2003 von Pagelsdorf überredet Rolf Meyer ist beim VfL Osnabrück mehr als nur Torwarttrainer

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Ein Auge für Talente hat Torwarttrainer Rolf Meyer (rechts), hier in Belek bei der Arbeit mit Nils Körber. Foto: osnapix / TitgemeyerEin Auge für Talente hat Torwarttrainer Rolf Meyer (rechts), hier in Belek bei der Arbeit mit Nils Körber. Foto: osnapix / Titgemeyer

Belek. Rolf Meyer weiß, wann konzentrierte Arbeit angesagt ist – und wann es an der Zeit ist für einen lockeren Spruch. Der 63-Jährige ist beim VfL Osnabrück lange genug im Geschäft und mehr als nur Torwarttrainer. Sein Fachwissen ist gefragt, aber auch als Typ wird er im Team geschätzt.

Wer mit Rolf Meyer ins Gespräch kommen will, braucht ihn nur anzusprechen. „Rolf, Rollo oder Rolli – ich reagiere auf alles“, sagt er, „das hat sich im Laufe der Zeit so ergeben“. Genau wie die Spitznamen sind auch die Dienstjahre bei den Lila-Weißen immer mehr geworden.

2003 von Pagelsdorf überredet

Frank Pagelsdorf hatte ihn 2003 „mehr oder weniger überredet“, neben seinem Job als Handelsvertreter für einen Sportartikelhersteller das Torwarttraining beim VfL zu übernehmen. Nach kurzer Zeit war für Meyer klar: „Das kann funktionieren.“ Allerdings nicht mehr in Kombination mit dem Außendienst, also widmete er sich voll und ganz der neuen Aufgabe. Pagelsdorf musste 2004 gehen. Rolf Meyer blieb. Und blieb. Und blieb.

Meyer ist seit 2003 beim VfL als Torwarttrainer. Foto: osnapix / Titgemeyer

DFB-Pokalsieger mit Borussia Dortmund

Samt Interimslösungen hat er in mehr als 15 Jahren zwölf Wechsel auf dem Trainerstuhl in Osnabrück erlebt. „Als Spieler habe ich in sieben Jahren mehr Trainer gehabt, manchmal drei in einer Saison. Das gab es schon zu der Zeit“, sagt Meyer, der zwischen 1978 und 1990 exakt 184 Zweitligapartien für den VfL und fünf Bundesligaspiele für Dortmund bestritt und mit der Borussia 1989 den DFB-Pokal gewann. 

Thioune: Rolf ist der Spezialist

Als Torwarttrainer in Osnabrück musste er sich jedes Mal auf die neuen Chefs einstellen. „Jeder hat eine andere Vorstellung“, sagt Meyer, aber eins hatten sie alle gemeinsam: „Sie haben mir bei meiner Arbeit freie Hand gelassen.“ Bei Daniel Thioune ist das nicht anders. „Ich trage die Verantwortung, aber ich würde mir nicht anmaßen, gegen Rolf zu entscheiden. Er ist der Spezialist“, sagt der Cheftrainer. In der Sommervorbereitung habe es auch „Argumente gegeben, Philipp Kühn, am ersten Spieltag ins Tor zu stellen. Aber Rolf hat so entschieden, und das trage ich mit“, sagt Thioune.

Mit Spaß bei der Arbeit: Rolf Meyer mit Laurenz Beckemeyer, Philipp Kühn und Nils Körper (von links). Foto: osnapix / Titgemeyer

Mit früheren VfL-Keepern noch in Kontakt

Der 63-Jährige hat oft genug gezeigt, dass er ein Auge für Talente hat. Bei Manuel Riemann, Daniel Heuer Fernandes, Marvin Schwäbe, Marius Gersbeck und aktuell Nils Körber – um nur die jüngsten Beispiele zu nennen – zeigte die Leistungskurve unter Meyers Regie nach oben. Ein bisschen Stolz schwingt mit, wenn er sagt: „Es macht Spaß zu sehen, dass sich Spieler so entwickeln und dass ich einen Teil dazu beigetragen habe.“ Mit allen früheren VfL-Torhütern steht er noch in Kontakt, und der geht nicht nur einseitig von Meyer aus: „Sie rufen auch mal von sich aus an. Dann kann die Zusammenarbeit nicht so schlecht gewesen sein.“

„Junge Torhüter sind noch dankbar für Begleitung“ 

Sein einstiger Schützling Frederik Gößling ist heute Torwarttrainer in Leipzig, Tino Berbig Sportdirektor in Nordhausen. Meyer ist eine Konstante in Osnabrück und hat die Lila-Weißen in seinem Netzwerk zu einer attraktiven Adresse geformt. „Inzwischen ist beim VfL die Bereitschaft da, immer wieder mit jungen Torhütern zu arbeiten. Verein, Trainer und Sportdirektor müssen da immer mitspielen, aber ich arbeite gerne mit jungen Leuten, weil sie noch offen für Tipps und dankbar für die Begleitung sind.“

Respekt vor dem sportlichen Ehrgeiz: Meyer mit Ersatztorwart Philipp Kühn. Foto: osnapix / Titgemeyer

Eine Position mit besonderem Druck

Die beschränkt sich nicht nur auf die spezifischen Einheiten mit den drei mitgereisten Torwarten, sondern umfasst auch viele kleinere Hilfestellungen und Einzelgespräche. „Torhüter stehen psychologisch unter einem besonderen Druck“, sagt Meyer. Fehler sind meist folgenschwer. Hinzu kommt die Konkurrenzsituation. „Ich ziehe den Hut davor, mit welchem Ehrgeiz und welcher Kollegialität Philipp Kühn in jede Trainingseinheit geht“, sagt Meyer, der die Gedanken eines Torhüters auf der Bank nachvollziehen kann: „Ich habe selbst gespielt, aber auch selbst draußen gesessen.“

Ausleihen gehören zum Geschäft

Natürlich freut ihn gleichzeitig die Entwicklung von Körber zum starken Stammkeeper. Dass der 22-Jährige von Hertha BSC nur ausgeliehen ist, wie es auch schon andere vor ihm waren, gehört für Meyer zum Geschäft. „Auch junge Torhüter sind schon relativ teuer, wenn man Qualität haben möchte. Und wenn es für beide Vereine und den Spieler stimmt, ist eine Leihe eine gute Sache.“

„Im Spiel muss ja auch jeder selber entscheiden. Ich stehe ja nicht da und sage: Spring jetzt nach rechts“Rolf Meyer, Torwarttrainer des VfL Osnabrück
Die Arbeit mit jungen Spielern wie Laurenz Beckemeyer macht Meyer Spaß. "Sie nehmen Tipps noch an", sagt er. Foto: osnapix / Titgemeyer

„Ich kann Spieler nur begleiten“

Meyer kann pragmatisch sein – und manchmal philosophisch. „Der Weg, den ein Spieler geht, bestimmt er immer selbst. Ich kann ihn nur begleiten und manchmal eine Tür aufmachen. Das müssen die Spieler begreifen“, legt er viel Wert auf Selbstständigkeit. „Im Spiel muss ja auch jeder selber entscheiden. Ich stehe ja nicht da und sage: Spring jetzt nach rechts.“

Lieber noch mal aufsteigen als eine weitere Saison wie 2017/18

Lerneffekte bringen auch schwierige Zeiten wie die vergangene Saison mit sich. „Da muss man durch“, sagt Meyer, aber so etwas „möchte ich nicht immer erleben“. Dann lieber noch einen Aufstieg. Zwei hat er schon mitgemacht. Gegen einen dritten würde er sich „nicht wehren. Aber da liegt noch einige Arbeit vor uns.“

Geballte Erfahrung: Rolf Meyer ist seit 2003 Torwarttrainer beim VfL Osnabrück. Foto: osnapix / Titgemeyer

„Er ist ein richtig lockerer Typ“

Das alles klingt nach großem Pflichtbewusstsein, aber Meyer kann auch anders. Der Torwarttrainer ist einer, der gerne lacht, und wenn er lacht, dann herzhaft. „Nach außen wird er als sehr ernst wahrgenommen, aber er ist ein richtig lockerer Typ, mit dem ich auch neben dem Platz gerne noch mal zusammensitze“, sagt Zeugwart Mario Richter, der Meyer auch für andere Expertisen zu schätzen weiß: „Durch seine Erfahrung kann er viele Tipps geben, auch, worauf man bei der Ausrüstung achten muss und was man dabei besser machen kann“, sagt Richter. Auf dem Trainingsplatz geht zwar die Arbeit vor, aber wenn alles läuft wie geplant, „dann bin ich der Letzte, der nicht für einen Spaß zu haben ist“, grinst Meyer, und man erahnt den Schalk im Nacken. „Jeden Tag ohne Spaß zu arbeiten“, sagt er, „das bringt uns ja auch nicht weiter.“


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