Lernort Bremer Brücke VfL-Fanprojekt holt Klassenzimmer ins Stadion

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Klare Botschaften setzten die Erich-Maria-Remarque-Realschüler beim Lernort an der Bremer Brücke. Foto: Swaantje HehmannKlare Botschaften setzten die Erich-Maria-Remarque-Realschüler beim Lernort an der Bremer Brücke. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Diskriminierung im Fußball und im Alltagsleben? Neuntklässler der Erich-Maria-Remarque-Realschule wissen um das Problem und können über entsprechende Erfahrungen berichten. Das Fanprojekt des VfL Osnabrück will junge Leute zu diesem Thema sensibilisieren – es gelingt am „Lernort Bremer Brücke“.

 Offene Runde statt Stuhltische, lila-weiß gestrichene Wände statt kahler Klassenzimmer: Der Wechsel der Umgebung sowie die Schaffung einer besonderen Atmosphäre in den Katakomben des VfL-Stadions soll die Schüler animieren, sich auch mit schwierigen Themen offen auseinanderzusetzen. „Natürlich findet Diskriminierung auch in Osnabrück statt. Das wird aber nicht thematisiert“, sagt Michael Aschmann vom Fanprojekt Osnabrück. Er steht mit Lisa Roggenkamp, die den VfL bei der Organisation und Durchführung des Lernorts unterstützt, vor den 20 Schülern.

Sie sind für das Lernmodul „Diskriminierung und politische Einflüsse“ an die Brücke gekommen – und wissen mit dem Thema durchaus etwas anzufangen. Die Jungs kennen gleich Beispiele aus Fußballspielen – aus eigener Erfahrung. Da wurde ein Mitspieler mit einem Spruch über eine Äußerlichkeit beleidigt und hatte als Reaktion den Provokateur auf den Boden geschubst. Die Folge: Rote Karte – und zwar für beide Nachwuchskicker.

Begriffe wie „Weißkäse“ (für blasse Menschen) oder „Nafri“ (umstrittene Bezeichnung der Polizei für Nordafrikaner) würden, im Gespräch unter Neuntklässlern, wie an der Brücke offenbar wurde, aber auch als Scherz gebraucht: „Das macht jeder unter Freunden“, sagt ein Schüler. „Wann aber wird aus dem Spaß, den sie machen, Ernst“, fragt sich VfL-Vizepräsident Freddy Fenkes in der Pause.

Das macht ja jeder unter Freunden.Schüler beim Lernort Bremer Brücke

Zuvor und auch danach wird der Frontalunterricht immer wieder aufgebrochen. Analysiert werden etwa Fotos aus dem Fußballstadion, über die die Schüler in Gruppen sprechen. Dort werden Formen der Diskriminierung sichtbar: Sexismus, als eine Frau auf lange blonde Haare und große Brüste reduziert wird. „Typisch deutsch“, sagt einer. Dazu gibt es Beispiele zu homophoben Sprüchen in der Fankurve („Weicheier“, „Schwuchteln“). Oder das Foto von Nazis unter den Fans von Energie Cottbus, die beim Spiel gegen Dynamo Dresden ein Banner mit dem Wort „Juden“ aufziehen, mit dem Dynamo-Logo als D. Da wird es schwierig für die jungen Schüler. „Wenn du mich Jude nennst, ist mir das egal. Ich bin Moslem“, sagt ein 14-Jähriger.Das zeigen Fotos von Situationen aus dem Stadion, über die die Schüler in Gruppen sprechen. Da wird es sichtbar: Der Sexismus, wenn eine Frau auf lange blonde Haare und große Brüste reduziert wird. "Typisch deutsch", fällt gleich einem ein. Auch Beispiele zu homophoben Sprüche über Schwuchteln oder Weicheier gibt es zuhauf. 

Im Kontext, bei welchem Spiel die Fotos entstanden sind, erklärt sich vieles. Etwa, wenn beim Spiel gegen Dynamo Dresden die Fans von Energie Cottbus ein Banner mit dem Wort "Juden" aufziehen, mit dem Dynamos Logo als D. Da wird es schwierig für die jungen Schüler. "Wenn du mich Jude nennst, ist mir das egal. Ich bin Moslem", sagt ein 14-Jähriger. 

„Man darf nicht diskriminieren, das wissen wir selbst aus eigener Erfahrung“, sagt Mehmet. In seiner Klasse sind Schüler aus zehn Nationen, wie Klassenlehrer Lars Rehberg erklärt. Direkte Diskriminierung gebe es unter den Schülern nicht, es herrsche guter Zusammenhalt. Während die Schüler reden, halten Marcel und Max von der Künstlergruppe 49er den Workshop als „graphic recording“ fest: als gezeichnete Mitschrift der Arbeitsergebnisse. Eine Kopie kann die Schule nutzen, um den Tag im Unterricht zu vertiefen.

Am Ende malen die Schüler selbst und werden kreativ – und auch deutlich. „Bei Diskriminierung kennen wir kein Pardon“, schreibt einer in eine Sprechblase. Die vier Stunden regen zum Nachdenken an. Sarrah will etwa beim nächsten Mal stärker überlegen, was sie zu ihren Mitschülern sagt. „Es war gut, hier zu sein, so haben wir besser zugehört“, sagt die Schülerin. Für viele gelten Sprüche wie „Du bist doch behindert“ weiter auch als Scherz – aber fast alle denken nun zumindest doch etwas mehr über einen solchen Ausspruch nach.


Lernort Bremer Brücke

Im Stadion des VfL will das Fanprojekt die Faszination des Fußballs nutzen, um Interesse für politische und gesellschaftsrelevante Bildung zu wecken. Das Angebot richtet sich an Schüler ab der 8. Klasse, Jugendzentren und Jugendfußballteams. Interessenten wenden sich an Roggenkamp, Fenkes oder das Fanprojekt (Telefon 0541 / 323 22 78).

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