Ein lila-weißes Leben – Serie über Lothar Gans (1) Schon das erste Trikot war lila – aber es war nicht das des VfL Osnabrück

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Die Jugend beim VfB Schinkel: Lothar Gans (vordere Reihe, Dritter von rechts) mit der A-Jugend am Zuschlag. Foto: Gans/privatDie Jugend beim VfB Schinkel: Lothar Gans (vordere Reihe, Dritter von rechts) mit der A-Jugend am Zuschlag. Foto: Gans/privat

Osnabrück. Lothar Gans wird am Samstag beim Derby gegen den SV Meppen offiziell verabschiedet – nach neun Jahren als Profi und 22 Jahren als Manager, Geschäftsführer und Trainer des VfL Osnabrück. Aus diesem Anlass zeichnen wir in dieser Serie seinen Weg durch die Fußballzeiten nach. In der ersten Folge geht es um seine Wurzeln im Osnabrücker Stadtteil Widukindland und sein erstes offizielles Fußballspiel.

Widukindland – ein Siedlungsstadtteil im Nordosten von Osnabrück, an den Hängen des Schinkelbergs. Entstanden in den Zwanziger- und Dreißigerjahren als Heimat für junge Familien. Einfache Häuser, große Grundstücke – hier pflanzten die Menschen Obst und Gemüse an, hielten Hühner, Kaninchen oder auch Schweine. Es gab keine Armut, aber erst recht keinen Luxus. Hier lebten Menschen, die den Pfennig zweimal umdrehten, bevor sie ihn ausgaben.

Ein Bolzplatz mit selbstgebauten Toren

Nirgends stand ein Fußballtor im Garten, und einen Bolzplatz gab es im Viertel nicht, als Lothar Gans im Widukindland, am Freiheitsweg, groß wurde. Und doch war der Fußball für die meisten Jungs der Lebensinhalt. Sie kickten auf einer abschüssigen Wiese an der Bremer Straße oder auf einer Lichtung im Wald am Ickerweg, mit selbst gebauten Toren.

„Wir haben jeden Tag gebolzt. Es gab keine Schiedsrichter, und man musste sich durchsetzen. Wer heulte, hatte keine Chance. Und wer einen echten Lederball mitbrachte, war der König.“

Mit sieben in der Knabenmannschaft des VfB Schinkel

Gans war einer Jüngsten und Kleinsten, aber er war zäh und ehrgeizig. Der Schritt in den Verein kam früh, und er war nicht weit. In der Gartlage, am Zuschlag, hatte der VfB Schinkel eine neue Heimat gefunden und den Platz am Kassmannsweg verlassen. Gans war gerade mal sieben, da durfte er mitspielen – bei den Knaben, wie die jüngste Stufe im Jugendfußball offiziell hieß und in der man eigentlich zehn sein musste.

Per Losentscheid verlor die A-Jugend des VfB Schinkel um Kapitän Lothar Gans (ganz links) das Stadtpokalfinale gegen den VfL Osnabrück. Foto: privat/Gans

„Da hat keiner so genau drauf geguckt. Man brauchte einen Stempel vom Hausarzt im Spielerpass, dann ging es los. Ich kann mich noch ganz genau erinnern an mein erstes Spiel – es war im Paradies… Am Paradiesweg hatte Eintracht den Platz, da habe ich das erste Mal ein richtiges Spiel gemacht. Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich das lila Trikot zum Waschen mit nach Hause nehmen durfte.“

Der Vater, der mit seinem Fußball-Interesse Lothar und den sieben Jahre älteren Bruder Jürgen angesteckt hatte, erlebte das Debüt nicht mehr. 1959 war der Kraftfahrer nach einem Unfall verstorben, seine Frau Gertrud musste die Jungs sowie die Schwestern Brigitte und Sigrid allein durchbringen. 

Der VfL rief, aber Gans ging zum TuS Haste

Aus den Straßenmannschaften jener Jahre gingen zahlreiche Talente hervor. Auch Gans fiel auf, und prompt meldete sich VfL-Jugendleiter Reyl. Vergeblich. Die Kumpels beim VfB waren Lothar wichtiger. Doch als ein Jahr später der TuS Haste anfragte, verließ er den Heimatclub – so, wie ein Jahr zuvor sein Freund Detlev Hegekötter. Die Jugendleistungsklasse lockte ihn, die Aussicht auf Training mit der ersten Mannschaft des TuS, der damals die zweite Kraft hinter dem VfL war. Trainer war Helmut Spielmeyer, der acht Jahre in der Oberligamannschaft des VfL gespielt hatte.

Die ersten zwei Jahre in der Herrenmannschaft: Lothar Gans (vorne, Dritter von rechts) im Trikot von TuS Haste. Foto: Stallkamp/privat

„Beim VfB war man enttäuscht, als ich ging. Aber ich wollte weiterkommen. Ich war damals schon besessen, trainierte regelmäßig für mich allein. Ich baute mir Hürden im Wald und machte dort Läufe, ich sprintete den steilen Heckenweg in der Siedlung hoch, und auf die Mauer bei uns im Hof malte ich einen Kreis, auf den ich schoss: Links, rechts, Vollspann, Innenseite – immer wieder, stundenlang.“

Als A-Jugendlicher Training in der Ersten

In Haste wurde sein Talent auf Anhieb erkannt, schon als A-Jugendlicher trainierte er in der Ersten, die damals in der Landesliga spielte. Zwei Jahre zuvor hatte der TuS für Furore gesorgt, war in die Regionalliga Nord aufgestiegen und hatte eine Saison auf Augenhöhe mit dem VfL in der Regionalliga Nord gespielt. Daran wollten die Haster mit dem Wäscherei-Inhaber Horst Schäfer als unermüdlichem Macher, Mäzen und Förderer Anfang der Siebzigerjahre anknüpfen.

„Eines Tages bat mich Trainer Spielmeyer, eine echte Respektsperson, zum Gespräch. Er fragte: Rauchst du? Trinkst du? Nein? Okay – dann bist du morgen dabei. Mit 17 debütierte ich, zwei Jahre spielte ich in der ersten Mannschaft. Als ich im Training merkte, dass ich mit ehemaligen VfL-Profis wie Sigi Müller, Toscha Grujic oder Kalla Diehl mithalten konnte, da wusste ich, dass ich es schaffen konnte, wovon ich schon immer träumte: an der Bremer Brücke zu spielen.“

"Ein bisschen Geld möchte ich auch..."

Die Haster Youngster wurden eher knapp gehalten, aber ihnen blieb nicht verborgen, dass die etablierten Spieler ab und zu einen Umschlag zugesteckt bekamen. Gans nahm seinen Mut zusammen und sprach beim mächtigen Boss Schäfer vor: „Ein bisschen Geld möchte ich auch!“ Und weil man wusste, was der drahtige, ballsichere Mittelfeldspieler konnte, gab es 3000 DM – für eine ganze Saison. Nicht schlecht für einen Jungen, der am Wirtschaftsgymnasium zur Schule ging.

Und dann meldete sich wieder der VfL.

Nächste Folge: Über Meppen zum ersten Profivertrag.



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