2:2 beim MSV Duisburg VfL Osnabrück ist auf Augenhöhe mit dem Spitzenreiter

Von Harald Pistorius und Stefan Alberti | 05.02.2017, 23:02 Uhr

Die Fitness ist da, die Moral ist intakt, der Teamgeist stimmt: Eine Woche nach dem Sieg gegen Münster widerlegte der VfL Osnabrück auch in Duisburg die Pessimisten, die einen schlechten Rückrundenstart befürchtet hatten. Beim 2:2 im Topspiel der 3. Liga zeigte das Team von Joe Enochs die stärkste Saisonleistung und war dem Tabellenführer ebenbürtig.

Ein Tor, das in der Nachspielzeit noch zu einem Punkt oder zwei Punkten verhilft, kann glücklich sein, aber zwingend ist diese Bewertung nicht. Ganz sicher nicht am Samstag in Duisburg, als der VfL Osnabrück 90 Sekunden vor dem Ende der Nachspielzeit zum 2:2 traf. Das mustergültig herausgespielte Tor von Marc Heider war zum einen der verdiente Lohn für die Gesamtleistung des VfL, der in einem gutklassigen, spannenden Topspiel dem Tabellenführer ebenbürtig gewesen ist. Zum anderen war der Treffer das Ergebnis einer beeindruckenden Schlussoffensive der Mannschaft, die sich nach dem MSV-Doppelschlag (55., 72.) kurz schüttelte, dann aber Kräfte mobilisierte und voller Überzeugung bis zuletzt die Chance zum Ausgleich suchte. (Hier gibt es den Liveticker zum Nachlesen) 

Lob von Duisburger Seite

Das gelingt nur einer intakten Mannschaft, und deshalb war das Lob, das in Duisburg von neutraler Seite sowie von vielen MSVern ausgesprochen wurde, vollauf berechtigt. Da schwang vor allem der Respekt vor der kompakten Abwehrleistung mit, aber auch die Anerkennung der mutigen, spielstarken Offensiv-Vorstellung.

Blitztor nach 90 Sekunden

Nur 90 Sekunden nach dem Anpfiff hatte Kwasi Okyere Wriedt den Ball aus 17 Metern halbhoch ins Tor gezimmert; sein neunter Saisontreffer belegt, dass dem 21-Jährigen derzeit fast alles gelingt. Danach erwehrte sich der VfL des Duisburger Drucks, hielt dabei stets das Spiel offen und nutzte jede Möglichkeit zum Angriff. Drei hochkarätige Chancen, allesamt sauber herausgespielt in den letzten zehn Minuten vor der Pause, hätten das vorentscheidende 2:0 bringen müssen. Erst scheiterte Bastian Schulz mit einem 16-Meter-Volley an der Latte (36.), dann Michael Hohnstedt mit einem Direktschuss an Mark Flekken (42.) und schließlich Kemal Rüzgar an Kevin Wolze (44.).

Werbung für die 3. Liga

Am Ende eines attraktiven Topspiels, das Werbung für die 3. Liga und die Zugkraft von Traditionsvereinen war, stand ein gerechtes Unentschieden. Es spricht für den Ehrgeiz und die Ansprüche der Mannschaft, dass beispielsweise bei Nazim Sangaré der Ärger über die verpasste Siegchance die Freude über das Happy End zunächst überwog. Doch letztlich kann die Mannschaft aus dem Auftritt im Wedaustadion Selbstvertrauen ziehen. (Weiterlesen: Die Stimmen zum Spiel) 

Vieles ist möglich in dieser 3. Liga, und das ist mehr, als man zu Saisonbeginn erwarten konnte. Der VfL gab gestandene Profis – Alvarez, Ornatelli, Kandziora und Pisot – sowie den besten Drittliga-Torwart (Schwäbe) ab, dafür suchten sich Joe Enochs und Lothar Gans junge, hungrige Talente aus der Regionalliga; in Duisburg standen vier (Gersbeck, Sangaré, Wriedt und Rüzgar) in der Startelf. Profierfahrung brachten nur Heider, Reimerink, Appiah und Renneke sowie Engel mit. Dazu rückten vier eigene Talente in den Kader, einer davon – Steffen Tigges – wurde in der heißen Phase des Spitzenspiels eingewechselt. Das spricht für den A-Junior, aber auch für die Nachwuchsarbeit und die Konsequenz, mit der Enochs den eigenen Nachwuchs fördert.

Der Aufstieg wäre eine Überraschung

Es ist erstaunlich, wie diese Mannschaft zusammenwächst und zu welchen Leistungen sie fähig ist. Und dennoch wäre es eine Überraschung, wenn mit diesem Team der Aufstieg gelänge. Es wäre ein Erfolg, der mit keinem der bisherigen Aufstiege zu vergleichen wäre. (Weiterlesen: Die VfL-Spieler in der Einzelkritik) 

Als der VfL – beispielsweise – 2009/10 zum letzten Mal aufstieg, war die Mannschaft mit Zugängen aus der 2. Bundesliga (Barletta, Siegert, Kotuljac, Schmidt) und gestandenen Profis (Nickenig, Lindemann, Tauer, Schnetzler) massiv aufgerüstet worden.

Das alles ist der aktuellen Mannschaft gleichgültig. Die Spieler freuen sich auf das Flutlicht-Heimspiel am Freitag (19 Uhr) gegen die U23 von Mainz 05. Und das Publikum darf sich auf dieses Team freuen.