Von wegen "grau in grau" VfL Osnabrück: Fans sollten sich für Hannover ruhig etwas Zeit nehmen

Hannover ist "grau in grau"? Zumindest nicht in der Altstadt! Foto: imago images/RustHannover ist "grau in grau"? Zumindest nicht in der Altstadt! Foto: imago images/Rust
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Osnabrück. Wer vor dem Gastspiel des VfL Osnabrück bei Hannover 96 einen Spruch kloppt, in dem die Wörter „Hannover“ und „grau“ vorkommen, hat problemlos die Lacher auf seiner Seite. Auch das Jahrhundertereignis Expo 2000 konnte das Vorurteil nicht aus der Welt schaffen, wonach sich der, der sich in Hannover wohlfühlt, eigentlich überall wohlfühlen muss. Unser an der Leine geborener Autor fühlt sich keineswegs überall wohl. In Hannover aber durchaus.

Dass der Vereinsfußball in Hannover eine lange Tradition hat, lässt sich mühelos am Namen von Niedersachsens größtem Sportverein ablesen: Hannover 96 wurde im April 1896 gegründet (wenn auch zunächst als Rugby-Verein) und ist damit drei Jahre älter als der VfL Osnabrück und Werder Bremen, vier Jahre älter als Bayern München, acht Jahre älter als Schalke und sogar 13 Jahre älter als Borussia Dortmund.

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Doch trotz dieser langen Geschichte und den Deutschen Meisterschaften 1938 und 1954, dem DFB-Pokalsieg 1992 und dem Erreichen des Europa-League-Viertelfinals 2012 endet die Strahlkraft von Hannover 96 in westlicher Richtung ungefähr dort, wo die A2 das Weserbergland zerschneidet. Osnabrück, das Emsland oder auch Oldenburg mögen zu Niedersachsen gehören – aber nicht nur fußballtechnisch hält sich die Identifikation mit der eigenen Landeshauptstadt in Grenzen.

Die unbekannte Landeshauptstadt

Und so wird so mancher Anhänger der VfL Osnabrück am Sonntag in eine knapp 150 Kilometer entfernte Stadt aufbrechen, in der er nur selten war und von der er nicht viel weiß – außer, dass sie ziemlich hässlich und langweilig sein soll und sich somit vor und nach dem Anpfiff nicht unbedingt für einen längeren Aufenthalt zu empfehlen scheint.

Also vormittags hinfahren, mittags das Spiel anschauen und dann schnell wieder zurück nach Hause? Wer es so halten möchte, fährt entweder mit dem Auto über besagte A 2 (Hannover ist dank der Fertigstellung der Nordumgehung Bad Oeyenhausen seit diesem Jahr ungefähr eine Viertelstunde näher an Osnabrück herangerückt) und parkt unmittelbar neben dem Stadion für einen fairen Preis auf dem Schützenplatz. In der näheren Umgebung sind aber auch kostenlose Parkplätze zu finden, vor allem am Ostufer des Maschsees (Rudolf-von-Bennigsen-Ufer).

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Wer mit der Bahn kommt, plant für den Fußweg zwischen Hauptbahnhof und Stadion am besten gut 20 Minuten ein. Die leicht zu findende Direktroute führt quer durch die Innenstadt und ist nicht gerade dazu geeignet, das eingangs erwähnte Image der Stadt nennenswert aufzupolieren. Der Anblick von sonntäglich geschlossenen Geschäften macht die ganze Sache nicht besser.

Ein kleiner Umweg zu den „schönen Ecken“

Wer bis zum Anpfiff aber noch ein bisschen Zeit hat, gönnt sich einen kleinen Umweg durch die Altstadt und stellt fest: „Oh, es gibt ja vielleicht doch ein paar schöne Ecken in Hannover.“ 

Bei dieser Gelegenheit lohnt es sich, auf eine Bierlänge im Brauhaus Ernst August in der benachbarten Schmiedestraße vorbeizuschauen. Dort lässt sich auch die Hannoversche Kneipenspezialität „Lüttje Lage“ probieren. Das ist ein kleines Glas obergäriges Spezialbier plus ein Pinneken Korn, die von fingerfertigen Einheimischen dank einer speziellen Trinktechnik so geschickt gleichzeitig geleert werden, dass kein Tropfen danebengeht.

Ja, so ähnlich... Foto: imago/localpic

Wer anschließend immer noch etwas Zeit hat und eine weitere „schöne Ecke“ sehen möchte, biegt kurz vor dem Stadion links ab und wirft einen Blick auf den Maschsee. Oder er trinkt ein weiteres Bier in der „Nordkurve“, einer großen, lauten Fußballkneipe schräg gegenüber der HDI-Arena. Dort kommt es allerdings zwangläufig zu Begegnungen mit Fans der Heimmannschaft – entsprechende Berührungsängste sollten also nicht vorhanden sein.

Oder vielleicht doch ein ganzes Wochenende?

Neugierige können aber natürlich auch mehr Zeit in Hannover einplanen und bereits am Samstag anreisen. Wie es sich für eine Landeshauptstadt mit mehr als einer halben Million Einwohner gehört, gibt es Hotels in allen Preiskategorien. 

Außerdem bietet Hannover Gastronomie für jeden Geschmack und Geldbeutel. Empfehlenswert sind nach Meinung des Autors zum Beispiel (aber nicht nur!) besagtes Brauhaus Ernst August (Hausmannskost), das 11a Am Küchengarten (unkomplizierte, frische Regionalküche), die Ramen-Bar Kenibo in der Kramerstraße (asiatisch), das Al Dar in der Königstraße (orientalisch) und das Aresto am Leineufer (griechisch). Wer sich für gehobene (und somit hochpreisigere) Küche begeistern kann, ist im Restaurant Handwerk (Altenbekener Damm) und in Hannovers einzigem Sterne-Restaurant Jante (Marienstraße) gut aufgehoben. 

Um die Mittagszeit empfiehlt sich werktags außerdem ein Besuch in der legendären Markthalle an der Karmaschstraße. Hier, im „Bauch von Hannover“, kann man Obst, Fleisch und Frisch kaufen – aber auch Bier, Wein und Kaffee trinken oder eine Kleinigkeit essen – und sei es ein Fischbrötchen in der Hannoveraner Filiale der Sylter Edelfischbude Gosch. 

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Wer das ganze Wochenende in Hannover verbringt, erlebt die Innenstadt am Samstag natürlich ganz anders als am Sonntag – inklusive dem an jedem Samstag stattfindenden Flohmarkt am Hohen Ufer. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen – welch ein Widerspruch zum Grau-in-grau-Image der Stadt! – die zahlreichen innerstädtischen Grünanlagen, allen voran natürlich die berühmten Herrenhäuser Gärten, die zu den bedeutendsten Barockgärten Europas gehören.

Foto: imago images/Rust

Wer mit Kindern unterwegs ist, geht von den Herrenhäuser Gärten aus ins benachbarte „Sea Life“, wo in mehr als 40 Becken und Aquarien etwa 2500 Tiere leben, von der Schildkröte bis zum Hai. 

Das Nachtleben spielt unter anderem in der Kneipenszene der Altstadt – und im Stadtteil Linden, der problemlos als Berliner Szene-Kiez durchgehen könnte.

Die Skyline von Hannover. Foto: image images/Future Image


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