Lernort Bremer Brücke zum Thema "Fußball in der DDR" Warum "Ronny" Maul in der DDR keine Bananen vermisste

Unterricht im Stadion: Die Schüler der Alexanderschule Wallenhorst informierten sich im Lernort Bremer Brücke über das Thema "Fußball in der DDR". Foto: Swaantje HehmannUnterricht im Stadion: Die Schüler der Alexanderschule Wallenhorst informierten sich im Lernort Bremer Brücke über das Thema "Fußball in der DDR". Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Es ist nicht nur ein anderer Ort, sondern auch eine andere Art zu lernen. Zum 16. Mal seit dem Start im Sommer 2018 fand im VfL-Stadion der vom Fanprojekt Osnabrück aufgebaute „Lernort Bremer Brücke“ statt. Diesmal ging es einen Tag vor dem 30-Jährigen Jubiläum des Mauerfalls für 25 Schüler der Klassen 10a/b der Alexanderschule Wallenhorst um das Thema „Fußball in der DDR“.

Nach dem Aufwärmen mit einer Stichwortsammlung zum Alltag in der DDR gab es von Lisa Roggenkamp eine Einführung in die für die meisten fremde Welt des DDR-Fußballs. Die 31-jährige Anhängerin des VfL hat sich mit dem Thema beschäftigt und berichtete, wie Spieler delegiert, Trainer kontrolliert, Mannschaften überwacht und Meisterschaften auch mal gesteuert wurden.  

Lebhafte Frage-Antwort-Stunde mit dem ehemaligen Nationalspieler und langjährigem Profi Ronald Maul, der heute Sportchef des Drittligisten SV Meppen ist. Foto: Swaantje Hehmann

Und dann kam einer, der das alles miterlebt hat. Ronald Maul eröffnete mit seiner ehrlichen, frischen Art ein lebhaftes Frage-und-Antwort-Spiel. „Mir ging es gut, ich habe nichts vermisst. Wenn man keine Bananen kennt, kann man sie auch nicht vermissen“, fasste der aus der Nähe von Jena stammende Maul sein damaliges Lebensgefühl zusammen. Mit dem Kicken fing „Ronny“ bei der Betriebssportgemeinschaft (BSG) Traktor Gleistal an, mit zwölf wurde er im Internat des FC Carl Zeiss Jena aufgenommen. Maul berichtete von der umfassenden, systematischen Sportförderung in der DDR: „Es war toll, ich habe es genossen. Ab der achten Klasse habe ich sechs Mal pro Woche trainiert.“

"Lernort Bremer Brücke"

Seit Beginn der Saison 2018/2019 bietet das Fanprojekt Osnabrück in Kooperation mit dem VfL-Museum das Bildungsprojekt „Lernort Bremer Brücke“ für Schulklassen und andere Gruppen Jugendlicher an.
Dabei setzen sich das Fanprojekt zum Ziel, in der besonderen Lernatmosphäre des VfL-Stadions das Interesse von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für politische Themen und aktuelle gesellschaftliche Diskurse zu wecken und dadurch bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein kritisches Bewusstsein zu entwickeln.
Als Basis für die Workshops sind vier thematische Module entwickelt worden, deren Inhalte jeweils individuell mit Lehrkräften und Gruppenleitungen auf die Lerngruppe angepasst werden.
Alle Infos zu den vier Modulen auf der Seite des Fanprojekts
Hier gibt es einen Flyer zum "Lernort Bremer Brücke"

An die Wende erinnert sich der heutige Manager des SV Meppen genau; 17 war er, als die Mauer fiel: „Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich die Szene sehe und höre mit Genscher auf dem Balkon. Auch in Jena gab es Demonstrationen, man hatte das Gefühl, die ganze Stadt sei auf den Beinen. Ich habe damals gehofft, dass der Staat jetzt nicht Härte zeigt.“

Ein paar Monate später spielte Maul in Osnabrück; zusammen mit seinem Kumpel Jörg Freybott war er vom VfL-Jugendtrainer Friedel Hoppe bei einem Turnier entdeckt worden. Es war der Beginn einer Profilaufbahn, die 20 Jahre dauerte.

Die nächsten „Lernort“-Veranstaltungen sind bereits terminiert, Anfang 2020 geht es rund um den Jahrestag der Auschwitz-Befreiung um das Thema „Nie wieder! Tag der Erinnerung“. Michael Aschmann, der Leiter des Fanprojekts, seine Kollegen Dennis Germer und Lisa Roggenkamp sowie VfL-Vizepräsident Freddy Fenkes freuen sich über die anhaltend gute Resonanz des Projekts.


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