Ein Tor so wertvoll wie zwei Grätschen Wie Joker Amenyido die Mentalität des VfL Osnabrück verkörpert

Von Johannes Kapitza und Susanne Fetter

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Einmal treffen oder zweimal grätschen: Osnabrücks Etienne Amenyido (rechts) ging mit vollem Einsatz zur Sache wie hier gegen Uerdingens Manuel Konrad. Foto: imago/pmkEinmal treffen oder zweimal grätschen: Osnabrücks Etienne Amenyido (rechts) ging mit vollem Einsatz zur Sache wie hier gegen Uerdingens Manuel Konrad. Foto: imago/pmk

Osnabrück. An der Halle Gartlage ist Jahrmarkt, aber das aufregendste Fahrgeschäft steht in dieser Saison auf der anderen Seite der Bahnschienen: 90 Minuten plus Nachspielzeit dauert eine Achterbahnfahrt beim VfL Osnabrück, und meistens endet sie, wenn es am schönsten ist…

Für die Gegner wird die Bremer Brücke zum Gruselkabinett: In vier von sieben Heimspielen trafen die lila-weißen Mentalitätsmonster in der dritten Minute der Nachspielzeit. Gegen Würzburg und Uerdingen wurde so aus einem 1:1 noch ein Sieg, gegen 1860 München aus einem 1:2 noch ein Unentschieden. Fünf Zähler sind die späten Treffer wert. Nur das Tor zum 2:0 gegen Kaiserslautern brachte keine zusätzlichen Punkte.

Nachlesen: Der lila-weiße Wahnsinn in letzter Minute hat Methode

Thioune: Die Einstellung stimmt

„In der ersten Halbzeit hatten wir noch Probleme, mit dem hohen Pressing des Gegners. Das konnten wir fußballerisch zu selten gut lösen. Am Ball können wir alle noch wachsen“, sagte Daniel Thioune nach dem 2:1 gegen Uerdingen, aber der VfL-Trainer registrierte auch zufrieden: „Mentalität und Einstellung stimmen.“ Ein „Faustschlag“ sei das 0:1 gewesen. „Wir taumeln zwar kurz, kommen aber zurück. Die Mannschaft lebt und ist immer wieder da“, sagte der 44-Jährige.

Amenyido verkörpert die Mentalität des VfL

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, was eine Mannschaft mit der richtigen Einstellung erreichen kann. Heute vor einem Jahr war ein trostloser VfL nur Vorletzter. Das hat sich gewandelt. Als Beispiel zog Thioune Zugang Etienne Amenyido heran. Der 20-jährige Stürmer kam zuvor nur auf zwei Einsätze als Joker, aber der Trainer vertraute ihm auch bei der Einwechslung gegen Uerdingen und sah sich bestätigt: „Entweder ein Stürmer trifft vorne, oder er macht die Wege nach hinten und grätscht zweimal dazwischen – beides ist gleich wertvoll.“ Amenyido traf nicht, rackerte dafür aber defensiv. „Er hat vieles von dem verstanden, was wir sein wollen“, sagte Thioune.

VfL-Tore in der Nachspielzeit sind fünf Punkte wert
Fünf Tore hat der VfL Osnabrück in dieser Saison schon in der 3. Minute der Nachspielzeit erzielt. Die Treffer waren fünf Punkte wert.
1. Spieltag: Tor zum 2:1 gegen Würzburg (Manuel Farrona Pulido, Linksschuss nach Einwurf)
2. Spieltag: Tor zum 2:0 in Meppen (Anas Ouahim, Rechtsschuss nach Konter )
3. Spieltag: Tor zum 2:2 gegen 1860 München (Marcos Álvarez, direkter Freistoß )
11. Spieltag: Tor zum 2:0 gegen Kaiserslautern (Marcos Álvarez, Rechtsschuss nach Konter)
14. Spieltag: Tor zum 2:1 gegen Uerdingen (Marcos Álvarez, Handelfmeter)

"Blacha taktisch und strategisch überragend"

Ein Lob verdiente sich auch David Blacha. „Taktisch und strategisch war das überragend von ihm. Er hat ja so gut wie jeden unserer Angriffe initiiert“, sagte Thioune. Dass mit dem verletzten Dauerbrenner Ulrich Taffertshofer eine Stammkraft im defensiven Mittelfeld fehlte, fiel kaum ins Auge.

Hier gibt's den Liveticker zum Nachlesen

Das entscheidende Tor: Marcos Álvarez trifft in der Nachspielzeit zum 2:1 gegen Uerdingen. Foto: Helmut Kemme

Heider: Wollen den Platz nicht hergeben

Der Mut, in der Schlussphase alles auf Angriff zu setzen, wurde mit dem Handelfmeter in der Nachspielzeit belohnt. „Es ist ein unglaubliches Gefühl und macht momentan richtig viel Spaß, mit der Mannschaft zu arbeiten“, sagte Kapitän Marc Heider. Die Euphorie hält an – nicht nur im Umfeld des Spitzenreiters, sondern auch in der Mannschaft. „Wir können nicht bis zum Ende der Saison schauen, aber wir stehen da oben und wollen den Platz nicht hergeben“, sagte Heider und wusste um die Bedeutung des Sieges: „Wenn man diese Spiele gewinnt, ist das extrem wichtig.“

Glücklich nach dem Sieg in letzter Minute: Marc Heider (vorne) und Steffen Tigges. Foto: Helmut Kemme

Danneberg: Dieses Spiel wird uns tragen

„Jedes Spiel, das du gewinnst, ist ein Schlüsselspiel“, bescheinigte Tim Danneberg seinem Team einen „unbändigen Willen“, warnte aber vor verfrühten Prognosen: „Dafür ist die Saison noch zu jung, aber wenn wir so ein Spiel mit so einer Mentalität gewinnen, dann kann uns das durch die nächsten Wochen tragen.“

Weiterlesen: Danneberg: Ich bin extrem stolz auf diese Mannschaft

Thioune ist Mahner, aber kein Stimmungskiller

„Paderborn hat in der vergangenen Saison die Gegner spielerisch auseinandergenommen. Das haben wir bislang noch in keinem Spiel geschafft“, relativierte Thioune den Höhenflug und erinnerte: „Wir müssen in jedem Spiel viel investieren.“ Die Freude über die neu gewonnene mentale Stärke wollte er allerdings nicht verderben: „Wenn wir weiter da oben stehen, sind wir die Letzten, die nicht darüber reden würden.“


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