Mit Traumtoren zum denkwürdigen Sieg VfL Osnabrück: Auf dem Sprung in die 2. Bundesliga

Auf dem Sprung in die 2. Bundesliga: Der VfL Osnabrück. Foto: osnapix/Titgemeyer


Schlußjubel / Schlussjubel nach dem 1:3 Sieg, Maurice Trapp (Osnabrueck), Torwart Nils Körper / Koerber (Osnabrueck), Marcos Alvarez (Osnabrueck), Luca Pfeiffer (Osnabrueck), Manuel Farrona Pulido (Osnabrueck).
Foto: osnapix
DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-videoAuf dem Sprung in die 2. Bundesliga: Der VfL Osnabrück. Foto: osnapix/Titgemeyer Schlußjubel / Schlussjubel nach dem 1:3 Sieg, Maurice Trapp (Osnabrueck), Torwart Nils Körper / Koerber (Osnabrueck), Marcos Alvarez (Osnabrueck), Luca Pfeiffer (Osnabrueck), Manuel Farrona Pulido (Osnabrueck). Foto: osnapix DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video 

Osnabrück. Der VfL Osnabrück ist nur noch eineinhalb Schritte von einer Sensation entfernt: vom Abstiegskandidaten zum Aufsteiger. Nach dem 3:1 in Duisburg beim KFC Uerdingen hat die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune fünf Spieltage vor Schluss zwölf Punkte Vorsprung vor Platz drei.

Über 3000 Lila-Weiße unterstützen und feierten die Mannschaft nach dem fünften Sieg in Folge – ein Vorgeschmack auf den Freudenausbruch in dem Moment, in dem der sechste Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt ist. 

Das kann schon am nächsten Samstag der Fall sein, wenn der VfL drei Tage nach seinem 120. Geburtstag zum Jubiläumsspiel gegen den VfR Aalen antritt. Allerdings kann es die Mannschaft dann noch nicht aus eigener Kraft schaffen: Bei einem Sieg müsste der SV Wehen Wiesbaden (in Jena) nur unentschieden spielen, oder der Karlsruher SC dürfte weder an diesem Montag in Würzburg noch am Samstag gegen den SV Meppen gewinnen. Tritt einer dieser Fälle ein, ist der Aufstieg bei einem Sieg gegen Aalen perfekt.


Man muss kurz innehalten, um sich das vor Augen zu führen: Vor einem Jahr torkelte eine Mannschaft dem Saisonende entgegen, die keins der letzten zwölf Spiele gewann, im NFV-Pokal ausschied und keine Perspektive hatte. In einem Verein, der wenig Geld hatte für den notwendigen Umbau und dessen Ansehen im Sinkflug war. Doch ein junger Sportdirektor und ein junger Trainer, beide erstmals in verantwortlicher Position tätig, nahmen die Herausforderung an. 


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Zeitgleich kehrte ein ehemaliger Bundesligist nach jahrelanger Talfahrt mit Getöse zurück in die 3. Liga. Ein russischer Investor sorgte dafür, dass namhafte Profis kamen und schnell die Rede war vom Durchmarsch in die 2. Bundesliga.

Was sich an diesen beiden so unterschiedlichen Fußball-Standorten entwickelte, gibt einem den Glauben an den Wert sportlich sauberer Arbeit zurück. Hier eine Ansammlung von begabten, hoch bezahlten Einzelkönnern, die bei aller Klasse in einem chaotisch geführten Club keine Einheit wurden; nicht mal ansatzweise. Und dort eine – vermeintlich! – durchschnittlich besetzte und auf jeden Fall so bezahlte Mannschaft, die von Woche zu Woche enger zusammenwuchs, Teamgeist entwickelte, bodenständig und hart arbeitete und nun kurz vor einem Erfolg steht, den ihr vor einem Jahr niemand zugetraut hat.

Roberto Rodriguez (Uerdingen) im Zweikampf gegen Bashkim Ajdini (VfL Osnabrück). Foto: osnapix

In diesen Kontrasten steckt die eigentliche Geschichte dieses Spiels. In Duisburg wurde deutlich, worin der außergewöhnliche Erfolg des VfL 2018/19 liegt: im Zusammenhalt und in der Bereitschaft, alles dem Teamgedanken unterzuordnen. 

Der VfL hat in dieser Saison schon besser gespielt und souveräner gewonnen; auch weil die Uerdinger ihre individuelle Klasse aufblitzen ließen und sich bis zuletzt wehrten. Doch das war zu wenig gegen diszipliniert und konsequent verteidigende Osnabrücker, die mit Traumtoren einen denkwürdigen Tag besiegelten.

Marcos Álvarez mit seinem fünften direkt verwandelten Freistoß (6.), Anas Ouahim mit einem tollen Schlenzer in den Winkel (55.) und David Blacha (59.) mit einem 25-Meter-Kracher in den Winkel setzten eine würdige Signatur auf diesen Sieg.  Weiterlesen: Die Osnabrücker in der Einzelkritik.

Dass es danach noch einmal ein bisschen wacklig wurde, lag an einem berechtigten Elfmeter (Ajdini an Aigner), den Maximilian Beister zum 1:3 verwandelte (78.) und an einem fragwürdigen Platzverweis. Die Tätlichkeit, für die der ansonsten gute Schiedsrichter Lars Gerach dem weiter formstarken Konstantin Engel in der 80. Minute nach einer Rangelei mit Beister die Rote Karte zeigte, war auf den TV-Bildern ebenso wenig zu erkennen wie im Original.

Engel und seinen Kollegen war’s ebenso egal wie über 3000 Lila-Weißen, die ausgelassen sangen und jubelten, bis ihnen die Stimme wegblieb. Es war ein Tag zum Genießen – unvergessliche Fußball-Frühlingsgefühle.


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