zuletzt aktualisiert vor

Blacha und Henning treffen auch Einzelkritik zum Kiel-Spiel: Alvarez und Heyer ragen beim VfL Osnabrück heraus

Gute Laune beim VfL Osnabrück nach dem Spiel in Kiel. Foto: Claus BergmannGute Laune beim VfL Osnabrück nach dem Spiel in Kiel. Foto: Claus Bergmann
CB

Kiel. Sie hatten zuerst ihre Probleme, aber hintenraus spielten die Fußballer des VfL Osnabrück beim 4:2-Sieg bei Holstein Kiel ihre Stärken aus. Mit Moritz Heyer und Marcos Alvarez ragten zwei Spieler aus einem guten Kollektiv heraus - hier die Einzelkritik.

Männer des Spiels: 

#6 Moritz Heyer: Er war Säule und Ruhepol des VfL im Kieler Sturm, der ansonsten die VfL-Hintermannschaft ein ums andere Mal durcheinanderwirbelte. Oft in letzter Sekunde als Feuerlöscher da mit dem Kopf oder dem langen Bein. Er war der Spieler, an dem sich viele andere Osnabrücker hochziehen konnten. Zudem war Heyer entscheidend mitbeteiligt am 4:2, als er tief in der eigenen Hälfte in ein langes Dribbling ging, dann aber nicht wie in Bochum hektisch abspielte und den Ball verlor, sondern mit dem klaren Pass auf den späteren Torschützen Henning seinen Mitspieler fand. Diskutieren kann man höchstens darüber, ob er vor dem 0:1 lieber das Zentrum hätte halten sollen, anstatt Flankengeber Özkan zu attackieren. 

#9 Marcos Alvarez: Seine Nervenstärke bei Standards beeindruckt: Das Elfmetertor war wichtig, weil dem VfL bis dahin wenig gelungen war – ein Fehlschuss wie zuletzt in Bochum hätte das Blatt für Osnabrück direkt komplett ins Negative wenden können. Genauso war das Freistoßtor zu Beginn der 2. Halbzeit zum erneuten Ausgleich eine Initialzündung für Osnabrück – seine individuelle Qualität hielt den VfL auf Augenhöhe, ehe Lila-Weiß hintenraus seine Stärken ausspielen konnte. Wie Alvarez den Freistoß in aussichtsreicher Position selbst zog, war clever. Wie er ihn aus 23 Metern direkt in den Giebel schlenzte, eine Augenweide. Nicht vergessen werden darf zudem, dass Alvarez auch abseits davon einige starke Szenen hatte in puncto Ballbehauptung - wobei sich hier Aktionen mit Licht und Schatten abwechselten.

In sehr guter Form:

# 23 David Blacha: Naturgemäß in seiner aktuell oft praktizierten Rolle als hängende Spitze weniger oft am Ball als noch in der letzten Saison als spieleröffnender Sechser – aber diesmal war Blacha deutlich auffälliger als etwa in ähnlicher Rolle im Regensburg-Spiel. Sicherte gut die Bälle, die er erhielt, leitete mit seiner Passsicherheit einige vielversprechende Vfl-Angriffe ein. Beim Führungstor zum 3:2 zeigte er seine Qualitäten: Er erkannte den für Kiel gefährlichen Raum, besetzte ihn flink, nahm den Ball geschickt mit, schloss intuitiv ab – und wurde belohnt, obwohl er den Ball nicht richtig traf. Defensiv zudem ein entscheidender Faktor für die Stabilität beim VfL, weil er weite Wege ging beim Zulaufen der Lücken.

# 29 Bryan Henning: Kam für die letzten 20 Minuten ins Spiel und war direkt präsent – gegen den Ball mit viel Giftigkeit und Energie in den Zweikämpfen. Mit dem Ball als Schütze des vorentscheidenden 4:2, das er selbst durch seine kluge Weiterleitung des Heyer-Zuspiels auf Ajdini auf dem Flügel mit einleitete. 

Hier geht es zum Spielbericht zur Partie in Kiel

In guter Form:

# 22 Philipp Kühn: Machtlos an den Gegentoren, sicher bei den Schüssen, die sonst aufs Tor kamen -  und in der Spieleröffnung. Einmal mehr eine solide Leistung. 

#8 Ulrich Taffertshofer: Lange ein verhältnismäßig unauffälliges Spiel des Sechsers, der unmittelbar in seinem Raum vor der Abwehr keinen direkten Gegenspieler hatte und deshalb mithalf, weiter vorgezogen die Kieler zu attackieren. Gegen den Ball gewohnt bissig und aktiv, nach anfänglichen Problemen (auch sichtbar beim 0:1) gerade in der zweiten Halbzeit mit einigen ganz wichtigen Grätschen und gewonnenen Zweikämpfen.

Statistik

Kiel: Gelios – Neumann (77. D. Schmidt), Wahl, Thesker, van den Bergh (77. Atanga) – Mühling, Meffert, Özcan – Iyoha (65. Baku), Serra, Lee
VfL: Kühn – Ajdini, Heyer, van Aken, Wolze – Taffertshofer, Köhler – Ouahim (90+1 Farrona Pulido), Blacha (72. Henning) , Heider – Alvarez (60. Girth)
Auf der Bank: Buchholz (ETW), Farrona Pulido, Granatowski, Susac, Friesenbichler, Henning, Girth, Schmidt
Es fehlen: Agu (Sehnenreizung), Körber, Trapp, Engel, Haubrock (Trainingsrückstand, alle im Aufbau), Amenyido (Syndesmosebandanriss), Gugganig (Innenbandzerrung), Konrad (Adduktorenzerrung), Klaas (muskuläre Probleme), Riemann, Beckemeyer (nicht im Kader).
Schiedsrichter: Alexander Sather
Zuschauer: 11920, davon knapp 1000 aus Osnabrück.
Tore: 1:0 Serra (10.), 1:1 Alvarez (31./Foulelfmeter), 2:1 Mühling (42./Handelfmeter), 2:2 Alvarez (49.), 2:3 Blacha (63.), 2:4 Henning (77.).
Gelb: Iyoha (50.) / Ouahim (75.)
Rot: Meffert (81., Schiedsrichterbeleidigung).

#25 Sven Köhler: Brauchte ein wenig, um ins Spiel und vor allem in die Zweikämpfe zu finden, denen sich die Kieler zu Beginn geschickt entzogen. Mit zunehmender Spieldauer aktiver und verbessert - nicht nur gegen den Mann sondern auch deshalb, weil er seine eigene Fehlerquote in Ballbesitz massiv reduzieren konnte.

#20 Marc Heider: Diesmal im halblinken Mittelfeld aufgeboten, brachte der Kapitän sein gewohntes Pensum an Einsatz auf den Platz im Versuch, die Bälle in Zweikämpfen und Kopfballduellen zu behaupten oder den Gegner anzulaufen. Damit trug er viel bei zur defensiven Stabilität, wo er sich nie zu schade war, auch am eigenen 16er mit auszuhelfen. Torgefahr strahlte er insgesamt etwas zu wenig aus, wobei er diesmal aber auch weiter vom Tor entfernt eingesetzt wurde. Eine ganz entscheidende Aktion aber gehörte ihm. Das Ziehen des Elfmeters vor dem 1:1, als er nach einem Einwurf von der Seite den Ball behauptete und Richtung Tor ging – und dann dankend das heranrauschende Bein des Kieler Verteidigers Neumann annehmen konnte. Auch bei der Entstehung des 3:2 hatte er seinen Kopf im Spiel. 

Abklatschen mit den Fans: Sven Köhler. Foto: Claus Bergmann

In solider Form:

#13 Joost van Aken: Wirkte etwas unglücklich bei beiden Gegentoren, wobei es gute Argumente dafür gibt, ihm keinen direkten Vorwurf zu machen: Beim 0:1 muss er einrücken und Stürmer Serra vom rausrückenden Heyer übernehmen - und kam dann gegen dessen schneller Direktabnahme am kurzen Pfosten zu spät. Bei seinem Handspiel vor dem Elfmeter wird sein aus der Bewegung heraus erhobener Arm angeschossen. Der Niederländer strahlte ansonsten vielleicht nicht diese ganz große Souveränität der letzten Spiele aus, warf sich aber wieder mit Bedacht und mit allem was er hatte, in die Luftduelle und Zweikämpfe. Dazu hatte er auch am Ball starke Szenen als wichtiger Turm in Osnabrücks Deckung. 

#10 Anas Ouahim: Defensiv nicht ganz unbeteiligt an der Entstehung des 0:1, weil es auch ihm nicht gelang, die rechte Seite zu sichern, als ihm Özkan im Rücken weglief. Offensiv mit einigen guten, technisch feinen Dribblings, aber ohne die letzte Durchschlagskraft. Zu sehen kurz vor dem ersten Kieler Treffer, als er es verpasste, nach einem starken Solo schneller und druckvoller abzuschließen, oder bei seinem Pfostenschuss kurz vor Schluss. Dennoch stets ein Faktor für die eher großgewachsene Kieler Deckung als Spieler, der am Ball in Dribblings gehen und für Gefahr sorgen konnte. 

#7 Bashkim Ajdini: Bereitete nach einem langen Sprint mit einer überlegten Hereingabe hinter die Abwehr das 4:2 vor, war aber auch am ersten Gegentreffer beteiligt, als er zuerst seinen Raum rechts hinten verteidigen wollte und sich dann doch entschloss, Lee zu attackieren – und dessen Weiterleitung auf Flankengeber Özcan nicht verhindern konnte. Nach vorn bis zum Schluss dynamisch, aber vor allem in der ersten Halbzeit mit riesigen Problemen in der Defensive gegen flinke Kieler. 

Selfie mit den Osnabrücker Fans: Bashkim Ajdini. Foto:Claus Bergmann

# 30 Benjamin Girth: Kam nach 60 Minuten für Alvarez – kein ganz dankbarer Job für den lauernden Strafraumstürmer angesichts des hektisch hin- und herwogenden Spiels. Hatte mit seiner Präsenz im Strafraum seinen Anteil an der Entstehung des 3:2, als er einen Gegner geschickt fernhält vom Ball. Sonst aber trotz des im Folgenden entstehenden Platzes im Konterspiel ohne die ganz großen Szenen. 

Etwas unter den Möglichkeiten:

#19 Kevin Wolze: Offensiv - abgesehen vielleicht von seiner Flanke aus dem Halbfeld weit vor dem 3:2 - ohne die herausragende Aktion, dafür aber vor allem in der ersten Halbzeit mit vielen Fehlpässen. Etwas unglücklich seine Aktion direkt vor der Entstehung des Elfmeters zum 1:2, als er den Ball aus dem Gewühl heraus ins eigene Zentrum köpfte. Dazu mit großen Problemen gegen den Ex-Osnabrücker Iyoha, der ihm auf dem Flügel ein ums andere Mal davonlief. Nach der Pause sah man ein wenig öfter seine Cleverness, mit der er einige Situationen löste. Szenen wie direkt nach dem 1:2, als er schon abschaltete, nachdem Iyoha ihn überlaufen hatte und auf dem Weg zum möglichen 1:3 zum Fünfmetereck vorgedrungen war, zeigten: Der Linksverteidiger war nicht immer voll auf der Höhe.

Nicht zu bewerten: 

#2 Manuel Farrona Pulido: Kam in der Nachspielzeit für Ouahim und fuhr in letzter Minute noch einmal einen Konter mit.

Erinnerung mit den Fans: Manuel Farrona Pulido. Foto: Claus Bergmann

Weiterlesen: 4:2-Sieg in Kiel: Das sagen die Spieler


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN