120 Jahre VfL Osnabrück – der Geburtstag VfL-Präsident Hülsmann: „Die Bremer Brücke gehört den Menschen“

Im vollen VfL-Stadion fühlt er sich am wohlsten: Präsident Manfred Hülsmann. Foto: Helmut KemmeIm vollen VfL-Stadion fühlt er sich am wohlsten: Präsident Manfred Hülsmann. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Auf einem 50-ccm-Moped fuhr er mit selbst genähter Fahne und Tröte zur Bremer Brücke. Und auch sonst verbindet Manfred Hülsmann vor allem schöne Momente mit dem VfL Osnabrück. Im Interview spricht der Präsident der Lila-Weißen über sein Fan-Dasein und über die Zukunft des VfL.

Herr Hülsmann, erzählen Sie mal: Wie war das in Ihren jungen Jahren als VfL-Fan?

Wollen Sie das wirklich wissen? Also gut – aber alles erzähle ich nicht (schmunzelt). Ist ziemlich genau 50 Jahre her, als der VfL mit diesem sensationellen 8:0 gegen Göttingen in eine grandiose Saison startete. Damals wurden Tausende von Menschen wie ich mitgerissen von einer Begeisterung um den VfL, die Zuschauerzahlen stiegen rapide an, und der Verein wurde zu einer Marke der Stadt.

„Osnabrück – die Stadt des guten Graute-Kaffees und des Nordmeisters VfL“, wurde damals gern gewitzelt. Wie haben Sie sich mitreißen lassen?

Wann immer es ging, waren wir dabei. Auf meinem 50-ccm-Moped fuhr ich mit einem Nachbarsjungen mit selbst genähter Fahne und Tröte zur Bremer Brücke und auch zu einigen Auswärtsspielen. Donnerschwee in Oldenburg und Bischofsholer Damm in Hannover – es war Wahnsinn, wie viele Menschen den VfL begleiteten. Wir sind damals vor dem Spiel auf den Platz gerannt, haben unsere Fahnen am Mittelkreis ausgebreitet und unsere Rituale veranstaltet. Unvergesslich ist natürlich auch die Meisterfeier auf dem Rathausplatz.

Damals hat man erlebt, wie eine Erfolgssaison einen Verein verändern kann. Von der damals entfachten Euphorie zehrte der VfL lange. Wie wichtig ist der unerwartete Erfolg in dieser Saison?

Sportlicher Erfolg ist die Grundlage jeder Weiterentwicklung. Er ist das Mittel, das ein Zusammenwachsen beschleunigt und es leichter macht, die Menschen dauerhaft an den Verein zu binden. Erfolg schafft Gemeinschaftserlebnisse und positive Emotionen. Im Moment sind wir dabei, uns dank unserer sportlichen Leistung etwas davon zurückzuholen, was in den letzten Jahren verloren gegangen ist. (Weiterlesen: Haferkamp-Platz und Löwenstein-Weg zum 120. VfL-Geburtstag)

Spielt es dabei eine Rolle, unter welchen Bedingungen Erfolge erreicht werden?

Ja, ich glaube schon, dass es ein Unterschied ist, ob man erfolgreich ist, weil ein Investor ganz viel Geld in den Verein pumpt, oder ob man aus wenig viel macht – mit Teamgeist, im Miteinander, mit Herz und Verstand. Das verkörpert unsere aktuelle Mannschaft gerade auf wunderbare Weise.

Die Bremer Brücke ist unsere Heimat, unsere Identität.Manfred Hülsmann

Wie wichtig ist das Stadion für die Tradition und die Zukunft des VfL? 

Die Bremer Brücke ist unsere Heimat, unsere Identität. Dieses Stadion mit seiner englischen Atmosphäre repräsentiert den Verein so, wie er ist: voller Geschichte und Geschichten, mit Fehlern und Macken, aber ehrlich, bodenständig und authentisch. Die Bremer Brücke gehört nicht dem VfL, sondern den Menschen, die seit fast 90 Jahren dorthin gehen, um Osnabrücker Fußball zu erleben – mit allen Sinnen. Egal, was passiert: Diese Atmosphäre muss erhalten werden.

Aber im Fall eines Aufstiegs wird es eine Herausforderung, dieses Stadion zweitligatauglich zu machen. 

Da halte ich es mit unserem Trainer, der nicht vom Aufstieg spricht, sondern nur vom nächsten Spiel. Da ich aber bei meinem Amtsantritt im November 2017 davon gesprochen habe, dass ich die Zukunft des VfL in der 2. Bundesliga sehe, kann ich etwas Grundsätzliches antworten: Wenn der Aufstieg eines schönen Tages kommt, müssen wir uns sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell so aufstellen, dass wir eine echte Chance haben, uns in der 2. Bundesliga zu etablieren. Es wird hart, aber wir arbeiten bereits daran, und dafür brauchen wir jeden Unterstützer an seinem Platz. Als Fahrstuhlverein haben wir nach meiner festen Überzeugung keine Überlebenschance.

Als Fahrstuhlverein haben wir keine Überlebenschance.Manfred Hülsmann

Erfolg macht sexy, plötzlich interessieren sich viele wieder für den VfL. Manche der Treuen rümpfen die Nase über die Erfolgsfans, die angeblich nur kommen, wenn die Sonne scheint. Wie gehen Sie mit diesem Phänomen um?

Entspannt. Ich merke es ja selbst, wie viele Freunde ich habe, die Karten möchten. Ist doch gut, denn das zeigt, welches Wachstumspotenzial wir haben. Wenn wir aus denen, die sich jetzt plötzlich interessieren, Stammzuschauer machen, haben wir doch gewonnen. Und wenn von denen möglichst viele echte VfLer, vielleicht sogar Mitglieder werden, ist das doch wunderbar. Man wird nicht ohne Erfolg zum Kultverein, aber wenn man ein Kultverein ist, übersteht man auch eine Phase mit weniger Erfolg besser als andere.

Das Schlusswort gehört Ihnen.

Dank an alle Unterstützer: Lasst es uns gemeinsam anpacken und zusammenstehen, damit Großes entstehen kann.


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