Ein lila-weißes Leben - Serie über Lothar Gans - Folge 2 Mit Umweg über den SV Meppen zum Vertrag beim VfL Osnabrück

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Jubel mit Momi: Mit dem nach Osnabrück zurückgekehrten Erfolgstrainer Radoslav Momirski lief es für Lothar Gans (Zweiter von links) und seine Teamkollegen recht gut. Foto: Paul Petschkuhn/NOZ-ArchivJubel mit Momi: Mit dem nach Osnabrück zurückgekehrten Erfolgstrainer Radoslav Momirski lief es für Lothar Gans (Zweiter von links) und seine Teamkollegen recht gut. Foto: Paul Petschkuhn/NOZ-Archiv

Osnabrück. Lothar Gans wird am Samstag beim Derby gegen den SV Meppen offiziell verabschiedet – nach neun Jahren als Profi und 22 Jahren als Manager, Geschäftsführer und Trainer des VfL Osnabrück. Aus diesem Anlass zeichnen wir in dieser Serie seinen Weg durch die Fußballzeiten nach. In der zweiten Folge beschreiben wir die Lehrjahre beim SV Meppen und den Wechsel zum VfL.


Jungprofi mit Goldkettchen: Lothar Gans 1975 auf seinem ersten offiziellen Porträtfoto im VfL-Trikot. Foto: NOZ-Archiv


War der TuS Haste ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Bremer Brücke? Fast schien es so, denn nach zwei Jahren in der Landesliga-Elf des TuS klopfte – im Sommer 1973 – der VfL bei Lothar Gans an. Plötzlich war der Jugendtraum greifbar nah.

"Talente aus der Region standen beim VfL nicht hoch im Kurs"

„Ja, der VfL wollte mich, aber nicht so, wie ich mir das vorstellte. Oben bei den Profis mittrainieren, in der Verbandsliga bei den Amateuren spielen. Damals standen die Talente aus der Region nicht so hoch im Kurs, mit fast allen wurde so verfahren. Und es gab viele davon, und einige hätten es packen können – Hubert Wethkamp, Hannes Kemper, Udo Riesberg oder Sigi Schmietendorf beispielsweise. Aber keiner kam nach oben durch, weil man dort lieber auf Profis von auswärts setzte. Das wollte ich nicht.“

Lothar Gans (links) im Trikot des SV Meppen - von 1973 bis 1975 spielte der Osnabrücker Junge für die Emsländer. Foto: NOZ-Archiv


Und so landete Gans beim SV Meppen, der gerade in die Regionalliga Nord aufgestiegen war. Die VfL-Legende Friedhelm Holtgrave, Teamkollege in der Niedersachsenauswahl und der Leitwolf in Meppen, knüpfte die Kontakte. Das war klassischer Feierabendfußball, alle arbeiteten und trafen sich am Nachmittag zum Training. In Fahrgemeinschaften ging’s nach Meppen – mit Hubert Hüring, der in Osnabrück studierte, mit Holtgrave und mit Walter Wiethe, den beiden Ex-VfLern.

„Damals begann die erste große Meppener Fußballära. Zwar gelang 1974 nicht der Sprung in die 2. Liga Nord. Das war schade,  aber es ging in der Amateuroberliga Nord weiter – die erste regionale Klasse in Deutschland, der Norden war Vorreiter. Das war die 3. Liga – mit 12 weiteren Staffeln…“

Debüt beim SV Meppen: Mach dir aber nicht in die Hose...

Gans war Stammspieler, vom ersten Tag an, damals noch im Mittelfeld. Trainer war der strenge Hermann Michel, der die Talente, die das „Diamantenauge“ Gerd van Zoest nach Meppen lockte, hart anpackte. Bevor er Gans in sein erstes Punktspiel schickte, sprach er dem aufgeregten Youngster nicht gerade Mut zu: „Ich muss dich bringen und hoffe, du packst das. Wenn du dir in die Hose machst, bist du gleich wieder draußen.“

Mit dem SV Meppen vor 15000 Zuschauern bei Eintracht Braunschweig: Lothar Gans (Sechster von rechts) bestritt in der Saison 1973/74 29 Spiele in der Regionalliga Nord. Foto: Imago/Fritz Rust out third division North Season 1973 1974 SV Meppen Players at the presentation


Gans hielt stand, sein Ehrgeiz und sein Lernwille führten schnell zu einem Stammplatz. Nach zwei Jahren wollte Präsident Wolfgang Gersmann unbedingt verlängern mit dem flinken, ballgewandten Kämpfer – dann meldete sich der VfL.

„Walter Koch, damals eine Art Chefeinkäufer des VfL, lockte mich. Die Meppener boten mehr Geld und ein Grundstück – aber mir ging es ja nicht um Geld! Ich wollte weiterkommen, wollte Profi werden und an der Bremer Brücke spielen. Doch als ich dann da war, war ich nicht sofort Stammspieler – und daran hatte ich zu knacken. Die Truppe war mit tollen Spielern besetzt – Nordmann, Schock, Hegekötter, Wohlgemuth, Mühlenberg, Greif. Da musste ich mich hinten anstellen.“

Erstes Zweitligaspiel vor 50000 im Westfalenstadion

Nur zehn Spiele bestritt Gans in seiner Premierensaison 1975/76 in der 2. Liga Nord, das Debüt ist ihm unvergessen. Im neuen und viel bestaunten Dortmunder Westfalenstadion wechselte der Trainer-Haudegen Reinhold Ertel den 22-Jährigen ein, der sollte beim Stand von 1:2 die Bewachung des ungarischen BVB-Stars Zoltan Varga übernehmen. Vor über 50 000 Zuschauern holte der VfL durch ein Tor von Dieter Greif noch ein 2:2 beim haushohen Favoriten – auch, weil der Debütant Gans, vormittags Schüler am Wirtschaftsgymnasium am Pottgraben, nachmittags Halbprofi, dem Weltklassekicker Varga mächtig auf die Hacken stieg.

Alltag in der 2. Liga Nord: Lothar Gans im Duell mit einem Gegner im Spiel gegen Union Solingen. Foto: Fritz Rust


„Das war ein Signal, ich sagte mir: Jetzt bist du dran! Ich habe wie besessen in jedem Training um meine Chance gekämpft, weil ich mir sagte: Den Platz gibst du nicht mehr her. Ich wollte es allen zeigen – den Kumpels, die an der Bremer Brücke zuschauten. Aber auch Mannschaftskollegen. Bei solchen Führungspersönlichkeiten wie Schock oder Wohlgemuth hast du die Verpflichtung gespürt, alles für die Mannschaft zu geben. Wir haben uns quasi selbst dazu erzogen.“

Ertel entdeckte Gans als Rechtsverteidiger 

Im Sommer 1976 ging Ertel, zurück in seine Heimat Lübeck. Doch vorher sorgte er dafür, dass Gans seine optimale Position fand. In einem Freundschaftsspiel in Meppen setzte er den Mittelfeldspieler als Rechtsverteidiger ein.

„Mein erster Gedanke war: Jetzt ist alles vorbei. Aber Ertel, dieser Instinktfußballer, hatte gespürt, dass mir das liegt. Ich war schnell, konnte ordentlich flanken und war bissig im Zweikampf. Das passte genau in diese Zeit, in der die Offensivverteidiger in Mode kamen. Das wurde mein Ding, und ich bin nie wieder da weggekommen. Später habe ich selbst Spieler für diese Position entdeckt: Shaggy Owomoyela, der sogar Nationalspieler wurde, auch Nazim Sangare.“

293 Spiele in der 2. Bundesliga und 2. Liga Nord

Als Rechtsverteidiger wurde Gans zur Institution beim VfL. Acht Jahre lang versäumte er nur dann ein Pflichtspiel, wenn er verletzt ist – dazu gehört auch der Pokal-Triumph am 23. September 1978 beim FC Bayern München. 293 Einsätze in der 2. Liga Nord und in der 2. Bundesliga stehen in seiner Personalakte, nur sechs VfLer haben mehr bestritten. Das letzte bestritt Gans am 26. Mai 1984 – es war der bittere Tag des ersten VfL-Abstiegs seit fast fünfzig Jahren.

Stammspieler erst in der zweiten Saison beim VfL Osnabrück: Lothar Gans (Fünfter von rechts) vor einem Spiel gegen den FC St. Pauli. Foto: Imago/Fritz Rust


Nächste Folge: Das abrupte und bittere Ende einer Profilaufbahn



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