Tohuwabohu im Gerichtssaal Prozess gegen Heider, Menga und Willers fortgesetzt – Bremer Zeugen fehlten

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Auf der Anklagebank: Addy-Waku Menga (links), Marc Heider (3. von links) und Tobias Willers (rechts) und die Verteidiger. Foto: KemmeAuf der Anklagebank: Addy-Waku Menga (links), Marc Heider (3. von links) und Tobias Willers (rechts) und die Verteidiger. Foto: Kemme

Osnabrück. Immer noch kein Abpfiff in einem mittlerweile zähfließenden Verfahren: Gerne hätte der Vorsitzende Richter am Dienstag das Verfahren vor dem Landgericht Osnabrück gegen die Fußballprofis Marc Heider, Addy-Waku Menga und Tobias Willers zum Abschluss gebracht. Drei der vier vorgesehenen Zeugen kamen jedoch nicht, sodass der Prozess nun am 19. Februar fortgesetzt werden muss.

Vorweg für diejenigen, die sich überhaupt noch gar nicht mit diesem Verfahren beschäftigt haben: Auf der Anklagebank sitzen der Mannschaftskapitän des Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück, Marc Heider, und dessen ehemalige Teamkollegen Addy-Waku Menga und Tobias Willers. Im Zentrum des Verfahrens stehen die Geschehnisse vor dem letzten Spieltag der Saison 2016/17. Der VfL musste noch gegen den abstiegsbedrohten SC Paderborn antreten. Nach bisherigem Verfahrensstand versuchte das Trio mit Willers als treibender Kraft per Whatsapp und Telefonanrufen, bei bekannten Kollegen der ebenfalls gegen den Abstieg spielenden Teams aus Erfurt und Werder Bremen U23 einen finanziellen Bonus einzuwerben, damit sich der VfL im letzten Spiel gegen die Paderborner noch einmal richtig reinhängt. Darin sah die Staatsanwaltschaft den Versuch einer Erpressung und einer Spielmanipulation. Das bewertete das Amtsgericht in erster Instanz anders  und sprach die Profis frei. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, wobei der Vorwurf der „Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben“ inzwischen vom Tisch ist. Es geht nur noch um den Vorwurf der versuchten Erpressung.

Lothar Gans sollte auch helfen

Am Dienstag sollten nun die seinerzeit auf Erfurter (Carsten Kammlott) und Bremer Seite (Rafael Kazior, Tobias Duffner, Claas-Christopher Bente) in die erwähnten Telefonanrufe und Whatsapp-Nachrichten involvierten Kollegen als Zeugen in Osnabrück vernommen werden. Allerdings war nur Kammlott (derzeit in Diensten des Nordost-Regionalligisten Wacker Nordhausen) anwesend. Die Bremer ließen auf sich warten, was für Tohuwabohu im Gerichtssaal sorgte. Der Vorsitzende Richter ließ nicht nur über seine Mitarbeiter telefonisch recherchieren, ob die Bremer Zeugen noch auf dem Weg nach Osnabrück seien. Auch der im Saal als Zuhörer anwesende ehemalige VfL-Manager Lothar Gans wurde gebeten, bei der Recherche vielleicht seine Bremer Kontakte zu nutzen. Es wurde viel telefoniert. Ergebnis: Die Bremer hatten wohl noch keine Vorladung für den Termin bekommen. Duffner und Bente signalisierten, bis zum Nachmittag in Osnabrück sein zu können, was allerdings nicht in die Zeitpläne des Gerichts und der Verteidiger der angeklagten Fußballer passte. (Weiterlesen: Fragen und Antworten zum Prozess >>)

Kammlotts Aussage

Also wurde zunächst nur Kammlott als Zeuge vernommen. Der Mann mit der längsten Anreise musste gerade einmal rund zehn Minuten Fragen beantworten. Dabei bestätigte der Fußballprofi, dass er seinerzeit von Willers kontaktiert worden sei. ,,Was ist es euch wert, wenn wir gewinnen?", sie die zentrale Frage des damaligen Osnabrücker Innenverteidigers gewesen. Weil er Willers und seine lockere Art schon lange kenne, habe er sich bei dieser Frage nicht viel gedacht, so Kammlott. Und weil die Erfurter zu dem Zeitpunkt ohnehin nur noch über 2500 Euro in der Mannschaftskasse verfügt hätten, sei das Thema schnell vom Tisch gewesen. Über mögliche Konsequenzen einer Nichtzahlung hätten er und seine Mannschaftskollegen nicht nachgedacht, ,,weil wir aus eigener Kraft den Abstieg verhindern konnten". Willers habe ihn auch nicht weiter in irgendeiner Form unter Druck gesetzt, stellte Kammlott fest.

Das Verfahren soll nun am nächsten Dienstag (19. Februar, 10 Uhr) fortgesetzt werden – in der Hoffnung, dass dann auch das Trio aus Bremen pünktlich im Gerichtssaal erscheint.


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