Trainingslager in Belek VfL-Fans in Belek: Auch im Rollstuhl ist kein Weg zu weit

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Im Trainingslager des VfL Osnabrück ganz nah dran am Geschehen: Die Fans Jörg Paskert (vorne), Sven Dirkes, Norbert Dirkes, Bastian Dieker und Daniel Pöppelmann (hinten, von links). Foto: osnapix / TitgemeyerIm Trainingslager des VfL Osnabrück ganz nah dran am Geschehen: Die Fans Jörg Paskert (vorne), Sven Dirkes, Norbert Dirkes, Bastian Dieker und Daniel Pöppelmann (hinten, von links). Foto: osnapix / Titgemeyer

Belek. Einige Fans können auch in der Winterpause nicht ohne Fußball auskommen: Fünf Anhänger des VfL Osnabrück haben einen einwöchigen Urlaub in der Türkei eingelegt, um den Drittliga-Fußballern im Trainingslager in Belek bei der Arbeit zuschauen zu können.

Wenn die Drittliga-Fußballer des VfL Osnabrück in Belek ihre Runden zum Aufwärmen drehen und später an Technik und Taktik arbeiten, sitzt Jörg Paskert in seinem Rollstuhl auf der Tribüne am Trainingsplatz und schaut aufmerksam zu. Daniel Pöppelmann hat Kaffee besorgt und macht es sich dann im Stuhl neben Paskert bequem – mit bestem Blick auf den Rasen. Insgesamt fünf treue Anhänger zählt die Fangemeinde der Lila-Weißen im Trainingslager.

Auch im Rollstuhl ist kein Weg zu weit

Paskert feiert in Belek ein kleines Jubiläum: Zum fünften Mal verbringt der 52-Jährige eine Woche Urlaub dort, wo der VfL Osnabrück im Trainingslager ist. „Es ist klasse, wieder dabei zu sein“, sagt er. An seiner Seite ist Daniel Pöppelmann behilflich, wenn mit dem Rollstuhl Hürden zu überwinden sind. Sein Onkel war in Coesfeld im gleichen VfL-Fanclub wie Paskert. Auf einer Rückfahrt im Zug ergab sich vor Jahren die Zweckgemeinschaft. Im Laufe der Zeit und vieler Auswärtsspiele ist daraus eine Freundschaft geworden. „Daniel ist deutlich jünger, aber wir verstehen uns trotzdem prima“, sagt Paskert über den 24-Jährigen. 

Kleines Jubiläum: Zum fünften Mal im Trainingslager

VfL-Fans sind beide schon lange. Paskert fuhr auch schon zu Auswärtsspielen, bevor er unglücklich stürzte und querschnittsgelähmt wurde. Es war am 30. September 2000. An das Datum wird sich Paskert wohl immer genau erinnern. An seiner Begeisterung für den VfL hat das nichts geändert. Dreimal Spanien, jetzt zum zweiten Mal in der Türkei – 2018 machten Paskert und Pöppelmann nur eine Pause, weil die Reise zu teuer war. „Und für die Fahrten zum Trainingsgelände hätten wir uns einen Mietwagen oder jedes Mal ein Taxi nehmen müssen“, sagt Pöppelmann.

Angenehme Bedingungen in Belek

Da ist die fußläufige Entfernung zum Trainingsplatz auf dem Gelände des Bellis-Deluxe-Hotels schon angenehmer, und „das Hotel ist total behindertengerecht“, freut sich Paskert. Und kein anderer deutscher Klub ist darin untergebracht. Das heißt: Es gibt auch keinen Stress wie 2017 mit Anhängern eines anderen Drittligisten, die Paskert und Pöppelmann das Leben schwermachten. „Das war nicht so lustig“, erinnert sich Paskert. Nun ist alles besser, „eigentlich optimale Bedingungen“, urteilt Pöppelmann – mit einer kleinen Einschränkung: „Es ist sehr kalt.“ 8 bis 10 Grad bei ordentlichem Wind sind ungemütlich, aber kein Grund, eine Einheit auszulassen. Jedes Training soll verfolgt werden. „Sonst wären wir ja nicht hier“, sagt der dick eingemummelte Paskert. „Man kriegt ja selten so exklusive Eindrücke“, erklärt Pöppelmann.

„Umso näher das Trainingslager kam, umso mehr Bock habe ich darauf bekommen“Bastian Dieker, spontan reisender VfL-Fan

Gelbes Ausweichtrikot im Reisegepäck

Was ebenfalls schwer zu bekommen war, war das gelbe Ausweichtrikot des VfL. „Beim Spiel in Meppen habe ich gesagt: Wenn wir gewinnen, gebe ich Daniel ein Trikot aus“, erinnert sich Paskert. Der VfL gewann, nur die gelben Jerseys waren in den Erwachsenengrößen schnell vergriffen. Passend zum Trainingslager ist Paskert nun doch ausgestattet: Bastian Dieker aus Gehrde, ein Bekannter von Pöppelmann, hatte die Trikots im Fanshop entdeckt und im Reisegepäck, als er am Dienstag landete. „Zusammen mit einem Freund hatte ich das Trainingslager im Auge, aber das hat sich dann nicht ergeben“, sagt Dieker. „Aber umso näher das Trainingslager kam, umso mehr Bock habe ich darauf bekommen.“ Der 24-Jährige buchte spontan am vergangenen Samstag: „Eigentlich hatte ich gedacht, dass der Preis mich abschreckt, aber es war dann so günstig, dass ich gar nicht zuhause bleiben konnte.“

Reise ins Trainingslager als Weihnachtsgeschenk

Dieker ist ebenso ein Trainingslager-Debütant wie Norbert und Sven Dirkes aus Neuenkirchen/Bramsche. Von Sohn Sven gab es die Reise ins Trainingslager als Weihnachtsgeschenk. „Wir gehen seit ewigen Jahren zum VfL. Das ist so ein Vater-Sohn-Ding“, sagt Sven Dirkes und hatte noch einen weiteren guten Grund für ein solch besonderes Geschenk. „Es war ein Dank dafür, dass meine Eltern mich durchs Studium gebracht haben. Dafür wollte ich ihnen mal was zurückgeben“, sagt der 25-jährige Unternehmensberater. Ohne zu viel zu verraten: Zum nächsten Weihnachtsfest soll seine Mutter ein größeres Geschenk bekommen. Dieses Mal kam der Vater in den Genuss. „Das habe ich natürlich dankend angenommen“, sagt Norbert Dirkes, der nicht nur von der Anlage schwärmt („absolut top“), sondern im Hotel schon gelegentlich mit Spielern und anderen aus dem VfL-Tross in Kontakt gekommen ist, „beim Smalltalk im Fahrstuhl zum Beispiel“.

Für die einen harte Arbeit, für die anderen Urlaub

Ansonsten halten sich die Fans vornehm zurück. „Wir wollen ja nicht aufdringlich sein“, sagt Jörg Paskert, der im Bekanntenkreis schon mal gefragt wurde, ob er denn abends an der Theke ein Bier mit den Spielern trinke. „Das sind Leistungssportler, und das Trainingslager ist ihr Job. Für die ist das harte Arbeit“, hatte er eine klare Antwort. Genauso eindeutig ist, dass die Begeisterung im Trainingslager offenbar ansteckend ist. „Wir hätten gedacht, dass noch mehr VfL-Fans hier sind“, sagt Norbert Dirkes, der sich – „wenn die Temperaturen stimmen“ – durchaus eine erneute Reise ins Trainingslager vorstellen kann. „Dann hoffentlich ins Trainingslager eines Zweitligisten“, sagt sein Sohn Sven, aber dafür sind die Fachkräfte auf dem Rasen zuständig. Für die fünf Fans in den VfL-Farben ist die Türkei-Reise nur Urlaub – auch wenn sie keine Trainingseinheit auslassen wollen.


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