkenswert treffsicheren und auch im letzten Jahr beim 2:1-Sieg in Rostock starken Robbie Kristo für Savran in den Kader berief – dazu ist Jules Reimerink wieder mit dabei. „Halils Ausfall wirft unseren Plan um. Wer vorn spielt und ob wir auf den Flügeln mit den richtigen Füßen zum Flanken oder den falschen Füßen zum Reindribbeln spielen: diese Fragen stellen sich komplett neu“, so Thioune, der mit Co-Trainer Merlin Polzin in einer langen Nacht im Hotel die Köpfe zusammenstecken wird. Klar sei nur: „Wir werden kompakter gegen den Ball agieren als gegen Magdeburg.“

 Was ist los bei Hansa? Wie der VfL sucht der Verein einen Sportdirektor. Der im Dezember auslaufende Vertrag mit René Schneider, bisher Sportlicher Leiter, wird nicht verlängert, teilte der Klub jüngst mit. Schneider verabschiedete sich daraufhin in den Urlaub und sagte: „Ich gehe nicht davon aus, dass ich noch mal an meinen Arbeitsplatz zurückkehre.“ Schneider fordert zudem laut Ostseezeitung eine Extrazahlung von Hansa. Vorstandschef Robert Marien hat zuerst eine Liste mit über 30 Anwärtern auf Schneiders Nachfolge erstellt und nun Kandidaten, die bei Hansa vorsprechen dürfen, auf eine „Shortlist“ gesetzt: „Wir wollen eine Lösung im Sinne des Vereins finden“, sagt Marien.

 Und sportlich? Soll wohl Tim Värynen nach abgelaufener Rotsperre den Vorzug in der Spitze vor Soufian Benyamina (mit vier Toren bester Hansa-Schütze) erhalten. Trainer Pavel Dotchev plant nach dem spielerisch enttäuschenden Auftritt beim 0:1 in Jena offenbar mehrere Umstellungen. Offen ist etwa, ob wie zuletzt Stefan Wannenwetsch oder wie davor Bryan Henning im defensiven Zentrum den lauf- und kampfstarken Abräumer gibt, um Amaury Bischoff als Strategen den Rücken freizuhalten.

 Was sagt die Statistik? Wenig erbauliches für beide Seiten. Hansa gewann in dieser Saison erst einmal zu Hause: Das 1:0 gegen Aalen war der einzige Sieg aus den letzten sieben Liga-Spielen – da hat der VfL (zwei) eine bessere Bilanz. Die viertschlechteste Offensive der Liga erwartet die Zweitschlechteste (VfL). Wobei Hansa zumindest defensiv (viertbeste Abwehr) bisher klar besser agiert als der VfL (zweitschlechteste Abwehr).

 Und wie geht es aus? Der VfL kämpft und grätscht sich zur Sensation: 2:1, wie schon Mitte Oktober 2016.