Tore in Duisburg: Wriedt und Heider 2:2 – VfL Osnabrück belohnt sich für starke Leistung

Von Harald Pistorius und Stefan Alberti | 04.02.2017, 17:11 Uhr

Mit der besten Saisonleistung hat der VfL Osnabrück im Topspiel der 3. Liga beim MSV Duisburg ein verdientes 2:2 erreicht. Das Ausgleichstor in der Nachspielzeit durch Marc Heider war der gerechte Lohn für eine Mannschaft, die selbstbewusst auftrat, bis zuletzt an ihre Chance glaubte und dem Spitzenreiter ebenbürtig war.


  • Blitztor durch „Otschie“ Wriedt
  • drei Chancen zum 2:0 vergeben
  • tolles Spitzenspiel bis zuletzt offen
  • Last-Minute-Treffer von Marc Heider

Damit behauptete die Mannschaft von Joe Enochs mit 36 Punkten den zweiten Platz in der 3. Liga und wahrte den Abstand auf Tabellenführer MSV (39). Auf Platz drei rückte der Hallesche FC (1:1 beim Chemnitzer FC) vor, kann aber am Sonntag vom 1. FC Magdeburg (33, gegen den FSV Zwickau) überholt werden. Mit einem Sieg würde der FCM auch den VfL überflügeln, doch das täte nach diesem überzeugenden Auftritt an der Wedau nicht weh.

Wie nach dem Abschlusstraining erwartet, schickte VfL-Trainer Joe Enochs die Startelf in das erste Auswärtsspiel des Jahres, die vor einer Woche gegen Preußen Münster (3:0) aufgelaufen war. Beim MSV entschied sich Trainer Ilja Gruev bei der Besetzung des Sturmpartners von Brandstetter gegen Onuegbu und für Janjic. Der ehemalige Osnabrücker Iljutcenko stand wegen einer Gelbsperre nicht zur Verfügung.

Stilvolle Trauer um Michael Tönnies

 Die Stimmung vor dem Topspiel war geprägt durch die Trauer um das vor wenigen Tagen verstorbene MSV-Idol Michael Tönnies. Mit stilvoller Bodenständigkeit würdigte der Verein unter großer Anteilnahme von fast 20.000 Zuschauern inklusive der etwa 2000 Lila-Weißen den Publikumsliebling der neunziger Jahre, der bis vor wenigen Wochen als Stadionsprecher für seinen Club tätig gewesen war.

Wunderschönes Blitztor von Wriedt

Mit einem wunderschönen Blitztor ging der VfL in Führung: Ein Vorstoß von Sangaré – es sollte nicht sein letzter sein – verwirrte die MSV-Abwehr, den Querpass nahm Wriedt aus 17 Metern direkt. Der Ball klatschte an den linken Innenpfosten und von da ins Netz – nach zwei Minuten lag der VfL bei seinem Angstgegner vorn, Wriedt bejubelte eine Woche nach dem Doppelpack gegen die Preußen sein neuntes Saisontor.

Daran hatte der MSV zu knabbern, zumal der VfL von Beginn an in allen Mannschaftsteilen disziplinierte und konzentrierte Defensivarbeit leistete. So dauerte es bis zur 12. Minute, ehe der Spitzenreiter eine erste Möglichkeit bekam: Doch Willers blockte Brandstetters Schuss ab. Der MSV versuchte zwar, den Druck zu erhöhen, doch es gab kaum ein Durchkommen gegen den lauf- und zweikampfstarken Gegner.

Drei Torchancen in zehn Minuten

Und dann drehte der VfL noch einmal auf: In den zehn Minuten vor der Pause erspielte sich die Mannschaft drei hochkarätige Chancen – wobei das „erspielt“ betont werden muss, denn es waren drei sauber vorgetragene Angriffe, die die Osnabrücker eigentlich zu einer komfortablen Pausenführung hätten nutzen müssen.

Schulz-Volley an die Latte

Nach einer abgewehrten Willers-Flanke schmetterte zunächst Schulz den Ball mit einem perfekten Volley an die Latte (35.). Dann nahm Hohnstedt zehn Meter vor dem Tor eine Kopfballvorlage von Wriedt nach einer starken Flanke von Dercho ebenfalls direkt – und sah, am Boden liegend, wie Flekken den Ball mit der linken Hand abwehrte (37.). Und nachdem Rüzgar nach einer erneuten Dercho-Flanke etwas zu lange mit dem Abschluss aus etwas spitzem Winkel gezögert und Wolze noch die Abwehr des Schusses ermöglicht hatte (44.), gingen die meisten VfL-Fans mit dem Gefühl in die Pause, dass dieser Zwischenstand dem MSV schmeichelte.

Zwei bittere Treffer zum 1:2

Mit einem dritten Stürmer – Onuegbu kam für Engin – eröffnete der MSV die zweite Halbzeit. Doch die ersten konstruktiven Angriffe legte der VfL auf den tiefen Rasen; zweimal klärten die Duisburger in akuter Not zur Ecke. Der Ausgleich fiel deshalb wie aus dem Nichts: Eingeleitet wurde der Treffer durch ein vermeidbares Foul des bis dahin starken Willers, der im Mittelfeld Onuegbu zu Boden stieß. Den Freistoß von Spezialist Schnellhardt erwischte Innenverteidiger Bornheuer zwischen Willers und Schulz mit dem Kopf, aus sechs Metern zischte der Ball unhaltbar für Gersbeck zum 1:1 ins Netz (55.).

Enochs reagierte sofort, brachte Reimerink für Hohnstedt und Tigges für den angeschlagenen Wriedt. Ein klares Zeichen, dass Mannschaft und Trainer sich nicht mit einem Unentschieden zufriedengeben wollten. Nach einem kurzen Schreckmoment, in dem Schnellhardt die große Chance zum Duisburger 2:1 vertändelt hatte, nahm der VfL den Faden wieder auf. Längst erfüllte die Partie die Ansprüche eines Spitzenspiels.

Drei Wackler vor dem Rückstand

Jetzt aber trug die bis dahin unzufriedene Kulisse den MSV, und prompt wackelte der VfL: Zwei Unsicherheiten von Gersbeck, dann ein Patzer von Sangaré, den der Torwart gegen Brandstetter wettmachte (70.) – irgendwie lag der Duisburger Treffer in der Luft. Er fiel, weil sich Onuegbu nach einem Einwurf im VfL-Strafraum viel zu leicht um den passiven Appiah herumdrehen konnte; sein Flachschuss ins lange Eck passte genau (72.).

Überragender Schulz treibt an

Es spricht für die Moral und die Fitness des VfL, dass die Mannschaft nicht aufgab und noch einmal Kräfte mobilisierte für den Endspurt. Enochs brachte mit Renneke (für Syhre) einen weitere Offensivmann. Vor allem Schulz trieb seine Mannschaft aus dem Zentrum immer wieder an, bis zuletzt blieb die Partie offen. Allerdings auch, weil Gersbeck zwei Mal Duisburger Konterchancen vereiteln musste.

Heiders Ausgleich in der Nachspielzeit

Nach knapp zwei Minuten der dreiminütigen Nachspielzeit wurde der VfL für seine Moral, seinen Willen und seine Spielstärke belohnt: Sangaré behauptete sich bei einem seiner vielen Vorstöße, schlenzte den Ball in den Lauf von Heider, der sofort abzog und den Ball hoch ins kurze Ecke jagte – der Rest war Jubel, auf dem Rasen und auf den Rängen.

Diese Mannschaft macht Freude, sie hat echten Fußball-Charakter. Wer in Duisburg dabei war oder die Partie am Fernseher verfolgte, freut sich auf den nächsten Freitag. Dann empfängt der VfL an der Bremer Brücke (19 Uhr) die U23 des FSV Mainz 05 (gestern 0:1 gegen den SC Padeborn).